4×4

Wüste, Staub und Diamanten

Regen prasselt auf unser Zelt, der elektrische Heizlüfter glüht und bläst kontinuierlich heiße Luft unter unseren Frühstückstisch. Wir schlürfen dampfenden Kaffee und beratschlagen uns, ob wir heute den Grenzübertritt nach Namibia wagen sollen. Es ist Freitag und wir wollen an der Grenze für einige Dinge, die wir in Südafrika gekauft haben die Steuer zurück, daher verlassen wir kurz vor Mittag Springbok in Richtung Namibia.

Der Übertritt ist problemlos, es gibt lediglich kurze Unsicherheiten, wie das Carnet gehandhabt werden soll. Botswana, Namibia und u. a. Südafrika haben sich zu einer Zollunion zusammengeschlossen und die Frage war nun, ob das Carnet in Südafrika oder erst, wenn wir die Zollunion verlassen, ausgestempelt werden soll. Am Ende erhielten wir einen Stempel und wir ließen das Carnet in Namibia wieder einstempeln. Aufgrund anderer Posts im Internet haben wir zu diesem Thema den ADAC befragt und diese Antwort erhalten:

„ … in der Regel ist die Zollunion wie die EU, d.h. Sie können ein- und ausreisen wie Sie möchten. Somit ist der Zöllner nicht verpflichtet, die Ein- und Ausreise von Südafrika nach Namibia zu stempeln. Allerdings sollten Sie bitte unbedingt beachten, dass Sie somit für eine „echte“ Ausreise aus der Zollunion nach Simbabwe oder Mosambik reisen müssten.“

Wir haben auf der weiteren Reise dann jedes Land für sich ein- und ausstempeln lassen.

Die Steuer, die wir zurück haben wollten, kriegen wir leider nicht ausbezahlt. Land- und Luftverkehr unterscheiden sich auch hier deutlich. Dafür erhalten wir ein Merkblatt und eine Adresse in Windhuk, wo wir die Auszahlung beantragen können. Allerdings mussen wir auch noch mit einem Grenzspediteur ein Ausfuhrdokument erstellen, das der südafrikanische Zoll dann abgestempelt, so dass wir einen Nachweis haben, dass die Produkte auch wirklich ausgeführt wurden. Der namibische Zoll verzichtete auf ein Einfuhrdokument und versieht das Ausfuhrdokument mit dem Stempel „IMPORTED“.

In Aussenkehr verbringen wir das Wochenende. In unserem Handbuch für Namiba ‚Road Tripping Namibia‘ finden wir einen Hinweis auf den King’s Throne Canyon und fragen an der Rezeption der Norotshama Campsite nach Details. Wir benötigen eine Permit, die 145 Rand kostet und dann können wir losfahren. Wir erhalten einen Schlüssel für das Gate und eine vage Routenbeschreibung.

Im Canyon sind wir ganz alleine und wir finden eine schöne Stelle, an der wir die unsere Drohne aufsteigen lassen und Videoaufnahmen machen. Unsere Blicke hängen an der Drohne bis der Akku leer ist, wir landen die Drohne und erschrecken uns kräftig. Um unsere Füße herum tummelt sich ein Skorpion. Noch nie zuvor haben wir einen gesehen, aber es bedarf keiner Erklärung. Wir dachten bisher, dass die viel kleiner sind. Ein zweiter Blick fällt auf unsere Flip Flops und im Eiltempo laufen wir an unser Auto und ziehen feste Schuhe an. Wir erinnern uns wieder an die Worte einer Südafrikanerin, sie warnte uns vor Schlangen und Skorpionen, die gäbe es dieses Jahr sehr häufig. Am nächsten Tag, im Fish River Canyon, erfahren wir, dass es sich um den großen, schwarzen, haarigen Dickschwanzskorpion handelt, der hier häufig vorkommt und einer der Giftigsten im südlichen Afrika ist.

Nach guten 4 Stunden haben wir die Off Road Tour durch den King’s Throne Canyon beendet und fahren zurück zum Camp. Am Abend erleben wir einen fantastischen Sonnenuntergang am Fluß, bei einem kühlen Bier machen wir einen Plan für Namibia.

Hinter Ai-Ais, im ‚Ai Ais-Richtersveld Transfrontier Park‘ erwartet uns der Fish River Canyon, Mutter Erde zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite. Der Canyon ist 161 km lang und 27 km breit, an der tiefsten Stelle misst er 550 m und nach dem Grand Canyon ist dieser der zweitgrößte auf der Erde. Wir stehen bei Hobas am Abgrund und schauen in die Tiefe. Am Abend kommen wir noch einmal zurück und im magischen Licht des Sonnenuntergangs ergreifen uns seltsame Gefühle, wir fühlen uns so unendlich klein. Der Canyon hat uns in seinen Bann gezogen, wir übernachten in der Nähe und kommen zum Sonnenaufgang noch einmal wieder. Wir setzen in der Morgendämmerung einen Kaffee auf, sitzen am Abgrund und wärmen unsere Hände an der heißen Blechtasse, während wir auf die ersten Sonnenstrahlen warten. Am Horizont wird es immer heller und dann endlich erblicken wir die ersten Sonnenstrahlen. Der Canyon scheint nun auch zum Leben zu erwachen, das dunkle grau färbt sich langsam rötlich, mit dem Fernglas können wir nun die Wanderer sehen, die in 5 Tagen den Canyon durchwandern. Zuvor hatten wir sie nur als Lichtpunkte wahrgenommen. Im Canyon muss es noch viel kälter sein als hier oben, aber wenigstens wärmt uns jetzt die Sonne ein wenig. Wir frühstücken noch und dann machen wir uns auf der C37 und C12, einer guten Sandpiste auf, in Richtung Norden. Nach einigen Kilometern kommen wir an das Canyon Roadhouse, einem Tipp von Jörg aus Cape Town, wir halten kurz und wollen tanken, leider ist die Pumpe ausgefallen und jetzt wird mit Kanistern getankt, wir verzichten darauf, schauen uns noch im Café und Shop um, kaufen einen Namibia Aufkleber für das Auto und fahren weiter bis Seeheim. Dort an der Tankstelle ist der Diesel leider aus und so fahren wir mit dem allerletzten Tropfen Diesel bis nach Aus.

