Toyota Hilux

Mit Yak und Pack durch den Pamir

Wer oder was ist Tadschikistan? So stand es in einem Prospekt von Globetrotter und auch unsere Erfahrung zeigt, dass wir in fragende Gesichter schauen, wenn uns jemand fragt wo wir gerade seien und wir antworten in Tadschikistan.

Zu Beginn unserer Reise stand weder Kirgistan noch Tadschikistan auf dem Plan und als wir in Kirgistan eintrafen, planten wir noch keinen Trip über den Pamir.

In TES´Guesthouse trafen wir wieder einmal mit Emma und Andy zusammen und feierten dort gemeinsam Annettes Geburtstag. Die beiden Engländer überzeugten uns, mit Ihnen gemeinsam den Pamir Highway zu befahren und Oibek von Muztoo, einem schweizer Reisebüro in Osh besorgte für uns die Tadschikistan Visa, samt Pamir Permit in drei Tagen in der Hauptstadt Bischkek. In den drei Tagen, an denen wir warten mussten, trafen im Guesthouse einige Overlander und Motorradfahrer ein und wir hatten eine gute Zeit. Aber wir trafen auch schon einige Vorbereitungen, so baute Andy auch eine Dusche an seinen Toyota und wir füllten sämtliche Wasser- und Dieseltanks. Annette und Emma kauften Lebensmittel und Getränke ein, denn auf dem Pamir ist man auf sich alleine gestellt und es gibt nur wenige Orte wo man sich versorgen kann, meist auch nur privat.

Am Samstag nach Annettes Geburtstag brechen wir nach dem Frühstück in der Frühe auf. Das Beast ist vollgeladen, alle Tanks und der Kühlschrank sind gefüllt, Lebensmittel hängen überall in Tüten und Behältern herum. Ich fühle mich ein bisschen wie bei „Das Boot“, als sie sich auf Feindfahrt begeben und aus dem Hafen auslaufen. Jetzt wollte ich gerne mal wissen, wieviel Kilogramm wir auf die Waage bringen, schätzungsweise knappe 4 Tonnen.

Der erste Teil der M41 auf kirgisischer Seite ist noch gut ausgebaut und wir kommen flott voran. Wir passieren schon einige Pässe mit über dreitausend Metern Höhe und dann kommt der Kyzyl-Art-Pass mit 4280 m Höhe, auf diesem Pass befindet sich die kirgisisch-tadschikische Grenze und einer der Grenzbeamten empfängt uns mit den Worten:“ Welcome to the highest custom post in the world“.

Die Grenzabwicklung ist relativ problemlos, wir verhandeln natürlich wieder die Preise für diverse Zolldienstleistungen und bezahlen an den tadschikischen Zoll 25 US$ Zollabfertigungsgebühr, 10 US$ an die Transportabteilung und 70 Som an den Kollegen vom Veterinäramt. Ibrahim, ein tadschikischer Zöllner  will unbedingt das Beast kaufen und fragt uns aus, wir geben ihm eine Visitenkarte und teilen ihm mit, dass er uns eine E-Mail mit seinen Daten senden soll und wir uns dann bei ihm melden, wenn wir das Auto verkaufen. Er verrät uns dann, dass wir bereits alles bezahlt hätten und auf keinen Fall bei der Ausreise noch etwas bezahlen sollen.

Am ersten Tag fahren wir noch bis zum Lake Karakul und schlagen dort unsere Dachzelte auf. Dieser See ist durch einen Meteoriteneinschlag vor über 5 Millionen Jahren entstanden und hat keinen Abfluss, das Wasser salzhaltig und es gibt kaum Fische darin. Der See liegt auf ca. 4.000 m Höhe und somit höher als der Titicacasee, der als der höchstgelegene See der Welt gilt. Die Nacht ist kalt und wir spüren die Höhe. Stechen in der Brust, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind Anzeichen dafür.

