Spende gegen Genitalverstümmelung – Kleine Hilfe für ein großes Ziel

etwa ein Drittel aller Mädchen in Tansania und auch Kenia werden aus traditionellen Gründen genital verstümmelt. In einigen Regionen sogar bis zu 98%.

Um dieser grausamen, unmenschlichen, schmerzhaften und lebensgefährlichen Tradition ein Ende zu bereiten, kämpft in Moshi, einer Stadt am Rande des Kilimanjaro in Tansania Francis Selasini einen schier aussichtslosen Kampf.

Mit seiner Organisation NAFGEM (Network Against Female Genital Mutilation) bietet er jungen Mädchen einen Zufluchtsort, um sich der Beschneidung zu entziehen. Er leistet unermüdlich Aufklärungsarbeit in den Dörfern, um die Menschen von der unmenschlichen Tradion der Genitalverstümmelung abzubringen.

Auf unserer Reise konnten wir intensiv seine Arbeit kennenlernen, mit total verängstigten und traumatisierten jungen Mädchen sprechen, die ihrer Beschneidung entkommen sind und das „Handwerkszeug“ der Verstümmlerinnen sehen.

Während eines Reiseberichts vor unseren Familien und Freunden konnten wir für die Arbeit von NAFGEM 440,00 Euro sammeln, die wir auf das Spendenkonto von materra, Freiburg weitergeleitet haben. Materra ist der deutsche Partner von NAFGEM und sichert zu, dass für jeden gespendeten Euro das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) drei weitere Euro hinzugibt.

Möchte noch jemand die Arbeit unseres rotarischen Freundes Francis Selasini unterstützen, so kann jeder auf folgendes Spendenkonto etwas Geld überweisen:

materra Freiburg
Sparkasse Freiburg
IBAN: DE56 6805 0101 0002 1486 54
BIC: FRSPDE66XXX
Stichwort NAFGEM Moshi

Wir danken allen unseren Freunden und Familien für die Unterstützung und wünschen Francis Selasini und seiner Organisation NAFGEM viel Erfolg und Durchhaltevermögen im weiteren Kampf gegen FGM (Female Genital Mutilation),  die Verstümmelung von Mädchen und jungen Frauen.

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Stolze Stämme unter dem Dach von Afrika

Unser weiterer Weg führt nach Ostafrika, Heimat vieler stolzer afrikanischer Stämme, so auch der, der Masai, der, in unseren heimischen Gefilden, wohl Bekannteste von allen. Die großgewachsenen Männer strahlen Anmut und Stolz aus, aufgrund ihres Körperbaus beherrschen sie seit Jahren die internationale Laufszene und wir tragen Schuhe mit dem Siegel „Masai Barefoot Technologie“.

Wir sind sehr gespannt was uns hier in Tansania und Kenia so alles erwartet.

An dem kleinen Grenzübergang, den wir von Sambia nach Tansania genommen hatten, gab es keine Autoversicherung zu kaufen. Ein Overlander aus den Niederlanden hatte uns vor einigen Tagen jedoch darauf hingewiesen, dass wir diese unbedingt benötigen, diese wird ständig kontrolliert, wie auch Geschwindigkeit und vieles mehr. Es soll auch regelmäßig Strafzettel geben.

Das wollen wir doch tunlichst vermeiden und so machen wir uns in Tunduma, der großen Grenzstadt am Tans-Sam-Highway auf die Suche nach einer Versicherung. Ich werde von Pontius zu Pilatus geschickt und man will mir vom Feuerlöscher über SIM Karten alles verkaufen, nur eine Autoversicherung scheint es nicht zu geben. Dann entdecke ich das Grenzbüro der Basler Spedition SPEDAG, mit der wir das Beast von Singapur nach Durban verschifft hatten. Ich betrete das Büro und erzähle John, dass ich aus Basel bin und ob er Marc kennt, Afrikaexperte bei Spedag Basel. „Yes, Yes.“ Und so hilft er mir gleich bei seinem Nachbarn eine Versicherung zu besorgen, auch beim Preis können wir noch etwas herausschlagen und nach etwas mehr als einer halben Stunde verlasse ich zufrieden das Viertel an der Grenze. Geldwechsler umlagern mich auf dem ganzen Weg bis zum Auto, ich steige ein und wir fahren noch ein Stück, bis wir einen Platz zum Schlafen gefunden haben.