Wir tanken voll und ich gehe in den Shop um zu bezahlen, die Dame hinter dem Tresen sitzt auf einem Stuhl und spricht mich auf Deutsch an. Es riecht streng nach Schnaps. Ich bezahle und frage nach dem Preis für Camping. Gegenüber hat die Tankstelle noch einen kleinen Platz zum Campieren. Der Preis ist ok, wir schlagen das Zelt auf und Annette kauft im Shop noch eine namibische SIM Karte, trotz alkoholbedingter Schwierigkeiten aktiviert die Verkäuferin die Karte und lädt noch ein Datenvolumen dazu. Sprechen tut sie allerdings nur das Nötigste. Wir gehen zu Fuß in das nahegelegene Hotel Bahnhof und essen eine Kleinigkeit zu Mittag. Wir treffen dort eine Reisegruppe, darunter sind einige Leuten aus dem Wiesental.

Am Abend essen wir nochmal im Bahnhof und zum Dessert gibt es Schwarzwälder Kirschtorte, einen Kaffee und ein Kirschwasser. Wir fühlen uns fast wie zu Hause.

Diesen Bahnhof hatten die Deutschen vor über 100 Jahren hier gebaut, als sie in nur 10 Monaten eine Bahnlinie vom Hafen Lüderitz, quer durch die Wüste Namib ins Landesinnere über Aus bis Keetmanshoop errichteten.

Lüderitz ist unser nächstes Ziel, davor besuchen wir aber noch die wilden Pferde von Garub, etwa 23 Kilometer westlich von Aus. Dort wurde eine ehemalige Pumpstation, an der Dampflokomotiven Wasser aufgefüllt haben, zu einem Brunnen mit Wasserloch umgebaut, an dem die wilden Pferde regelmäßig zur Tränke kommen.

Während des ersten Weltkrieges hatten südafrikanische Unionstruppen hier in der Nähe 10.000 Mann und 6.000 Pferde in einer Militärbasis untergebracht. Das Deutsche Reich hatte in Aus ein Flugzeug und einen Piloten stationiert. Dieser griff mit dem Flugzeug dreimal die Stellungen an und am 27. März 1915 entkamen bei diesem Angriff 1.700 Pferde und flohen in die Wüste. Einige wurden wieder eingefangen, aber seit diesem Zeitpunkt haben es diese Pferde geschafft, in dieser kargen Gegend in Freiheit zu überleben.

Um nach Lüderitz zu gelangen, müssen wir nun auch durch die Namib fahren, aber die B4 ist bestens ausgebaut und wir kommen gut voran. Schilder entlang der Straße warnen vor Sand und Wind.

Die Stadt ist nach dem Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz benannt, der 1883 dort Land kaufte und durch einen Meilenschwindel und weiteren Zukauf den Grundstein für die deutsche Kolonie Deutsch- Südwestafrika legte. Bei unserer Ankunft besuchen wir den Diaz Point, dort errichtete 1488 der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz ein Steinkreuz, als er hier, auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien, in der Bucht anlegte. Wir treffen hier auf Flamingos und machen einige Fotos. Im Diaz Coffee Shop essen wir Mittag, es gibt Kartoffelbrei und Rotkraut.

Gut gestärkt fahren wir ein kurzes Stück zurück in die Geisterstadt Kolmanskuppe. Hier fand ein Arbeiter der Eisenbahngesellschaft 1908 einen funkelnden Stein und übergab diesen dem deutschen Stationsvorsteher Adolf Strauch. Dieser hatte seine Arbeiter angewiesen, die Augen nach funkelnden Steinen offen zu halten, während sie die Gleise von Sand befreiten.  Eine nachfolgende Untersuchung ergab, dass es sich um einen Diamanten handelte und damit brach das Diamantenfieber aus, das bis ca. 1930 anhielt, die Abbaugebiete verlagerten sich danach weiter nach Süden und der Ort wurde aufgegeben und der Wüste überlassen.

Leider werden heute keine Führungen mehr angeboten und daher verschieben wir die Besichtigung auf den folgenden Vormittag.

Der Guide empfängt uns im ehemaligen Ballsaal. Als wir eintreten, fühlen wir uns wie in der Sport- und Festhalle in Wieslet. Es gibt eine Bühne und einen Balkon, Parkettboden und es sind die alten Turngeräte ausgestellt. Barren, Bock, Pferd und ein Sprungbrett.

Er erklärt uns, dass in Kolmanskuppe, trotz lebensfeindlichster Bedingungen bis zu 400 Menschen gewohnt, gelebt und gearbeitet haben. Es gibt kein Wasser und keine Pflanzen, nur Hitze, Sand und regelmäßige Sandstürme.

In Kolmanskuppe gab es alles, was man damals für Geld kaufen konnte, die Bewohner wurden jeden Tag mit einem Block Eis für den Kühlschrank und Trinkwasser beliefert. Der Ort hatte eine Straßenbahn, über die die Auslieferung lief. Das Eis stammte aus der Eisfabrik, den Strom lieferte das Elektrizitätswerk. Es gab eine vollautomatisierte Bäckerei, eine Metzgerei, Läden, ein Salzwasserschwimmbad, eine Kegelbahn und ein Krankenhaus, in dem das erste Röntgengerät  auf der Südhalbkugel installiert war. Die Wohnhäuser wurden solide aus Stein, nach deutschem Vorbild errichtet. Ein Mitarbeiter war für das Unterhaltungsprogramm der Bewohner zuständig, es gab Theater, Karneval und Sportveranstaltungen. Nur eine Brauerei gab es nicht, wohl aus Wassermangel musste man darauf verzichten.

Adolf Strauch erkundete die weitere Umgebung und im Idatal, dem sogenannten Märchental schickte er abends den Mitarbeiter Jakob zum Brennholz sammeln, damit dieser Kaffee machen konnte. Jakob kehrte zurück, die Hosentaschen und beide Hände voller Diamanten. Im Mondlicht sahen sie die Diamanten funkeln und Stauch murmelte „ein Märchen, ein Märchen“.