Nach dem Frühstück geht es weiter in Richtung Murghab, wir befinden uns bereits in der autonomen Provinz Berg Badachschan, die man nur mit der sogenannten Pamir Permit befahren darf. Kurz vor Murghab müssen wir bereits den höchsten Pass des Pamir Highways, den Ak-Baital-Pass mit 4.655 m  überwinden. Die Fahrzeuge qualmen extrem schwarz, doch wir kommen gut den Berg hinauf, kurz vor der Passhöhe qualmt Andys Toyota aber plötzlich heftig weiß und wir glauben schon an ein Motorproblem, er meldet uns auch, dass in seinem Display „Check Engine“ angezeigt wird. Er bleibt aber cool und meint, dass das mit sinkender Höhe sicherlich wieder verschwinden wird, was dann auch tatsächlich so war. Murghab ist einer der Hauptorte im Pamir und es leben ca. 7.000 Menschen in dieser Stadt, in der Tourist-Info kaufen wir für einen Dollar ein Brot, was für diese Region sehr teuer ist. Am Ortsrand wird unsere Permit kontrolliert und wir biegen in ein Seitental ab. Die Strecke ist längst nicht mehr asphaltiert und wir fahren Off Road weiter bis wir einen schönen Stellplatz für die Nacht finden. Bei der Ankunft können wir an den Berghängen Tierpfade im Schnee sehen und erkennen dort kurz darauf auch die seltenen Marco Polo Schafe, die sich für die Nacht wieder in die Berge zurückziehen. Die zweite Nacht verbringen wir auf 4.200 m und wir schlafen schlecht.

Auch die Fahrzeuge spüren die Höhe, am Morgen gleich nach dem Starten des Motors ist die Leistung gleich Null, die beiden Geländewagen bewegen sich nicht vom Fleck, nach ca. 5 Minuten ändert sich das aber glücklicherweise wieder und wir können normal fahren, an den schwarzen Qualm haben wir uns bereits gewöhnt. Annette wechselt noch ihren BH und trägt nun ausschließlich ihren Lauf-BH von TriAction, das Gehoppel auf den schlechten Pfaden geht ihr auf die „Eier“.

Wir fahren durch wunderschöne Natur, durchqueren einen Fluss und kehren noch einmal nach Murghab zurück. Jetzt wechseln wir Geld, leider haben beide Banken geschlossen, aber irgendjemand schickt uns zum Pamir Hotel, dort können wir Geld wechseln und auch frisches Brot einkaufen. Der Manager spricht sogar deutsch. Jetzt wollen wir nur noch tanken, was sich als noch schwieriger herausstellt. Keine der Tankstellen hat Diesel und auf dem LKW Parkplatz bietet man uns den Diesel zum doppelten Preis an. Nach langem Hin und Her zeigt uns einer einen Hinterhof, wo man Diesel bekommen soll. Wir kaufen den kompletten Vorrat von 68 Litern auf und füllen unsere Tanks und Reservekanister damit auf. Bis Khorog kommt keine Tankstelle mehr.

Wir beschließen einen Schlafplatz unterhalb 4.000 m zu suchen und übernachten auf 3.900 m. Wir schlafen tatsächlich besser. Auf der M41, dem Pamir Highway fahren wir bis kurz nach Alichor und biegen dort nach einer Flussbrücke wieder auf einem Track in ein Seitental ab und folgen dem Fluss. Unterwegs machen wir Halt an einem Geysir und einer heißen Quelle, wo wir auch picknicken. An einem kleinen See namens Bulukul bleiben wir für heute stehen, hier ist es wunderschön und auch nur 3.750 m hoch. Emma packt noch ihre Angel aus und fängt 2 kleine Fische.

Am Abend kommt ein Sturm auf und wir fixieren mit allem was wir haben unser Dachzelt, glücklicherweise hört gegen Mitternacht der Wind auf und wir schlafen gut.

Kurz nach der Weiterfahrt kommen wir wieder auf die M41 und fahren ein kurzes Stück zurück, bis wieder eine nichtasphaltierte Straße nach Süden abzweigt. Dieser folgen wir, passieren einen tadschikischen Grenzposten und erreichen dann den Pamir River, auf der anderen Seite sehen wir Afghanistan.