Aufgrund unseres Zeitplans haben wir uns im Süden Tansanias nicht sehr viel auf die To-Do-Liste geschrieben, wir fahren auf dem Highway Richtung Dar es-Salam, der Hauptstadt Tansanias am indischen Ozean. Die Fahrt ist ein Graus. Die Straße ist in einem katastrophalen Zustand und eine einzige Baustelle mit vielen Umleitungen, d. h. hier, fahren auf einem sandigen Seitenstreifen. Es staubt wie die Hölle. Auf der regulären Straße befinden sich Speedbumper, die die Autofahrer zum langsam fahren zwingen sollen, in kurzen regelmäßigen Abständen. Die Straße hat tiefste Spurrillen und zu allem Übel steht andauernd die Polizei irgendwo und hält uns an. Versicherung, Führerschein, Feuerlöscher, Warndreieck, alles muss irgendwo mal gezeigt werden. Einer fragt uns mal nett, ob es heute kein Trinkgeld geben würde. Wir schütteln den Kopf und fahren weiter. Auf einer Geraden werden wir von einem anderen Auto überholt und als dieses gerade wieder einschert, werden wir wieder von der Polizei angehalten. Dieses Mal hat der Beamte sein Spielzeug, die  Laserkanone in der Hand. Der Fahrer des überholenden Fahrzeugs steigt aus und es hat den Anschein, dass er ein Priester ist. Er nimmt eine demütige Haltung ein, erklärt etwas auf Suaheli und bittet um Vergebung. Die Polizei lässt ihn weiterfahren, der Priester segnet die Beamten, die dann zu mir kommen. Ich händige ihnen eine Kopie des Führerscheins aus und einer erklärt mir dann, dass ich zu schnell gefahren sei und dass das 50.000 Schilling (~25 US$) kosten würde.
Damit sind wir nicht einverstanden, denn wir sind nicht zu schnell gefahren und das Fahrzeug vor uns hat uns noch überholt. Vielleicht hat er ja dieses geblitzt, wir möchten das Video sehen. Lange Diskussionen und am Ende gibt es kein Video und keine Strafe, wir haben aber wieder eine halbe Stunde Zeit verloren.

Am Straßenrand taucht ein Schild eines Campingplatzes auf. Wir machen langsamer und entscheiden uns diesen anzusteuern. Dort treffen wir ein Paar aus Österreich mit ihrem Unimog.
Wir kaufen noch etwas Feuerholz und machen ein schönes Lagerfeuer, grillen und lassen den Abend bei einer Dose Kilimanjaro Bier ausklingen. Auch Morgen haben wir noch einen ganzen Tag Fahrerei vor uns. In Dar es-Salam, gibt es am South Beach einen Campingplatz, wo wir auch das Auto stehen lassen können, wenn wir nach Sansibar rüber möchten. Diesen erreichen wir erst nach dem Einbruch der Dunkelheit, aber der Verkehr durch die Hauptstadt war dicht und hektisch.

Wir faulenzen etwas herum und suchen eine nette Unterkunft auf Sansibar, wo wir 6 Nächte bleiben.

Von nun an lassen wir es wieder gemächlicher angehen. Wir tuckern gemütlich die Küste nach Norden hinauf, bis Tanga. Die Stadt wurde während der deutschen Kolonialzeit gegründet. Am Peponi Beach etwas südlich davon treffen wir auf Ramona und Hans aus Viersen, die mit ihrem Geländewagen durch Afrika fahren. Dort bleiben wir einige Tage, bevor wir dann Strand und Meer für längere Zeit verlassen. Wir möchten über die Usambara Berge bis zum Kilimanjaro fahren. Es soll auch eine Straße rund um den Kilimanjaro geben. Jörg Gabriel hat uns diese Informationen gegeben, als wir ihn nördlich von Dar es-Salam mit seinem Mercedes G getroffen hatten und er uns in seine Hatari Lodge eingeladen hat.