Zu dieser Zeit lagen die Diamanten an der Oberfläche in der Wüste. Es wurden in Kolmanskuppe nun Einheimische angeworben, die im Liegen Zentimeter für Zentimeter des Geländes nach Diamanten absuchten. Diese rund 800 Arbeiter waren in einem separaten Teil von Kolmanskuppe untergebracht und diese erhielten einen Zwei-Jahres-Vertrag. Kurz vor Ablauf des Vertrages kamen sie in eine Quarantäne und bekamen Rizinusöl. Ihr Geschäft mussten sie dann über einem Sieb verrichten, damit wollte man dem Diamantenschmuggel vorbeugen. Auch das Röntgengerät wurde im Kampf gegen den Diamantenschmuggel eingesetzt.

Zu dieser Zeit kamen 20 Prozent der Weltproduktion aus dieser Gegend, die Deutschen bauten ungefähr 1000 Kilogramm Diamanten ab und Kolmanskuppe galt als die reichste Stadt Afrikas.

Es ist beeindruckend, was die Menschen damals, unter diesen Umständen alles geschaffen hatten. Kolmanskuppe hatte 1911 einen elektrifizierten Anschluss an die Eisenbahnlinie Lüderitz – Aus, bis heute der Einzige, den es in Namibia jemals gab.

Auf dem Rückweg halten wir kurz an der neuen Eisenbahnlinie an, eine Wanderdüne blockiert die Gleise, die Bauarbeiten dauern nun schon seit mehr als 10 Jahren an und noch immer fährt kein Zug.

Wir biegen auf die D 707 ab, eine der schönsten Straßen in Namibia, wie wir mehrfach gehört haben. Die Sandpiste ist gut zu fahren und an der Koiimasis Ranch halten wir an und fragen nach Campingmöglichkeiten. Wir treffen hier Lilly und Eric, die mit einem Mietwagen unterwegs sind. Vor einigen Jahren sind sie 2 Jahre durch Australien gefahren. Wir grillen zusammen und tauschen Overlandergeschichten aus.

Der nächste Morgen beginnt mit viel Durst und leichtem Brummen hinter der Stirn, trotzdem fahren wir bis Sesriem, dem Ausgangsort für Sossusvlei.

Dort zelten wir, machen am Abend ein schönes Feuer und grillen. Wir gehen früh schlafen, denn am nächsten Morgen stehen wir um 04.45 Uhr auf und sind 30 Minuten später am Gate. Es ist ein Auto vor uns, ich ziehe noch kurze Hosen an und feste Schuhe, in der Zwischenzeit wird das Gate geöffnet und sofort zieht ein anderes Fahrzeug an uns vorbei. Weitere folgen, es besteht zwar ein Tempolimit, aber es bricht ein wahres Wettrennen aus. Nach 45 Kilometern erreichen wir die Düne 45, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, als wir dort anhalten. Der Großteil der Fahrzeuge fährt weiter zum Sossusvlei. Im Dunkeln können wir schon Menschen erkennen, die bereits den Aufstieg zur Düne in Angriff genommen haben und auch wir beginnen mit dem Aufstieg. Der Grat ist schmal und der Sand weich, es ist anstrengend aber wir kommen gut voran. Ich überhole alle, die noch vor mir sind und bin als erster oben, Annette kommt etwas später. Wir warten auf den Sonnenaufgang, in der Ferne können wir zwei Heißluftballons beobachten, die in der Morgendämmerung aufsteigen. Als die Sonne kommt, färben sich die Dünen dunkelrot, es ist wunderschön. Wir erfreuen uns an der Stille und steigen dann querfeldein von der Düne wieder ab, es macht einen Riesenspaß die Dünen herunter zu laufen, die Schuhe füllen sich komplett mit Sand. Unten wieder angekommen, bereiten wir unser Frühstück zu und unterhalten uns noch mit zwei Schweizern.

Danach fahren wir weiter zum Sossusvlei, was so viel wie ‚toter Fluss‘ bedeutet. Das letzte Stück ist nur für 4×4 Fahrzeuge freigegeben und nach einem kurzen Stück stecken schon die ersten Touristen im Sand fest. Vom Parkplatz aus ist es noch etwa ein Kilometer zu Fuß durch den Sand, dann kommt man an diese Salzpfanne. Wir gehen jedoch ein Stück außen herum und überqueren dann eine Düne und sehen den Sossusvlei zuerst von oben. Es sieht unwirklich weiß aus, übersät mit toten Bäumen. Als wir unten in der Pfanne ankommen, ist es unendlich heiß und wir haben Durst. Zurück beim Auto trinken wir ausgiebig und setzen uns in den Schatten. Wir essen was und ruhen uns aus. Nach dem Mittag sind alle Autos verschwunden und wir gehen mit der Drohne zurück zum Sossusvlei, machen einige Aufnahmen und machen uns dann wieder auf den Rückweg. Zurück in Sesriem besuchen wir noch den Sesriem Canyon und danach benötigen wir eine ausgiebige Dusche.

Namibia ist Staub, Staub und Staub. Aber einzigartig und wunderschön, wir sind gespannt auf das, was noch kommt.

 

erstes Video aus Afrika – absolut cool, wie wir finden 😉

 

 

 

4×4 in den Dünen Namibias

Gestern haben wir einen kurzen Ausflug zum Pelican Point in Walvis unternommen, haben unzählige Robben und Seehunde, sowie einen Schakal gesehen und das Beast durch teilweise tiefen Sand getrieben.

Am späteren Nachmittag sind wir zur Dune 7 gefahren und haben dort das Gelände erkundet und dabei Leeroy Poulter getroffen. Der 5. Plazierte der diesjährigen DAKAR Rally fuhr mit seinem Toyota ebenfalls durch die Dünen. Ein kleines Erinnerungsfoto darf natürlich nicht fehlen.

 

mybeastgoeseast & Leeroy Poulter

mybeastgoeseast & Leeroy Poulter

 

Von Amritsar, der Stadt der Sikh, geht es auf dem Manali-Leh Highway nach Ladakh in den indischen Himalaya in die Region Jammu and Kashmir.