Es beschleicht uns ein seltsames Gefühl, denn über dieses Land haben wir noch nie etwas Gutes gehört. Wir fahren dem Fluss Pamir entlang bis Langar, wo sich der Pamir mit dem Wakhan River zum Panj vereint.

Dieser Teil Afghanistans heißt Wakhan Korridor und wurde Ende des 19. Jahrhunderts während des Great Game, als Pufferzone zwischen dem Russischen Reich und dem British Empire installiert. Hinter dem Wakhan Valley erheben sich die Berge des Hindukusch. In unserem Reiseführer lesen wir, dass das so viel wie „Killer der Hindus“ bedeuten soll. Vielleicht war das ein natürliches Hindernis für die Verbreitung des Hinduismus von Süden her.

Tadschikistan ist das ärmste Land Zentralasiens und eines der ärmsten Länder der Welt, die Hälfte der Wirtschaftskraft stammt aus Geld, das emigrierte Tadschiken nach Hause schicken.
Das Jahreseinkommen soll durchschnittlich pro Kopf bei ca. 200 US$ liegen. Daher floriert im Nachbarland Afghanistans, dem weltgrößten Opiumproduzenten, der Drogenhandel auf der „neuen Seidenstraße“. Der „Business Insider“ hat die 19 teuersten Substanzen der Welt veröffentlicht und laut dieser Studie liegen die Drogen Heroin, Crystal Meth, Kokain und LSD vor Gold und Platin, von den natürlich vorkommenden Stoffen liegen nur Diamanten und andere Edelsteine vor den Drogen.

In Zugvand, einem kleinen Ort am Panj River suchen wir Brot, nach einigem Fragen können wir privat Brot bekommen. Die gute Frau will uns das Brot schenken, doch nach einigem Bitten nimmt sich doch das Geld an. Wir sind immer wieder erstaunt, dass uns gerade die Menschen, die so wenig haben, uns einladen oder etwas schenken möchten.
Am nächsten Morgen möchten wir zur alten Festung Abrashim (Vishim) Qala, einem Fort zum Schutze der Seidenstraße und zum Schutz vor afghanischen und chinesischen Eindringlingen fahren. In Zong fragen wir nach dem Weg, aber eine Frau gibt uns zu verstehen, dass wir auch mit Geländewagen nicht dahin fahren können. Sie bietet uns an, dass ihre Tochter mit uns zu Fuß hinaufgeht, aber für eine Wanderung sind wir heute nicht aufgelegt. Als wir das Angebot ablehnen lädt sie uns auf eine Tasse Tee in ihr Haus ein. Ihr Sohn sucht für uns einen englischen TV-Sender und währenddessen macht Schobegin, so lautet ihr Name, Tee für uns. Das Haus ist nach islamischen Regeln gebaut und gemütlich eingerichtet, außer Tee reicht sie uns noch Brot, Milch, Butter, Yogurt, Melonen, Nüsse und Süssigkeiten. Wir stellen uns vor und als sie hört, dass wir aus Deutschland sind überrascht sie uns mit einigen deutschen Wörtern, wie Mann, Frau, Bruder, Schwester, Haus, … wo sie das gelernt hat verstehen wir leider nicht.

Auf der anderen Flussseite liegt Qala-e Panja, die Ruine einer afghanischen Zitadelle, man kann sie von Zong aus gut sehen, denn der Fluss ist hier nicht so breit.

Das Flusstal ist beeindruckend, die Berge sind karg, kahl und unwirtlich, am Fluss hingegen ist es grün und fruchtbar, wie in einer Oase. Der Fluss ist nicht begradigt oder kanalisiert, das Wasser sucht sich selbst den Weg und wechselt oft die Talseite, es bilden sich Inseln und Nebenarme, die sich später wieder vereinen, so stelle ich mir auch das Rheintal, vor hunderten von Jahren vor. Die Gegend hier ist wunderschön.