In den West Usambara Mountains campen wir auf der Irente Farm und dort treffen wir den Spanier Polo wieder. Diesen hatten wir bei unserer Ankunft in Capetown/Südafrika getroffen und auch er ist auf seinem Motorrad von Süd nach Nord unterwegs. Hier auf der Farm hat der gelernte Motorradmechaniker das Bike von Richy repariert. Richy ist der Lebensgefährte der Managerin der Irente Farm. Außerdem treffen wir noch 4 Schweizer mit ihren Toyotas auf der Farm, Schami und Rita sind längere Zeit unterwegs, Jörg und Denise kommen immer wieder für kürzere Etappen nach Tansania, wo sie ihr Fahrzeug stehen lassen können. Beim Essen erfahren wir, dass Denise auch Hauser heißt und so darf am nächsten Morgen natürlich auch das Foto der Hausers in Tansania nicht fehlen.

Mit Polo fahren wir dann weiter zum Kilimanjaro und campen noch einmal zusammen in Marangu. Von dort aus umrunden wir den Kilimanjaro, leider ist das Wetter nicht so klar und wir sehen den Gipfel nicht. Die Luft ist staubig und diesig, die Sicht schlecht. Unterwegs treffen wir zweimal auf illegale Tollgates der Masai. Selbstgebaute Schranken versperren die Straße und für die Wartungsarbeiten der Straße verlangen sie eine Gebühr. Zuerst stellen wir uns wieder blöd, machen dann aber ziemlich deutlich klar, dass wir nichts zahlen. Sie ziehen die Schranke beiseite und wir fahren weiter. Jörg und Denise haben uns die Adresse der Simba Farm gegeben, wo man auch campieren kann. Wir sind alleine dort, am Nachmittag können wir ein Bienenvolk beobachten, das in einem Baum seinen Stock hat und am Abend gibt es einen herrlichen Sonnenuntergang. Am Morgen sehen wir für eine ganz kurze Zeit den Kilimanjaro, den höchsten Berg Afrikas.

In Moshi finden wir einen Nakumat Supermarkt und kaufen dort notwendige Lebensmittel ein. Am Ausgang befindet sich ein kleiner Stand, an dem man sich für den Kilimanjaro Marathon anmelden kann. Das Laufevent findet unter dem Motto „Stop Albino Killing“ statt, wir sind ziemlich betroffen und fragen nach. Die Veranstalter wollen auf das Thema aufmerksam machen und wir erfahren, dass man zur Heilung oder zum Schutz von Haus und Hof Körperteile von Albinos einsetzt. Uns fehlen die Worte. Wir könnten am Lauf teilnehmen, die Gebühr für Ausländer beträgt 70 US$, Locals zahlen 4,50 US$.

Nein, wir haben zu viel Trainingsrückstand und außerdem müssen wir weiter. In Moshi besuche ich noch das Meeting des Rotary Clubs im Kilimanjaro Crane Hotel.

Dort lernen wir Francis Selasini kennen, er ist auch Rotarier und leitet in Moshi die Organisation NAFGEM. Diese setzt sich für die Unversehrtheit von Mädchen und Frauen ein und versucht die weibliche Genitalverstümmelung zu bekämpfen. Francis lädt uns zu sich ein, wir sollen morgen früh auf einen Kaffee kommen.

Wir fragen im Crane Hotel nach einem Zimmer und auch hier gibt es unterschiedliche Preise. Für uns soll es 60 US$ kosten. Wir bitten einen rotarischen Freund, das Zimmer für uns zu buchen und zahlen dann nur 27 US$.