 

 

Karakorum Highway – auf das Dach der Welt

Independence Day – es ist der 14. August als wir nach Pakistan einreisen und im 21. Land unserer Reise ist Feiertag. Die Fahrzeuge sind mit Fahnen dekoriert und die Häuser und Höfe mit Flaggen geschmückt.

Die chinesische Grenzabfertigung war bereits in Tashkurgan, einem alten Handelsposten auf der Seidenstraße, der Name bedeutet „steinerne Stadt“, eine Bezeichnung für die alte Befestigungsanlage, die chinesische Wissenschaftler auf über 600 Jahre schätzen. Tashkurgans Rolle als Handelsposten auf der südlichen Seidenstraße ist aber vermutlich wesentlich älter. Man geht davon aus, dass der Ort möglicherweise mit dem ‚Steinerner Turm‘ (Lythinos pyrgos) identisch ist, den der Naturforscher Claudius Ptolemäus um 150 n. Chr. in seinen Aufzeichnungen erwähnt. Die Kenntnis über den vollständigen Verlauf der Seidenstraße von Xi’an bis zum Mittelmeer war zur damaligen Zeit auf Seiten der Römer wie Chinesen gleichermaßen ungenau und endete jeweils etwa in der Umgebung des Pamir Gebirges. In den Aufzeichnungen des Ptolemäus findet sich, dass die Seidenstraße hinter Baktra die Komedoi-Berge überwinde, womit wohl der Pamir gemeint ist, und dort auf den ‚Steinernen Turm‘ treffe. Danach begann für die Römer ‚terra incognita‘ und auch wir begeben uns mit einem etwas flauen Gefühl in ein unbekanntes Land, von dem man in den letzten Jahren leider wenig Gutes gehört hat.

Die Strecke führt weiterhin durch die herrlich sanften Hochtäler des Pamir, bis am Horizont, wie eine schwarze Wand die dunklen Zinnen des Karakorum-Gebirges auftauchen und gegen Mittag erreichen wir den Khunjerab-Pass (4.733 m), den höchsten Punkt des Karakorum Highways.

Sein Name bedeutet auf Whaki, der Sprache der hiesigen Bevölkerung ‚Tal des Blutes‘: Die Karawanenführer schlitzten ihren Pferden, die wie die Menschen unter der Höhenkrankheit litten, die Nüstern auf, weil sie glaubten, das Nasenbluten würde ihnen die Strapaze des Aufstiegs erleichtern. Andere interpretieren den Namen Khunjerab schlicht als ‚Pass des Khan‘.

Dort oben müssen wir das schwere Eisentor selbst öffnen, um von China nach Pakistan zu kommen. Wir machen noch einige Fotos und fahren dann zum ersten pakistanischen Posten, das ist nur ein hölzernes Häuschen mit Schranke und die Soldaten empfangen uns mit einem herzlichen „Welcome to Pakistan“. Sie schauen sich kurz das Visum an und öffnen die Schranke, der pakistanische Zoll ist erst in Sost.

Wir sind gespannt, wie wir durchkommen werden, einige Leute erzählten uns, dass die Straße noch gesperrt sei, denn aufgrund von starkem Schmelzwasser sind große Teile des Karakorum Highways (KKH) weggespült worden. Auch Luc und Laurant, die beiden Luxemburger, die wir in Kashgar getroffen hatten, sind per Flugzeug von Pakistan nach China gereist, da auf dem KKH kein Durchkommen war.

Wir kommen gut voran, die Straße ist eine der Besten, die wir seit Langem befahren haben. An einigen Stellen liegen noch große Steine auf der Straße, die man aber gut umfahren kann. Einmal schiebt ein Bagger mit dem Löffel die großen Brocken zur Seite, das ist zwar nicht gut für den Asphalt, geht dafür aber umso schneller. Dann staut sich aber auf einmal der Verkehr und wir müssen anhalten, zahlreiche Leute stehen auf der Straße und so steigen auch wir aus und besichtigen die Baustelle. Auf der Straße liegt der Schutt schätzungsweise 4 m hoch, ein Bagger steht zwar da, wird aber nicht bewegt. Auf der anderen Seite steht eine Raupe, zwischen den beiden Maschinen liegen auf einer Länge von mehr als 20 m Schlamm und Geröll, das sich beim Überqueren zu Fuß wie eine schwabbelige Masse anfühlt, in der einige Motorradfahrer stecken bleiben, beim Versuch diese zu überwinden. Kurze Zeit später beginnen die chinesischen Straßenarbeiter, die nach den Erdrutschen im 24-Stunden Schichtbetrieb an 7 Tagen der Woche an der Räumung arbeiten, damit, den letzten Abschnitt der Straße frei zu machen und so erreichen wir das Städtchen Sost am späteren Nachmittag, wo die Einreiseabfertigung stattfindet. Wir fahren in den Zollhof, ein Zöllner führt uns in das Gebäude, wo wir mit „Hello, how are you?“ begrüßt werden. Es ist schwierig für uns, Zöllner, Passanten und Reisenden auseinander zu halten, viele tragen die traditionellen Gewänder Pakistans, den ‚Shilwar Kamez‘. Zuerst füllen wir einen Gesundheitsfragebogen aus, dann werden unsere Visa geprüft und wir erhalten den Einreisestempel. In einem separaten Büro wird unser Carnet für das Fahrzeug gestempelt und dann gehen wir wieder in den Hof, ein freundlicher Beamter fragt uns, als er ins Auto schaut, ob wir Dinge „for Business“ dabei hätten oder alles private Sachen wären, als wir ihm dann sagen, dass alles nur Privatkram sei, verzichtet er auf eine nähere Inspektion und nach nur 35 Minuten verlassen wir den Zollhof.

Die erste Nacht verbringen wir in Sost und am Morgen fahren wir weiter nach Passu. Dort zelten wir im Garten des Hotel Sarai Silk Route. Wir machen einen Ausflug an den Passu Gletscher und im Hintergrund sehen wir die ganze Kette der 7.000er der Passu Range. Auf dem Rückweg kehren wir im Cafe ‚Glacier Breeze‘ ein und gönnen uns ein Stück Aprikosenkuchen und einen Kaffee. Im Hunzatal hat die Aprikosenernte begonnen und überall sehen wir Aprikosen, die zum Trockenen irgendwo ausgelegt sind. Wir genießen die nachmittäglichen Sonnenstrahlen mit einem tollen Ausblick auf die Passu Cones oder die Kathedralen von Passu, einer bizarren Felsformation.