Am Nachmittag besuchen wir bei Vrang eine alte buddhistische Stupa, ein Junge von 14 Jahren zeigt uns den Weg, er spricht englisch und sein Freund spricht 5 Sprachen (Tadschik, Wakha, Russisch, Farsi/Afghan und Englisch).
Als wir wieder beim Auto sind, bieten uns die Beiden Rubine zum Kauf an. Tatsächlich gibt es in Tadschikistan Edelsteinminen, die auch schon Marco Polo in seinen Berichten erwähnte. Nach Begutachtung der „Ware“ entscheiden sich Andy und ich zum Kauf von jeweils 6 Rubinen. Jeder von uns zahlt umgerechnet dafür etwa 4 Euro. Zudem glauben wir, dass ein Einstieg in das Edelsteingeschäft gesünder ist als der Einstieg in das Opiumgeschäft.

Über uns ragen die Gipfel von Pik Engels und Pik Marx empor, wir fahren an diesem Tag aber noch weiter bis Yamchun und campen in der Nähe der Bibi Fatima Hot Spring, die mit Hilfe der Aga Khan Stiftung erneuert wird.

Am Abend besuchen Annette und ich die heiße Quelle und nach unserer Rückkehr trinken wir  noch zusammen Gin, über dem Hindukusch geht der Vollmond auf, die Stimmung wird plötzlich sentimental und eine seltsame Ergriffenheit kommt über uns.

Am Morgen besuchen wir noch das Fort Yamchun und fahren dann weiter nach Ishkashim, dort soll morgen auf der afghanischen Seite der wöchentliche Markt stattfinden, den man ohne Visum besuchen kann. In Hanis Guesthouse treffen wir Maurizio an, den wir bereits in Teheran und Bukhara getroffen haben, er ruft uns zu, dass er still alive und gesund aus Kabul zurückgekehrt ist, allerdings denken wir, dass er so einige lokale Spezialitäten konsumiert hat, die bei uns unter das Betäubungsmittelgesetz fallen würden.
Am nächsten Morgen teilt uns Hani, der Eigentümer des Guesthouses mit, dass der Markt aus Sicherheitsgründen leider schon wieder abgesagt worden ist. Laut seiner Aussage gab es am Vorabend auf der anderen Flussseite einige Schusswechsel und heute sei auch noch amerikanischer Nationalfeiertag, der 04. Juli. Der Markt ist zum zweiten Mal in Folge ausgefallen und für die lokale Bevölkerung ist das eine große wirtschaftliche Einbuße.

Hani teilt uns auch noch mit, dass die Straße nach Khorog aufgrund von Erdrutschen unpassierbar sei. Er warte auf Gäste, die sich per Handy gemeldet hätten um ihm das mitzuteilen.

Wir beschließen trotzdem in Richtung Khorog zu fahren und im Falle, dass es nicht weiter geht biegen wir in ein Seitental ab und warten halt ab, bis die Straße wieder frei ist.

Aber wir haben Glück und können mit unseren Fahrzeugen die Stellen passieren und erreichen am Nachmittag die Pamir Lodge in Khorog, der Hauptstadt der autonomen Provinz Berg Badachschan. Hier leben über 20.000 Menschen und es gibt auch eine Universität. In der Lodge haben wir dann auch wieder einmal Internetzugang und wir nehmen Kontakt zur Heimat auf. Leider sind die Nachrichten  nicht so erfreulich und Annette bucht noch am gleichen Abend einen Heimflug in 3 Tagen von Osh in Kirgistan nach Basel.

Ihrer Mama geht es nicht gut, ist im Krankenhaus und es steht eine schwierige Operation an. Sie telefoniert noch mit ihr und verspricht in drei Tagen bei ihr zu sein, ihre Mutter verspricht ihr auch sich doch operieren zu lassen.

