Kappadokia

Kappadokien

translate

Bereits seit 164 Tagen sind wir unterwegs, mehr als doppelt so lange, wie der Romanheld „Phileas Fogg“ von Jules Verne benötigte, um einmal um die ganze Welt zu reisen.

Im dritten Anlauf erreichen wir Kappadokien, es ist Wetterbesserung eingetreten und im anatolischen Hochland sind die Temperaturen jetzt auch auf über 16°C gestiegen. In einer Tour fahren wir von Tasucu nach Göreme, die schöne Küstenlandschaft wandelt sich schnell in eine karge Einöde. Als wir ankommen ist bereits Nachmittag und wir halten in Göreme, dem Zentrum des gleichnamigen Nationalparks an, kaufen eine Landkarte der Region und schauen uns um. Es gibt in der Nähe einen Aussichtspunkt, von wo aus man einen phantastischen Sonnenuntergang beobachten kann.

Nachdem wir mit vielen Andern den Sonnenuntergang genossen haben, leert sich der Platz und wir beschließen hier die Nacht zu verbringen, hierzu fahren wir ein bisschen den Berg hinauf, der Weg ist steil und schmal und als es nicht mehr weitergeht bleiben wir stehen. Wir kochen unser Abendessen und machen noch einige Photos, denn heute ist Vollmond. Danach setzen wir uns noch ins Auto und trinken etwas Rotwein. Annette erschrickt plötzlich, als sie zu mir herüberschaut. An meiner Fahrertür stehen drei Personen und leuchten ins Auto. Ich lasse die Scheibe herunter und wir erkennen die Jandarma, sie sind zu Fuß hier hoch gekommen, warum oder wer sie gerufen hat erfahren wir leider nicht, die Kommunikation ist schwierig, aber wir sollen hier herunter und einen anderen Platz aufsuchen.

Am nächsten Morgen gehen wir von unserem Schlafplatz aus zu Fuß zum Open-Air-Museum. Hierbei handelt es sich um Kirchen und Wohnbehausungen, die die Menschen hier, vor vielen Jahrhunderten in das weiche Tuffgestein gegraben haben. Die letzten Behausungen wurden erst 1952 aufgegeben und noch heute werden die Höhlen genutzt. Touristisch als Cave Hotels oder auch als Lagerräume für Früchte. Ein solches Lagerhaus entdecken wir, als wir durch das Rose Valley zurück zu unserem Auto gehen. In einer unscheinbaren Einfahrt in eine unterirdische Grotte steht doch tatsächlich ein großer Mercedes-LKW. Ich bleibe stehen und schaue in die Einfahrt, irgendwann kommt ein Mann heraus und ich frage ihn, ob er uns das Lagerhaus zeigt. Es werden gerade Zitronen, die vom Schwarzen Meer kommen, entladen. Das ist Knochenarbeit und wird von Hand ohne Stapler, Sackkarre, etc. erledigt. Die Früchte bleiben hier zwischen 6 Wochen und 3 Monaten und reifen in diesem unterirdischen Lager, danach werden sie verpackt und nach ganz Europa exportiert. Hier unten herrscht ganzjährig eine Temperatur zwischen 6 und 8 °C. Die Belüftung erfolgt über Kamine, die auch nur in den Fels gehauen sind. Das ganze Lager funktioniert ohne zusätzliche Energie. Bei uns eher undenkbar in einem Nationalpark?!

Danach fahren wir noch auf staubigen Pisten zu den Feenkaminen, die Einheimischen nennen es auch Love Valley. Die Form der Kamine spricht für sich.