Unser nächstes Ziel ist Karimabad, dem Wohnsitz des ehemaligen Mirs von Hunza, doch zuvor müssen wir den Attabad Lake überqueren, die Einheimischen nennen den See einfach nur ‚Disaster Lake‘, weil sich dieser nach einem großen Erdrutsch im Jahr 2011 aufgestaut hat. Als wir am Nordufer ankommen, regnet es leicht und es ist kalt. Es geht geschäftig zu, in diesem „Fährhafen“. Es kommen Boote, die Kraftstoff in Kanistern anliefern oder die Fahrgäste, Autos und Kleinlastwagen anliefern. Es gibt keine Ordnung, jeder versucht zuerst anzulegen ober abzulegen. Die Menschen rufen und gestikulieren wild durcheinander.
In Sost hatte ich einen Einheimischen mit einem Toyota Pickup getroffen und wir hatten über die Fährpreise gesprochen. Er sagte mir, dass die Überfahrt für seinen Pickup 2.500 Rupien kosten würde.
Natürlich sind wir am Ufer in kürzester Zeit von vielen Kapitänen umringt, die uns ihre Dienste anbieten. Jeder hat das sicherste Boot und will uns an das Südufer schippern. Ich verhandle die Preise, doch alle möchten 5.000 Rupien haben. Als ich ihnen erzähle, dass ich die Preise kenne und der Normalpreis bei 2.500 Rupien liegt, verweisen alle auf die Fahrzeuggröße und das –gewicht. Ich hatte ihnen gesagt, dass das Beast über 3.500 kg wiegt und am Ende willigt einer meiner Verhandlungspartner auf einen Fährpreis von 4.000 Rupien ein. Ich zahle ihm das Geld und wir warten, bis sie ihr Boot in Position bringen können. In der Zwischenzeit kommt der Sohn meines Verhandlungspartners, der auch Kapitän auf unserer Fähre ist und erklärt mir, dass er für ein Auto mit unserem Gewicht zwei Boote benötigt und ich noch 2.000 Rupien aufzahlen müsste. „Das ist nicht in Ordnung“ erklären wir ihm, es sei von Anfang an klar gewesen, was das Auto wiegt und jetzt kommt der Einwand mit dem zweiten Boot, wir beharren auf den 4.000 Rupien. Daraufhin läuft er weg. Seine Sandalen und Hosen sind total durchnässt, er zittert am ganzen Leib und reibt sich immer wieder die Hände. Seine Haare sind auch ganz nass und sein Gesicht ist von der Kälte gerötet. Der arme Kerl tut mir leid.

Knappe 20 Minuten später steht uns Boot bereit und gefühlte Stunden später steht auch das Beast oben drauf. Ich bin total nervös und angespannt. Ich sitze im Boot und kann nichts mehr tun, das Auto ist nur mit Steinen gegen wegrollen gesichert. Die Holzdielen sind mit Hanfseilen irgendwo angebunden. Ich habe die schlimmsten Befürchtungen und mache mir in Gedanken Vorwürfe, warum ich auf das zweite Boot verzichtet habe. Wir legen ab, die heikelste Situation, denn hier herrscht noch eine richtig starke Strömung und als das Boot quer in der Strömung liegt, neigt es sich gefährlich zur Seite. Der Neigungssensor der Alarmanlage spricht an und das Heulen der Sirene geht allen durch Mark und Bein, auf der ganzen Fahrt wird sie noch einige Male laut durch die Bergidylle schallen. Meine Hände sind schweißnass, aber nun fahren wir in Richtung Südufer. Laut unserem Kapitän wird die Überfahrt ungefähr eine Stunde dauern. Zwischendurch richten wir die unterlegten Steine nochmal neu aus und ich ziehe die Handbremse nach. Mehr können wir nicht tun und uns fallen Steine vom Herzen, als wir endlich den Empfangshafen sehen.

Am Nachmittag erreichen wir ‚Eagles Nest‘, oberhalb von Karimabad, wo wir für einige Tage unser Zelt aufschlagen. Von hier aus haben wir einen herrlichen Blick auf den Rakaposhi (7.788 m) und den Lady Finger (6.000 m), eine schneefreie Felsnadel am Ultar Peak (7.388 m).
Eagles Nest ist ein Aussichtspunkt, wo sich ein Hotel und einige Campsites befinden und liegt auf etwa 3.000 m. Die Fahrt dahin ist recht abenteuerlich, die Straße ist sehr eng, kurvig und extrem steil. Wir machen zu Fuß einen Ausflug nach Karimabad, das ca. 900 Höhenmeter tiefer liegt, wir gehen am Altit Fort vorbei, das vor einigen Jahren frisch renoviert wurde, jedoch schrecken uns die 700 Rupien Eintritt pro Person (nur für Ausländer) ab und so sehen wir es nur von außen. In Karimabad treffen wir beim Point Zero Ali, er hat uns auch schon im Fährhafen gesehen. Er arbeitet hier in einem Büro, das Trekkingtouren anbietet und gibt uns ein paar Tipps, was wir unternehmen könnten. Er zeigt uns auf der anderen Talseite ein Seitental in dem Edelsteine abgebaut werden und er empfiehlt und das Hoper Valley, außerdem sagt er uns, dass es hier in Karimabad ein kleines Unternehmen gibt, das die Edelsteine schneidet, schleift und fasst. Das wollen wir uns ansehen, da wir ja noch die Rubine aus Tadschikistan haben. Wir gehen im Ort Richtung Baltit Fort, das war der ehemalige Regierungssitz des Mir von Hunza und kehren im Cafe de Hunza ein. Hier gibt es Walnusskuchen und richtigen Kaffee. Wir haben die Wahl zwischen Nespresso Kapseln und Lavazza Kaffee, auch steht Rösti auf der Speisekarte. Der Wirt erzählt uns später, dass er vor einigen Jahren in der Schweiz war und von dort das Rezept für Rösti und auch für den Walnusskuchen mitgebracht hat.
Nachdem wir zuerst Rösti gegessen haben und dann noch einen Kaffee mit Walnusskuchen probiert haben gehen wir zu der Steinschleiferei und fragen, ob sie uns die Steine aus Tadschikistan schleifen könnten. Das wäre kein Problem teilt man uns mit und wir sollen morgen gegen 12 Uhr wieder kommen, dann sei dann auch Strom verfügbar und sie könnten unsere Steine schleifen. Tadschikistan sei berühmt für seine Rubine.