Am nächsten Morgen endet leider unsere gemeinsame Reise mit Around the world in 800 days. Gerne wären wir noch einige Tage mit ihnen weitergefahren, aber dies ist zum jetzigen Zeitpunkt unglücklicherweise nicht möglich. Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück bauen wir unser Zelt ab währenddessen hat Emma für uns belegte Brote gerichtet und eingepackt, wir tauschen noch unsere Bilder und Videos aus und dann fahren wir los, auf der M41 in Richtung Murghab geht es wieder zurück. Der Highway ist schlechter als mancher Off Road Track, wir fahren ohne Pause, wir essen die Brote unterwegs während der Fahrt und am Abend erreichen wir den Lake Karakul, wo wir die Nacht verbringen. Früh am nächsten Morgen geht es weiter bis zur Grenze, natürlich sollen wir wieder bezahlen, aber wir bleiben stur und zahlen nichts. Diesmal kann keiner der Grenzer Englisch und wir werden laut auf Russisch angebrüllt. Als der erste merkt, dass er von uns nichts kriegt, lacht er und schüttelt mir die Hand, der letzte Posten will dann bei der Ausreise noch unser Auto desinfizieren, ich versuche ihm zu erklären, dass das bei der Einreise evtl. noch sinnvoll sein kann, aber nicht bei der Ausreise. Die 100 Som, die er haben will verweigern wir und lassen ihn in seinem Häuschen sitzen. Nach einer ¼ Stunde gibt er einem Schweizer, der des russischen mächtig ist, unsere Pässe und trägt ihm auf uns auszurichten, dass er die 100 Som für uns bezahlt und er uns nie wieder in Tadschikistan sehen will.

Am Nachmittag erreichen wir Osh und fahren wieder zu TES‘ Guesthouse, Annette packt ihre Sachen und am nächsten Morgen um 03.00 bringt sie ein Taxi zum Flughafen.

Leider muss auch ich 9 Tage später nach Deutschland zur Beerdigung von Annettes Mutter fliegen.

Wichtig für Annette war, dass sie noch rechtzeitig bei ihrer Mutter sein konnte. Selbst wenn man sich „in the middle of nowhere“ befindet, so ist man doch auch wieder schnell bei seinen Lieben zu Hause.

Nach einer gemeinsamen Woche in der Heimat, fliegen wir wieder zusammen zurück nach Osh in Kirgistan, in der Nähe zu Tadschikistan.

Das ist ein armes, aber wunderschönes Land, mit äußerst freundlichen und hilfsbereiten Menschen und auf jeden Fall eine Reise wert. Im Nachhinein sind wir sehr froh, mit Andy und Emma diese Reise gemacht zu haben, wir hätten wirklich etwas verpasst.

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Abstecher nach Zypern – short trip to Cyprus

Am Rosenmontag landen wir abends wieder in Izmir, wir waren an der goldenen Hochzeit meiner Eltern und leider auch an der Beerdigung unseres Freundes Achim. Da unser Auto bei Mercedes Mengerler in Izmir, unweit des Flughafens steht, aber leider schon geschlossen hat übernachten wir am Flughafen und stehen am nächsten Morgen im Autohaus. Es wird gerade noch ein Dichtgummi in die Hecktüre eingebaut, weshalb wir noch etwas warten müssen. Als „Übersetzer findet sich Sahin, ein Türke, der aber in Mannheim aufgewachsen ist und jetzt wieder in Kusadasi bei Izmir lebt. Seine S-Klasse hat aber noch das Kennzeichen von Ludwigshafen (LU).

Unser nächstes Ziel heißt Pamukkale, dieser Ort ist UNESCO Weltkulturerbe und liegt nahe an der antiken Stadt Hierapolis. Die jahrtausendealten Kalksinterterrassen sind weltweit einzigartig, etwas Ähnliches gibt es noch im Yellowstone Nationalpark in den USA. Das kalkhaltige Thermalwasser, das hier aus der Erde kommt, formte über tausende Jahre diese Terrassen.

Wir übernachten im Nachbarort Karahayit auf einem Campingplatz namens „Kurhaus“. Auch hier kommt warmes Wasser aus der Erde und die Dusche im Keller ähnelt einem Schwimmbad. Aus der Wand kommt ein dickes Rohr und wenn man den Hahn aufdreht prasselt das heiße Thermalwasser auf einen hernieder. Man könnte stundenlang darunter stehen.