Derinkuyu heißt so viel wie tiefer Brunnen oder Schacht. Die Ortschaft mit diesem Namen liegt ca. 20 km südlich und am späten Vormittag erreichen wir die „Underground City“. Bis in die 50-er Jahre hat die Bevölkerung hier das Wasser aus einem tiefen Brunnen geschöpft, ohne zu ahnen, was sich darunter verbirgt. Die Menschen in der Region von Kappadokien haben vor Jahrtausenden Städte in das Tuffgestein gegraben, um Schutz vor Feinden oder dem Wetter zu suchen. In Derinkuyu geht man davon aus, dass bis zu 30.000 Menschen Platz gefunden haben, es gab Ställe, Schulen, Kirchen, Bäder, Weinpressen und natürlich Wohnungen. Bis zu 10 Stockwerke tief und mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem versehen. Die Türen konnten mit schweren Steinen, die wie Mühlsteine aussehen, verschlossen werden. Es soll in Kappadokien über 50 solcher unterirdischen Städte geben, leider sind nur Wenige der Öffentlichkeit zugänglich.

Als wir am ersten Morgen in Kappadokien aufgestanden sind, war der ganze Horizont mit Heißluftballons bedeckt und in den Ortschaften hier, gibt es unzählige Anbieter von Ballonfahrten. Obwohl Annette eigentlich Höhenangst hat, macht sie den Vorschlag doch auch eine Ballonfahrt zu unternehmen und so buchen wir für Sonntag eine Fahrt. Um 05.30 Uhr startet das Abenteuer, es ist ein tolles Gefühl über diese Landschaft zu schweben und wir sind beeindruckt wieviel Steuermöglichkeiten der Pilot hat und von seinem Können, sich durch die verschieden Täler, so wie sich an den vielen anderen Ballons vorbei zu schlängeln.

Wir bekommen ein wenig das Gefühl, wie sich wohl ein Phileas Fogg gefühlt haben könnte, als er, zum Teil auch in einem solchen Ballon, in 80 Tagen um die Welt gereist sein soll.

Und hier treffen wir auch wieder Emma und Andy, die in 800 Tagen in ihrem Toyota Hilux um die Welt reisen möchten.

 

 

 

 

Advertisements

Abstecher nach Zypern – short trip to Cyprus

Am Rosenmontag landen wir abends wieder in Izmir, wir waren an der goldenen Hochzeit meiner Eltern und leider auch an der Beerdigung unseres Freundes Achim. Da unser Auto bei Mercedes Mengerler in Izmir, unweit des Flughafens steht, aber leider schon geschlossen hat übernachten wir am Flughafen und stehen am nächsten Morgen im Autohaus. Es wird gerade noch ein Dichtgummi in die Hecktüre eingebaut, weshalb wir noch etwas warten müssen. Als „Übersetzer findet sich Sahin, ein Türke, der aber in Mannheim aufgewachsen ist und jetzt wieder in Kusadasi bei Izmir lebt. Seine S-Klasse hat aber noch das Kennzeichen von Ludwigshafen (LU).

Unser nächstes Ziel heißt Pamukkale, dieser Ort ist UNESCO Weltkulturerbe und liegt nahe an der antiken Stadt Hierapolis. Die jahrtausendealten Kalksinterterrassen sind weltweit einzigartig, etwas Ähnliches gibt es noch im Yellowstone Nationalpark in den USA. Das kalkhaltige Thermalwasser, das hier aus der Erde kommt, formte über tausende Jahre diese Terrassen.

Wir übernachten im Nachbarort Karahayit auf einem Campingplatz namens „Kurhaus“. Auch hier kommt warmes Wasser aus der Erde und die Dusche im Keller ähnelt einem Schwimmbad. Aus der Wand kommt ein dickes Rohr und wenn man den Hahn aufdreht prasselt das heiße Thermalwasser auf einen hernieder. Man könnte stundenlang darunter stehen.

Der Eigentümer des Platzes, dazu gehört auch noch eine Pension, hat viele Jahre in Deutschland gearbeitet und seine erste Baustelle, auf der er 6 Jahr gearbeitet hat, war das Kurhaus in Mainz, deshalb hat er seine Pension und Campingplatz auch so benannt. Bei Einbruch der Dunkelheit bemerken wir auch wie er Zusatzeinnahmen über den Winter generiert, in dem er die Zimmer der Pension stundenweise vermietet.