Tags darauf steht Fida bereit unsere Rubine zu schleifen. Fida sei die Beste und berühmt für ihre Fähigkeiten, aber leider werden wir sogleich enttäuscht. Ein kurzer Blick auf unsere Rubine und dann erklärt uns der Chef, dass es sich bei unseren Steinen leider nicht um Rubine, sondern nur um Garnet handelt. Fida schleift uns aber trotzdem 3 der Steine und so verlassen wir nach ca. 2,5 Std. die Werkstatt mit 3 schön geschliffenen Halbedelsteinen. Das Ganze hat uns ca. 2,50 Euro gekostet.

Im Hoper Valley, einem Seitental des Hunza Valley, das wir am folgenden Tag erreichen findet gerade das Cultural Revival Festival statt und als wir am Ende des Tales den Gletscher besichtigen, filmen und interviewen uns drei Leute, die über das Festival im TV berichten. Danach werden wir zum Festival geführt, wo wir zum Tanzen aufgefordert werden und auch der Minister von Gilgit-Baltistan begrüßt uns freundlich.

Wir campen im Hof des Restaurants ‚Hoper Inn‘, sitzen dort im Garten und trinken Tee, während wir etwas am Laptop arbeiten. Plötzlich werden Getränke und Pommes serviert, eine freundliche Familie aus Lahore lädt uns dazu ein. Später trinken wir mit ihnen noch Kaffee und am Abend essen wir zusammen. Mujahids Familie lädt uns ein, bei ihnen in Lahore zu wohnen, wenn wir dort ankommen, wo er eine Fabrik für Herrenschuhe hat.
Doch zuvor fahren wir das Hunza Valley weiter talwärts bis Gilgit, der Hauptstadt Gilgit-Baltistans. Auf der Fahrt dahin passieren wir eine Stelle, wo vor ca. 55 Mio. Jahren die indische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinandertrafen und dadurch diese riesigen Gebirgsmassen formten. Von Gilgit machen wir einen Ausflug in das Gilgit Valley. Wir wollen eine alte steinerne Buddha Statue besuchen, bevor der Islam in dieser Gegend Verbreitung fand war die Bevölkerung dem Buddhismus zugewandt. Wir passieren einige Checkpoints, die es hier überall gibt und wir uns dort als Ausländer regiestieren müssen. Mittlerweile haben wir von unseren Pässen Kopien gemacht, die wir dann dort einfach nur abgeben. Auf dem weiteren Weg treffen wir noch einen schweizerischen Offizier mit blauem Barett, er dient für ein Jahr in einer UN Einheit und überwacht als Blauhelmsoldat die Line of Control (LOC) zwischen Pakistan und Indien im umstrittenen Kaschmirgebiet.

Nach Gilgit, am Zusammenfluss von Gilgit River und Indus, der von Tibet über Indien nach Pakistan fließt, verlassen wir den Karakorum Highway und folgen dem Indus talaufwärts in Richtung Skardu. Skardu hat einen Flughafen und viele Expeditionen zum K2, dem zweithöchsten Berg der Erde und dem höchsten Berg in Pakistan, nehmen hier ihren Anfang. Wir hoffen etwas von dieser Expeditionsatmosphäre schnuppern zu können.