Bei NAFGEM wohnen auch einige junge Frauen, die von zu Hause weggelaufen sind, um sich vor der Verstümmelung der Genitalien zu schützen. Er stellt uns die Mädchen vor, ein 14-jähriges Mädchen ist total eingeschüchtert und traut sich kaum uns anzusehen. Wir kriegen so langsam einen Eindruck was die jungen Mädchen hier so durchmachen.

Beim Kaffee erzählt uns Francis viel von seiner Arbeit und die Hintergründe von FGM (Female Genital Mutilation), religiöse Hintergründe spielen keine Rolle hier in Kenia und Tansania. Das Problem, sagt er uns kann man nur grenzüberschreitend in Angriff nehmen, ansonsten weicht man für das FGM ins Nachbarland aus. Hauptgrund für die Verstümmelung ist hier die Tradition und dass mit der Beschneidung das Mädchen in die Gemeinschaft der Frauen aufgenommen wird. Männer können nur mit Männern und Frauen nur mit Frauen über das Problem reden, was vieles erschwert. Wenn die Mädchen verheiratet werden zahlt die Familie des Mannes einen Brautpreis an die Familie der Frau. Ist diese aber nicht beschnitten, so gilt sie als nicht vermittelbar und somit entfällt auch ein Brautpreis. So sind die Hintergründe vielschichtig und nicht mit einem Schlag zu lösen. Er zeigt uns das „Handwerkszeug“ einer ehemaligen Verstümmlerin. Die Mädchen werden für diesen Anlass zusammengezogen und alle auf einmal beschnitten, immer mit dem gleichen Besteck. Es kann daher zu Übertragung von HIV und anderen Krankheiten kommen, zu Infektionen oder die Mädchen verbluten. Die Komplikationen können ein Leben lang anhalten und weitere Komplikationen z. B. bei der Geburt von Kindern können entstehen. Als er uns noch ein Video zeigen will, lehnen wir ab. Wir haben genug gesehen und gehört. Wir haben höchsten Respekt vor Francis‘ Arbeit, er fährt mit seinem Plasiktorso in die abgelegensten Dörfer und spricht mit den Leuten über ein Tabuthema. Immer wieder muss er mit den Menschen sprechen, um überhaupt einen kleinen Erfolg verbuchen zu können. NAFGEM wird von der deutschen Organisation Materra und Netzwerk Raphael unterstützt.
Wer seine Arbeit unterstützen möchte kann das hier tun. Für jeden Euro Spendengeld, gibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 3,00 Euro dazu.

materra Stifung Frau und Gesundheit e. V.,
Sparkasse Freiburg,
IBAN: DE56 6805 0101 0002 1486 54,
BIC FRSPDE66XXX
Verwendungszweck: NAFGEM Tansania

Von Moshi aus fahren wir zur Hatari Lodge und verweilen dort einige Tage, bevor wir uns aufmachen, auf große Safari zu gehen. Unser Plan sieht vor, dass wir zuerst über Arusha durch den Ngorongoro Crater Conservation Area fahren, dort eine Nacht verbringen und dann weiter in die Serengeti fahren. Die große Herdenwanderung soll noch in vollem Gange sein. Millionen von Gnus, Zebras und anderen Herdentieren ziehen auf der Suche nach Wasser von Süden nach Norden und unzählige Raubtiere folgen ihnen.

Die erste Ernüchterung kommt aber bereits am Eingangstor zum Ngorongoro Krater. Eine lange Schlange vor den Schaltern und Kreditkarten werden auch nicht akzeptiert. Für die Durchfahrt und eine Übernachtung auf einem „Campingplatz“ werden knappe 300 US$ verlangt, für die Fahrt in den Krater (6 Std.) wären nochmal weitere 300 US$ fällig, darauf verzichten wir dann schon einmal. Der ATM Geldautomat müssen wir dreimal bemühen, bis wir das Geld in bar zusammen haben. Es gibt weder eine Broschüre, noch eine Karte, noch anderes Informationsmaterial, z. B. über Tempolimits oder Verhaltensregeln im Conservation Area.