Am nächsten Morgen wollen wir weiter, an den großen Salzsee Tuz Gölü und dann nach Kappadokien. Wir fahren über das anatolische Hochland, erstmal bis nach Beysehir am gleichnamigen See und übernachten dort in einem Hotel, da es am Abend bereits über 6°C Minus hat und schneit. Am nächsten Morgen ändern wir aufgrund des Wetters unseren Plan und fahren wieder zur Südküste nach Manavgat und von dort weiter nach Anamur. Dort ist auch das Kap Anamur, der südlichste Punkt Kleinasiens und Namensgeber des Rettungsschiffes der Hilfsorganisation Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V.

Wir besichtigen die Kreuzritterburg Mamure Kalesi und der Greenkeeper Recep macht mit uns eine persönliche Führung, er hat sein eigenes Gästebuch, in das wir uns eintrage dürfen, danach gibt es noch Cay. Anemurion, die antike Stadt Stadt am Kap Anamur schauen wir uns im Anschluss an, sie hat eine beeindruckende Nekropole und eines der besterhaltenen Odeons der antiken Welt. Gegenüber Kap Anemurion liegt das Kap der Zyprer oder Kap Krommyus, etwa 60 km vom Festland entfernt. Und so entsteht der Plan nach Zypern zu reisen, zumal es in Kappadokien immer noch sehr kalt und verschneit ist.

In Tasucu kaufen wir ein Fährticket und setzen mit zweieinhalb stündiger Verspätung nachts um 02.30 Uhr nach Zypern über. Wir legen im Hafen von Girne (Kyrenia) in der Türkischen Republik Nordzypern gegen 7.00 Uhr an und verlassen die Fähre, danach beginnt eine kleine Odyssee. Die Kfz-Versicherung ist im Nordteil Zyperns ungültig, daher stellen wir uns als erstes in die Schlange vor dem Versicherungsschalter, dann zahlen wir die Hafengebühr, holen die Einreisestempel bei der Polizei und letztendlich stehen wir an der Zollabfertigung. Hier treffen wir auf einen Beamten, der mit meinem Personalausweis Probleme hat, weil er keinen Stempel reinhauen kann, ob ich mit dem Dokument einreisen darf, kann er nicht entscheiden, daher müssen wir zu Mr. Achmet. Der sitzt im Zollgebäude außerhalb des Hafens. First Floor, first right. OK, wir finden ihn, er versteht zuerst das Problem nicht, wir auch nicht. Er schreibt was auf einen Zettel und zurück geht es zum Zoll im Hafen und gegen 09.30 Uhr verlassen wir endlich den Hafen in Richtung Famagusta. Dort schauen wir uns die Altstadt an, essen „Fish and Chips“, die Insel ist noch sehr britisch, denn erst 1960 entließen die Briten die Zyprioten in die Unabhängigkeit und 1974 erklärte der Norden die Unabhängigkeit und rief die Türkische Republik Nordzypern aus, diese wurde jedoch international von keinem Staat, außer der Türkei, anerkannt.

Unser Gas ist leer und wir haben aus Platz- und Gewichtsgründen keine Ersatzflasche dabei, daher möchten wir die Flasche füllen lassen. Wir fragen einen Händler, der bei seinem Lieferanten anruft und mir sagt, dass ich am Montag die Flasche gefüllt kriege, heute ist aber erst Samstag. Ich sage ihm, dass wir weiter nach Larnaka wollen und dann gibt er mir den Tipp in Larnaka zu Jetgas zu gehen, ab 12 Uhr könnte ich da auch heute die Flasche füllen lassen. Und so suchen wir den Grenzübergang, irgendwie scheint man hier im Norden, den Rest der Insel zu ignorieren, keine Straßenschilder, die auf die Städte im Süden hinweisen, keine Hinweisschilder auf Grenzübergänge.