Der Eigentümer des Platzes, dazu gehört auch noch eine Pension, hat viele Jahre in Deutschland gearbeitet und seine erste Baustelle, auf der er 6 Jahr gearbeitet hat, war das Kurhaus in Mainz, deshalb hat er seine Pension und Campingplatz auch so benannt. Bei Einbruch der Dunkelheit bemerken wir auch wie er Zusatzeinnahmen über den Winter generiert, in dem er die Zimmer der Pension stundenweise vermietet.

Am nächsten Morgen wollen wir weiter, an den großen Salzsee Tuz Gölü und dann nach Kappadokien. Wir fahren über das anatolische Hochland, erstmal bis nach Beysehir am gleichnamigen See und übernachten dort in einem Hotel, da es am Abend bereits über 6°C Minus hat und schneit. Am nächsten Morgen ändern wir aufgrund des Wetters unseren Plan und fahren wieder zur Südküste nach Manavgat und von dort weiter nach Anamur. Dort ist auch das Kap Anamur, der südlichste Punkt Kleinasiens und Namensgeber des Rettungsschiffes der Hilfsorganisation Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V.

Wir besichtigen die Kreuzritterburg Mamure Kalesi und der Greenkeeper Recep macht mit uns eine persönliche Führung, er hat sein eigenes Gästebuch, in das wir uns eintrage dürfen, danach gibt es noch Cay. Anemurion, die antike Stadt Stadt am Kap Anamur schauen wir uns im Anschluss an, sie hat eine beeindruckende Nekropole und eines der besterhaltenen Odeons der antiken Welt. Gegenüber Kap Anemurion liegt das Kap der Zyprer oder Kap Krommyus, etwa 60 km vom Festland entfernt. Und so entsteht der Plan nach Zypern zu reisen, zumal es in Kappadokien immer noch sehr kalt und verschneit ist.

In Tasucu kaufen wir ein Fährticket und setzen mit zweieinhalb stündiger Verspätung nachts um 02.30 Uhr nach Zypern über. Wir legen im Hafen von Girne (Kyrenia) in der Türkischen Republik Nordzypern gegen 7.00 Uhr an und verlassen die Fähre, danach beginnt eine kleine Odyssee. Die Kfz-Versicherung ist im Nordteil Zyperns ungültig, daher stellen wir uns als erstes in die Schlange vor dem Versicherungsschalter, dann zahlen wir die Hafengebühr, holen die Einreisestempel bei der Polizei und letztendlich stehen wir an der Zollabfertigung. Hier treffen wir auf einen Beamten, der mit meinem Personalausweis Probleme hat, weil er keinen Stempel reinhauen kann, ob ich mit dem Dokument einreisen darf, kann er nicht entscheiden, daher müssen wir zu Mr. Achmet. Der sitzt im Zollgebäude außerhalb des Hafens. First Floor, first right. OK, wir finden ihn, er versteht zuerst das Problem nicht, wir auch nicht. Er schreibt was auf einen Zettel und zurück geht es zum Zoll im Hafen und gegen 09.30 Uhr verlassen wir endlich den Hafen in Richtung Famagusta. Dort schauen wir uns die Altstadt an, essen „Fish and Chips“, die Insel ist noch sehr britisch, denn erst 1960 entließen die Briten die Zyprioten in die Unabhängigkeit und 1974 erklärte der Norden die Unabhängigkeit und rief die Türkische Republik Nordzypern aus, diese wurde jedoch international von keinem Staat, außer der Türkei, anerkannt.

Unser Gas ist leer und wir haben aus Platz- und Gewichtsgründen keine Ersatzflasche dabei, daher möchten wir die Flasche füllen lassen. Wir fragen einen Händler, der bei seinem Lieferanten anruft und mir sagt, dass ich am Montag die Flasche gefüllt kriege, heute ist aber erst Samstag. Ich sage ihm, dass wir weiter nach Larnaka wollen und dann gibt er mir den Tipp in Larnaka zu Jetgas zu gehen, ab 12 Uhr könnte ich da auch heute die Flasche füllen lassen. Und so suchen wir den Grenzübergang, irgendwie scheint man hier im Norden, den Rest der Insel zu ignorieren, keine Straßenschilder, die auf die Städte im Süden hinweisen, keine Hinweisschilder auf Grenzübergänge.