So fahren wir los, um vom Kraterrand in den Kessel zu schauen. An einem Aussichtspunkt machen wir einige Fotos und fahren dann zum „Campingplatz“, dies ist eine abschüssige Ziegenweide mit einem Küchengebäude und einem Toilettentrakt. Die Küche ist bereits komplett von Safarianbietern belegt, die schon mal für ihre Gäste am Kochen sind. Wir suchen uns einen halbwegs ebenen Platz und halten dort an. Es dauert nur Minuten bis einer daher kommt und uns mitteilt, dass das Parken auf der Wiese nicht gestattet ist. Wir entgegnen, dass wir hier campen und unser Zelt ist auf dem Autodach. Er verschwindet wieder, aber es kommen andere, die uns immer wieder das gleiche mitteilen. Also fahren wir ganz an den Rand der Wiese, so dass wir unser Zelt gerade noch mit den Heringen befestigen können. Wir sollen auf der Straße parken, aber für umgerechnet 90 US$ wollen wir nicht auf der Straße campieren. Wir stehen jetzt nahe am Toilettentrakt und am Nachmittag kommt wieder einer, mit Handtuch um die Hüfte und teilt uns mit, dass wir hier nicht parken können. Ich bin nun schon etwas auf Temperatur und frage ihn, was er hier überhaupt ist. Er sei der Supervisor des Platzes. Dann soll er doch bitte mal seine Uniform anziehen, teile ich ihm mit. Etwas später kommt er in Uniform und mit einigen Rangern zurück, er will die Permit sehen. Diese hatte ich in weiser Voraussicht in die Windschutzscheibe geklebt. Ich teile ihm mit, dass er sie dort ansehen kann. Er besteht darauf das Original zu kriegen. Ich lehne kategorisch ab, alle Informationen sind auf der Vorderseite, die Rückseite ist leer. Er kann ein Foto machen, aber das Original bleibt bei uns. Dann geht das Thema parken und campieren wieder los. Es ist nicht gestattet auf der Wiese zu parken. Ich versuche ruhig zu bleiben und erkläre erneut, dass wir hier campen, das Zelt ist halt auf dem Autodach. Wir stehen am Rand und wir erkennen das Problem nicht. Wir fragen wo denn hier auf dem Campingplatz, der 90 US$ kostet die Stellplätze für Campervans, und Geländewagen mit Dachzelt seien. Schulterzucken, hier scheint man nur normale Zelte zu kennen und die Fahrzeuge haben auf der Straße zu bleiben.

So kommt am Abend gegen 20 Uhr die Polizei, um sich diesem Fall anzunehmen. Ich erkläre den Beamten in Zivil (ich hatte zuvor nach ihren Ausweisen gefragt) den Sachverhalt, dass wir auf der Straße nicht stehen wollen, wegen Verkehr und weil wir das Zelt nicht befestigen können. Der eine scheint das einzusehen und spricht mit den anderen, ich soll aber trotzdem auf die Seite fahren. Dann will er die Permit sehen, ich händige sie ihm aus, mit dem Hinweis, dass ich diese normalerweise nicht hergebe. Er schaut sie an und es scheint alles in Ordnung zu sein. Die Polizei will nun den Platz verlassen, aber die Ranger und der Supervisor reden unentwegt auf die beiden Polizisten ein. Der eine kommt dann zurück und fragt wann wir morgen hier weg wollen, wir sagen ihm, dass wir bei Sonnenaufgang (früher ist nicht erlaubt) weiterfahren. Er müsse noch ein Protokoll aufnehmen, wir hätten eine Ordnungswidrigkeit begangen und wir sollen morgen in das Büro kommen. OK, was denn bitte schön haben wir begangen? Er soll sehr genau die Vorschriften heraussuchen, die wir verletzt hätten. Wir haben 290 $ Eintritt bezahlt und dafür gibt es nicht einmal ein Heftchen mit Regeln oder Ähnlichem. Jetzt kriegt er den vollen Frust ab. Er geht zum Auto und gibt zuvor einem Ranger unsere Permit. Ich frage diesen nach seinem Namen und seiner ID. Die Antwort lautet großspurig: „my gun is my ID“ und dass wir morgen um 8 Uhr die Permit im Headoffice abholen könnten. Ich gehe zum Polizisten und frage ihn, ob er das gehört hat. Genau aus diesem Grunde gebe ich niemals eine Permit an solche Leute. Der Polizist sagt dann noch etwas zu den anderen auf suwaheli und dann verziehen sie sich wieder.