Wir werden schließlich aber fündig und passieren den türkischen (TRNZ) Zoll, fahren danach zum nächsten Checkpoint und wundern uns, dass dort die Flagge Großbritanniens weht. Am Übergang empfangen uns freundlich 2 Engländer und erklären uns, dass dies die englische Zone ist und sie uns nicht nach Larnaka fahren lassen können, weil sie uns nicht registrieren könnten. Wir verstehen das Ganze nicht, wir sind EU-Bürger mit einem EU-Fahrzeug und möchten in das EU-Land Zypern oder in die britische Zone von Zypern, das auch zur EU gehört einreisen. Letztendlich müssen wir den Grenzübergang in Nicosia nehmen, der letzten geteilten Hauptstadt in Europa, ein Umweg von 100 Km!

In Nicosia ist die Einreise möglich, aber nicht einfach. Wir eilen von Polizei zu Zoll, holen Stempel, zeigen die grüne Versicherungskarte, die Autopapiere, die Ausweise. Endlich sind wir durch, aber am letzten Checkpoint hält uns wieder ein Zöllner in Zivil an und will wieder die Autopapiere sehen. Diesmal muss ich sogar die Motorhaube öffnen, denn er will die Fahrgestellnummer sehen. Leider habe ich keine Ahnung wo sich diese befindet, nach langem Suchen finden wir eine an der B-Säule.

Es kommt dann noch seine Kollegin hinzu, sie versucht uns zu erklären, dass wir ein Dokument benötigen, dass wir mit unserem Fahrzeug hier fahren dürfen. Ich frage sie nur wozu, dies ist doch EU und es gilt die Reisefreiheit. Sie meint aber, dies sei notwendig, weil wir von Norden einreisen und dies nicht zur EU gehört. Am Ende erhalten wir ein Dokument vom Ministry of Finance und dürfen endlich weiterfahren. Wir haben für heute genug und beschließen einen Schlafplatz zu suchen und da wir immer noch kein Gas haben, gehen wir essen.

In den nächsten Tagen besuchen wir Omodos, ein nettes Weindorf in den Bergen, Paphos, Polis und Limassol. Hierbei gefällt uns Pahpos als Urlaubsort am besten oder Girne im Nordteil. Dort gibt es einen kleinen, alten Hafen mit vielen Restaurants und kleinen Läden.

In Paphos übernachten wir zum letzten Mal auf einem Parkplatz nahe der UNESO Weltkulturstätte Nea Paphos und tatsächlich weckt uns am Morgen gegen 07.00 Uhr die Polizei und möchte das Dokument für das Auto, sowie die Ausweise sehen.

Hier haben unsere EU-Politiker noch viel zu tun, Wichtigeres als sich um Größe von Bananen und deren Krümmungswinkel zu kümmern.

Nach 5 Tagen verlassen wir Zypern wieder und die Wahrscheinlichkeit auf ein Wiedersehen ist gering.

Im Fährhafen von Girne treffen wir noch Emma und Andy, ein britisches Paar, das Dokumentarfilme dreht und unter dem Motto „Around the world in 800 days“ die Welt bereist. Sie sind mit einem Toyota Hilux mit Dachzelt auf der ähnlichen Route wie wir unterwegs. Wir tauschen unsere Erfahrungen und unsere Kontaktdaten aus und verbringen eine lange Nacht gemeinsam auf der Fähre.

Am Morgen legen wir wieder in Tasucu an, wir kaufen zuerst etwas zum Frühstück ein und lassen das Auto waschen. Die „Waschanlage“ ist bei Mogaz, einer Gastankstelle für Kraftfahrzeuge und als uns der Chef sagt, dass das Auto fertig sei, frage ich ihn, ob er mir unsere Gasflasche füllen kann. Er ruft seinen Mitarbeiter, der einen schnellen Blick auf die Flasche wirft und kurze Zeit später mit einem Spezialadapter zurückkommt. Dieser passt und in wenigen Sekunden ist die Flasche voll. Wir freuen uns alle drei und stolz sagt der Chef „this is turkish“, ich antworte ihm „Yes, I like it“.