Die Berghänge im Tal fallen steil in den Indus ab und unten tosen die braunen Wassermassen talwärts. Die Berghänge sind zerlöchert wie ein Schweizer Käse und während einer Rast schauen wir mit den Ferngläsern die Löcher genauer an. Es scheint sich um Minen zu handeln und ab und zu hören wir auch Explosionen von Sprengungen. An der Straße ist eine kleine Miene oder vielleicht auch nur eine Probebohrung. Hier suchen wir, vom Goldfieber gepackt, nach Edelsteinen. Annette findet einen schönen schwarzen Turmalin, den wir mitnehmen.
Ein Stück weiter treffen wir auf eine Gruppe, die gerade Material auf die andere Flussseite transportiert, dort liegen die meisten Mienen und es führen keine Brücken über den Indus. Daher haben sich die Menschen Seilbahnen gebaut, mit denen sie Nahrungsmittel, Tiere und Material hinüberschaffen.
Wir machen Fotos, als gerade eine Ziege über den Indus transportiert wird und beiläufig frage ich, ob in den Säcken Reis sei. Nein, da sei Sprengstoff drin, den sie für die Minen benötigen. Ganz locker wird dieser im Sammeltaxi auf dem Dach und dann mit der Seilbahn über den Fluss transportiert. Einige Zeit später in Indien lesen wir, dass dort 3 Wohnhäuser und zwei Restaurants in die Luft geflogen sind, nachdem Sprengstoff für die Minen in Radschastan, der in einem Wohnhaus gelagert war, explodiert ist. Über 100 Menschen sind dabei gestorben.
Zum Abschied bekommen wir von den Bergleuten noch einen Aquamarin und einen Topas geschenkt.
Am Nachmittag erreichen wir Skardu, leider regnet es. Oder Gott sei Dank, denn am nächsten Tag scheint wieder die Sonne und die Stadt ist staubig und dreckig. Der Verkehr ist ein Chaos, wir gehen zu Fuß die Hauptstraße entlang und am Polo- und Fußballstadion, findet gerade ein Spiel statt. Die Leute stehen auf der Straße und schauen sich das Match an. Autos hupen wie wild durcheinander. Wir finden einen Edelsteinladen, der auch schleift, allerdings will er das 5-fache von dem was wir in Karimabad bezahlt haben, so suchen wir weiter und finden einen anderen Laden. Ein Mann will uns zur Schleiferei bringen, aber wir landen bei ihm zu Hause. Bei Tee und Gebäck erklärt er und, dass er mehrere Minen hat und den neuen Stein „K2 azurite“ abbaut, den es nur hier im Gebiet des K2 gibt. Allerdings sei es für ihn sehr schwer ihn nach Europa oder USA zu verkaufen. Er gibt uns ein ganzes Paket „Muster“ von geschliffenen und ungeschliffenen Steinen mit, mit dem Hinweis ein Geschäft in Deutschland zu gründen und Edelsteine zu verkaufen. Wir versprechen ihm nichts.
Von Skardu aus machen wir einen Ausflug in das Shigar Valley und besuchen den Jarbaso (The Blind Lake) und die Dünen, wo wir ein bisschen Off Road fahren.
Am Abend treffen wir auf eine große Gruppe von Off Road Fahrern, sie gehören alle zum Jeep Club Muzzafarabad und machen ihren jährlichen Ausflug. Ich werde sogleich interviewt, mit richtiger Kamera und Moderator. Der Club ist gut organisiert und wird von OLX Pakistan gesponsort. Am nächsten Morgen werden wir abgeholt zu ihrem Hotel und dort zeigen wir den Clubmitgliedern unseren Geländewagen und wieder werden zahlreiche Fotos und Videos gemacht. Danach brechen wir zu den Deosai Plains auf, der zweithöchste Hochebene der Erde, nach der Tibetischen Hochebene.
Hier soll es auch noch wilde Bären, den Schneeleoparden, Füchse und Wölfe geben, die Ebene liegt durchschnittlich auf 4.114 m. Auf unserer Landkarte ist ein Camp eingezeichnet, das wir anfahren möchten, leider ist dort gar nichts und so schlagen wir unser Zelt neben einem kleinen See, der von Gletschern gespeist wird, auf. Die Nacht ist sehr schwarz und total ruhig, leider spüren wir die Höhe etwas, denn der See liegt auf 4.700 m. Wir beschließen ein kleines Stück zurück zu fahren und dann dem Haupttrack auf der Deosai Hochebene zu folgen, außerdem endet für uns auf dieser Strecke sowieso bald die Weiterfahrt, denn es beginnt das umstrittene Kaschmirgebiet und dieses ist für Ausländer gesperrt. Nach nur wenigen Kilometern auf dem Haupttrack, kommt ein eingerichtetes Camp, wir halten kurz an und checken dies auf unserer Landkarte. „Ein Overlander“, ruft Annette plötzlich und aus der entgegengesetzten Richtung nähert sich ein weißer Toyota mit Kisten und Ersatzrad auf dem Dach. Als das Fahrzeug näher kommt, erkennen wir auch das deutsche Kennzeichen. Wir winken und der Toyota hält an, ein zierliche Frau steigt aus und fragt: „Seid ihr My Beast oder so?“
„Ja, sind wir“, Sven, ein Overlander in Indien hätte ihr mitgeteilt, dass wir ihr entgegenkommen. Martina ist alleine mit ihrem Hund Perla unterwegs. Ihre Reise dauert bereits 14 Jahre, angefangen hat sie als Backpacker in Südamerika, wo sie sich dann zwei Pferde zugelegt hat und auf diesen den Kontinent erkundet hat. Später ist sie auf ein Motorrad und dann auf den Toyota umgestiegen. Wir trinken zusammen einen Kaffee und plaudern über alles Mögliche, danach beschließen wir hier zusammen eine Nacht zu verbringen. Sie kommt aus Indien und ist auf der Fahrt durch Pakistan in den Iran. Sie hat 8 Monate in Indien zugebracht und gibt uns viele Tipps für Sightseeing, die Verkehrsregeln und die Indern.
Nach dem Frühstück verabschieden wir uns am nächsten Morgen, ihr Weg führt nach Westen und das Beast goes East. Ein kurzes Stück später treffen wir auf das Camp des Jeep Clubs Muzzafarabad und dort bleiben wir auch wieder für die nächste Nacht stehen. Sie haben ein richtiges Basislager mit Küchenzelt und Toilette. Es wird Brot gebacken, Hühner und Schafe geschlachtet, Tee gekocht, Fleisch gegrillt und Dal (Linsen) zubereitet. Wir treffen hier auch die pakistanische Bergsteigerlegende Hassan Sadpara, der einige 8.000er bestiegen hat. Bald nach dem Abendessen verschwinden wir im Dachzelt im Schlafsack, denn es wird unangenehm frisch. Am Morgen ist das Mineralwasser gefroren, aber die Sonne scheint und wir genießen das Frühstück mit den ersten Sonnenstrahlen. Wir fahren weiter in Richtung Sheosar Lake und Rama Lake, die Mitglieder vom Jeep Club fahren auch in diese Richtung, aber einige ihrer Farhrzeuge haben Startprobleme und benötigen Hilfe.

Nachdem wir den Sheosar Lake passiert haben erreichen wir einen Pass und verlassen die Deosai Plains hinunter in Richtung Astore. Auf der Fahrt bergab kommt uns ein Motorrad entgegen, auf dem ein hellhäutiger Mann mit Mütze sitzt. Wir schauen, stutzen und machen langsam, auch das Motorrad wird langsamer und dann erkennen wir Helmut. Er kommt aus Österreich und ist eigentlich per Fahrrad unterwegs, wir hatten ihn bereits in Osh im TES Guesthouse getroffen. Sein Rad hat er in Gilgit stehen lassen und sich das Motorrad ausgeliehen. Er ist auf dem Weg nach Tarishing, von wo aus man den Nanga Parbat sehen soll. Er kommt vom Rama Lake, wo er übernachtet hat und auch Martina hatte eine Nacht am Rama Lake zugebracht.
Nach einer Nacht am Rama Lake beschließen auch wir nach Tarishing zu fahren und treffen dort im Guesthouse, wo wir im Garten das Zelt aufschlagen, wieder Helmut. Im Garten trinken wir zuerst zusammen Tee und essen später dort zu Abend. Es ist sehr wolkig und der Nanga Parbat will sich offensichtlich nicht nackt zeigen. Helmut ist an diesem Tag zum Herrligkoffer Basecamp gegangen, aber auch dort hatte er die Rupalseite des Nanga Parbat nur in Wolken gesehen. Zumindest sehen wir den Raikot mit 7.070 m auch ein stolzer Berg und dahinter sehen wir die Kontur des East Peak des Nanga Parbat, dieser ist allerdings nur 7.530 m hoch.
Wir wollen unser Glück später noch mal im Indus Valley oder auf Fairy Meadows versuchen, um den Naga Parbat in seiner vollen Pracht zu sehen.