Am kommenden Morgen um 6 Uhr warten wir am Gate des Campingplatzes darauf, dass wir wieder hinaus dürfen. Der Supervisor gibt uns die Permit zurück und wir verabschieden uns kühl voneinander.  Wir haben die Lust auf Ngorongoro und Serengeti verloren, aber es ist der kürzeste Weg Richtung Lake Viktoria und Uganda.

Es ist Morgendämmerung, aber es herrscht ein unglaublicher Verkehr. Safarifahrzeuge mit Touristen brausen in irrsinnigem Tempo an uns vorbei oder kommen uns entgegen. Die Straße ist die Schlechteste, die wir in den letzten zwei Jahren gesehen haben, steinhartes Wellblech, voll mit gewaltigen Schlaglöchern. Es liegen immer wieder Stoßdämpfer und andere Fahrzeugteile herum. Wir versuchen die Ideallinie zu finden und tuckern Richtung Westen, bis sich der typische Ölgeruch der Stoßdämpfer bemerkbar macht. Ich halte an und teile, nach kurzer Inspektion Annette mit, dass wir soeben den linken Stoßdämpfer verloren haben. Nachdem wir auch Koakaland in Namibia mit nur einem Stoßdämpfer durchquert hatten, entscheiden wir uns weiter zu fahren. Aber nach 10 Kilometern läuft auch der zweite Stoßdämpfer aus. Jetzt ist fahren fast unmöglich, das Auto schaukelt wie auf hoher See. Wir entscheiden uns umzukehren und eiern die 60 Kilometer zum Gate im Schneckentempo zurück. Auf der Hauptstraße geht es etwas besser und wir erreichen am Nachmittag Arusha.

Dort haben wir von einem anderen Overlander die Adresse einer Werkstatt, wo er die Federn und Dämpfer erneuern lies. Es ist ein Inder, mit sauberer Werkstatt und er hat kenianische Federn und Stoßdämpfer im Angebot. Rob Magic – made for Africa. Extra heavy duty. Wir haben keine andere Wahl und erneuern sowohl Federn als auch Stoßdämpfer und hoffen, dass wir damit nach Hause kommen.

In Arusha übernachten wir im Masai Camp und treffen dort die Familie Schmider aus Korb bei Waiblingen. Sie haben sich eine einjährige Auszeit genommen und reisen mit ihren drei Kindern in einem 50 Jahre alten Deutz durch Afrika. Sie haben in etwa den gleichen Zeitplan und auch sie wollen bis Ägypten fahren, vielleicht fahren wir ein Stück gemeinsam. Wir bleiben in Kontakt.

Wir haben beschlossen unser Geld lieber in Kenia, als in Tansania auszugeben und fahren nun schnellstmöglich Richtung Nairobi. Wir wollen unser Safariglück später nochmal in der Masai Mara versuchen.