Wir werden schließlich aber fündig und passieren den türkischen (TRNZ) Zoll, fahren danach zum nächsten Checkpoint und wundern uns, dass dort die Flagge Großbritanniens weht. Am Übergang empfangen uns freundlich 2 Engländer und erklären uns, dass dies die englische Zone ist und sie uns nicht nach Larnaka fahren lassen können, weil sie uns nicht registrieren könnten. Wir verstehen das Ganze nicht, wir sind EU-Bürger mit einem EU-Fahrzeug und möchten in das EU-Land Zypern oder in die britische Zone von Zypern, das auch zur EU gehört einreisen. Letztendlich müssen wir den Grenzübergang in Nicosia nehmen, der letzten geteilten Hauptstadt in Europa, ein Umweg von 100 Km!

In Nicosia ist die Einreise möglich, aber nicht einfach. Wir eilen von Polizei zu Zoll, holen Stempel, zeigen die grüne Versicherungskarte, die Autopapiere, die Ausweise. Endlich sind wir durch, aber am letzten Checkpoint hält uns wieder ein Zöllner in Zivil an und will wieder die Autopapiere sehen. Diesmal muss ich sogar die Motorhaube öffnen, denn er will die Fahrgestellnummer sehen. Leider habe ich keine Ahnung wo sich diese befindet, nach langem Suchen finden wir eine an der B-Säule.

Es kommt dann noch seine Kollegin hinzu, sie versucht uns zu erklären, dass wir ein Dokument benötigen, dass wir mit unserem Fahrzeug hier fahren dürfen. Ich frage sie nur wozu, dies ist doch EU und es gilt die Reisefreiheit. Sie meint aber, dies sei notwendig, weil wir von Norden einreisen und dies nicht zur EU gehört. Am Ende erhalten wir ein Dokument vom Ministry of Finance und dürfen endlich weiterfahren. Wir haben für heute genug und beschließen einen Schlafplatz zu suchen und da wir immer noch kein Gas haben, gehen wir essen.

In den nächsten Tagen besuchen wir Omodos, ein nettes Weindorf in den Bergen, Paphos, Polis und Limassol. Hierbei gefällt uns Pahpos als Urlaubsort am besten oder Girne im Nordteil. Dort gibt es einen kleinen, alten Hafen mit vielen Restaurants und kleinen Läden.

In Paphos übernachten wir zum letzten Mal auf einem Parkplatz nahe der UNESO Weltkulturstätte Nea Paphos und tatsächlich weckt uns am Morgen gegen 07.00 Uhr die Polizei und möchte das Dokument für das Auto, sowie die Ausweise sehen.

Hier haben unsere EU-Politiker noch viel zu tun, Wichtigeres als sich um Größe von Bananen und deren Krümmungswinkel zu kümmern.

Nach 5 Tagen verlassen wir Zypern wieder und die Wahrscheinlichkeit auf ein Wiedersehen ist gering.

Im Fährhafen von Girne treffen wir noch Emma und Andy, ein britisches Paar, das Dokumentarfilme dreht und unter dem Motto „Around the world in 800 days“ die Welt bereist. Sie sind mit einem Toyota Hilux mit Dachzelt auf der ähnlichen Route wie wir unterwegs. Wir tauschen unsere Erfahrungen und unsere Kontaktdaten aus und verbringen eine lange Nacht gemeinsam auf der Fähre.

Am Morgen legen wir wieder in Tasucu an, wir kaufen zuerst etwas zum Frühstück ein und lassen das Auto waschen. Die „Waschanlage“ ist bei Mogaz, einer Gastankstelle für Kraftfahrzeuge und als uns der Chef sagt, dass das Auto fertig sei, frage ich ihn, ob er mir unsere Gasflasche füllen kann. Er ruft seinen Mitarbeiter, der einen schnellen Blick auf die Flasche wirft und kurze Zeit später mit einem Spezialadapter zurückkommt. Dieser passt und in wenigen Sekunden ist die Flasche voll. Wir freuen uns alle drei und stolz sagt der Chef „this is turkish“, ich antworte ihm „Yes, I like it“.