In Gilgit verbringen wir eine Nacht im Hotel Serena, dort treffen wir Zia, einen ehemaligen Offizier der pakistanischen Armee, mit dem wir ein interessantes Gespräch über Pakistan, Kaschmir und Indien führen. Er hatte uns angesprochen, da er bereits Bilder von unserem Auto im Internet gesehen hatte. Immer wieder sind wir überrascht wie schnell die Bilder vom Beast die Runde machen.
Von Gilgit aus fahren wir wieder auf dem Karakorum Highway talwärts, hier treffen wir drei italienische Geländewagen, die auch auf dem Weg nach Indien sind. Kurze Zeit später erreichen wir den Punkt, wo die drei großen Gebirge Hindukusch, Karakorum und Himalaya aufeinander treffen.
Das Wetter ist absolut genial, keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen und wir können den Nanga Parbat in seiner ganzen Größe sehen. Wir haben so viele Bücher, Bergsteigergeschichten, Legenden und Tragödien über diesen Berg gelesen und nun stehen wir vor ihm. Das Gefühl ist unbeschreiblich.

In Chilas suchen wir eine Übernachtungsmöglichkeit, aber man versucht uns einen Polizeischutz zur Seite zu stellen und daher beschließen wir weiter über den Barbusar Pass (4.170 m) nach Naran zu fahren. Dieser Anstieg ist für das Beast ein echter Härtetest, auf nur wenigen Kilometern steigt die Straße über 3.000 Höhenmeter, die Temperatur steigt verdächtig stark an und wir verlangsamen unsere Fahrt. Kurz vor der Passhöhe treffen wir wieder auf einen weißen Toyota Geländewagen. Wir geben Lichthupe und halten an, wir können es kaum glauben, es sind Emiel und Claire, ein niederländisch-australisches Paar, mit denen wir Ende Oktober/Anfang November Myanmar durchqueren werden.
Über Murree, wo wir wilde Affen entlang der Straße sehen, führt uns der weitere Weg nach Islamabad und Rawalpindi. In Rawalpindi suchen wir die Werkstätten der Truck Art Künstler und nach einigem Suchen werden wir auch fündig. In einem Hinterhof ist die Werkstatt von Al-Habib Ejaz, wir fragen ihn, ob er uns auf eine der hinteren Seitenscheiben, die wir durch Aluplatten ersetzt haben, ein pakistanisches Truckart Bild malen kann. Während die zwei Künstler sich ans Werk machen, das einen halben Tag in Anspruch nimmt, werden wir mit Gebäck und Tee versorgt. Wir sind die Attraktion, das halbe Viertel kommt und umringt uns. Der Rektor der Schule von nebenan lädt uns auf einen kühlen Schluck ein und am Nachmittag werden wir von ihm mit Essen versorgt.
Die letzte Station in Pakistan ist Lahore, hier haben wir einige Einladungen, die wir aber leider nicht alle annehmen können und so beschließen wir bei Mujahid und seiner Familie zwei Tage zu bleiben.
Die Fahrt zu seinem Haus führt durch enge Gassen, die voller Menschen sind. Die Einfahrt ist eng und das Eisentor hat einen Querträger, wir müssen die Luft aus den Reifen lassen, dass wir hinter dem Tor parken können. Mujahid zeigt uns seine Fabrik, in der in Handarbeit Herrenschuhe aus Leder hergestellt werden. Ich bekomme zwei Paar Schuhe von ihm geschenkt. Seine beiden Söhne sind sehr wissbegierig und fragen uns alles Mögliche, seine Frau Yasmina verwöhnt uns mit pakistanischen Leckereien.
Nach fast einem Monat verlassen wir Pakistan über die Wagah Border nach Indien. Zu Beginn unserer Reise stand für Annette fest, niemals durch dieses Land zu fahren, aber wir haben hier so viele nette Menschen getroffen, grandiose Landschaften gesehen, dass wir eines Tages nach Pakistan zurückkehren werden.

Ein Pakistani hatte uns während unseres Aufenthalts hier gesagt:
„Not all Pakistanis are terrorists.“

Zeitung

1 Jahr unterwegs

Am 25.09.2015 waren wir ein Jahr unterwegs. Wir haben über 39.000 km zurückgelegt und haben es bis in den Himalaya geschafft. Mensch und Maschine geht es gut und wir freuen uns auf unsere weiteren Abenteuer. Am Jahrestag sind wir über den höchsten befahrbaren Pass der Welt gefahren, den Khardung La, lt. indischen Angaben 5.602 m hoch, nach unseren Instrumenten „nur“ 5.350 m hoch.
Auch im zweiten Jahr heißt es wieder my beast goes east 🙂

khardung la 2

Deutsche Bahn in Pakistan

Heute gibt es mal einen ganz kurzen Blog. In Gilgit hatten wir ein schönes Erlebnis, wir hatten das Beast zur Komplettreinigung außen in eine Waschanlage gegeben und warteten auf der anderen Straßenseite bis der ganze Staub und Dreck abgewaschen war. In dieser Zeit trieb gerade ein Hirte seine Schaf- und Ziegenherde an uns vorüber und mir fiel seine Jacke auf. Ich bin zu ihm hin und tatsächlich trug er eine alte Schaffnerjacke der Deutschen Bahn. Ich fragte ihn, ob ich ein Photo machen darf, daraufhin warf er seinen Stock beiseite und sich in Pose. Leider hat er nicht verstanden, um was für eine Jacke es sich handelte, aber das war ihm wahrscheinlich auch egal. Eines muss man klar sagen, das war noch Qualität.