Kurz nach der Grenze von Tansania nach Kenia steht ein kleines Schild am Straßenrand mit der Aufschrift Campsite. Wir beschließen dort zu übernachten und morgen nach Nairobi weiter zu fahren. Nach kurzer Fahrt erreichen wir ein Tor, das ist abgeschlossen. Ein Junge steht daneben, er spricht aber kein Englisch, wir hupen mal laut und warten ab. Es kommt jemand und macht das Tor auf. Wir fahren hinein und ein ganzes Stück weiter, bis wir an ein Haus kommen. Es kommt Nazeel, gebürtiger Iraner, der nach der islamischen Revolution in seinem Land nach Kanada ausgewandert ist und dann wegen seiner kenianischen Frau nach Nairobi kam. Er arbeitet für den Geheimdienst und am Wochenende kommt er hierauf auf seine Farm. Er hat eine Art Aufzuchtstation, verletzte oder kranke Tiere werden zu ihm gebracht und auf seiner Farm können diese sich wieder erholen, alte Tiere können hier in Frieden bis zu ihrem Ende leben. Er hat einige Einheimische hier angestellt, die die Woche über die Arbeit machen. Er erzählt uns, dass er ihnen immer für die ganze Woche Arbeit geben muss, ansonsten wird hier nur gefaulenzt. Auch sollen sie für uns etwas zu abend kochen. Es gibt Hungali und Skuma, Maiskuchen mit Spinat. Wir können uns hinstellen wo wir wollen, aber wir sollen uns vor einem Strauß in Acht nehmen, dieser sei „very bad“ und wenn er kommt, gibt es nur eines – FLUCHT. Alle anderen sind sehr umgänglich, besonders ein Elant ist sehr anhänglich und kommt immer wieder und möchte ein paar Streicheleinheiten.

In Nairobi steuern wir die Jungle Junction von Chris an. Er lebt seit über 30 Jahren in Afrika und hat hier einen Campingplatz für Overlander und einige Zimmer, die er vermietet. Außerdem hat er eine gute Werkstatt, Chris ist Zweiradmechaniker und hat lange Zeit für BMW Motorräder gearbeitet.

Als wir dort ankommen, habe ich von einem Moment auf den anderen unheimliche Kreuzschmerzen, ich kann kaum aus dem Auto aussteigen oder gehen. Was ist das jetzt nur?

Auf dem Platz treffen wir noch Robert und Clary in ihrem großen Mercedes Actros. Die Schmiders treffen einige Tage später dort ein.

Chris vereinbart für mich einen Termin bei seinem Nachbarn, einem Physiotherapeuten. Veronika nimmt sich meiner an. Ich soll mich nach vorne beugen, das geht natürlich nicht. Ich lege mich auf die Liege und sie bearbeitet mich mit allem was sie hat. Sie massiert, sie kühlt mit Eis und am Ende kommt noch eine Hitzekissen und die Painkiller-Maschine zum Einsatz, die sie mit verschiedenen Härtegraden einstellen kann. Nach 90 Minuten gehe ich sichtlich geschafft zurück zum Platz, vereinbare aber für morgen gleich nochmal einen Termin. Und nach 3 Behandlungen sind meine Schmerzen weg. Ich danke Veronika für ihre Dienste und bringe ihr 3 kleine „Ferrero Rocher“ Kugeln mit. Sie freut sich, ich freue mich auch.

Durch die schlechten Straßen hat nicht nur die Federung gelitten, sondern auch die Motorhaube fängt wieder an auszureißen, an der Stelle, wo es bereits in Namibia passierte. Chris schaut sich das Ganze an und meint, dass erneutes Schweißen, das Material noch spröder macht und wir keinen Halt kriegen und so drehen wir das Scharnier von innen nach außen und schrauben es fest. Sieht nicht schön aus, aber es macht einen stabilen Eindruck. Zu unserer neuen Federung meint er nur, dass die Marke bei ihm den Spitznamen „Rob Tragic“ trägt. Wir hoffen, dass Rob durchhält.

Wir unternehmen nun noch einen Versuch endlich Raubkatzen zu sehen und fahren in die Masai Mara. Die letzten 50 Kilometer sind wieder von der übelsten Sorte und plötzlich blinkt unser Display im Fahrzeug. 3 Fehlermeldungen, ABS und ESP ohne Funktion, elektrischer Bremskraftverteiler – Werkstatt aufsuchen und Speedtronic ohne Funktion. Wir halten an und versuchen die Fehler zurückzusetzen, wir schalten den Motor aus und ziehen den Zündschlüssel ab. Erneuter Start, aber die Fehler sind immer noch da. Das wäre auch zu einfach gewesen. Wir überprüfen alles und stellen fest, dass das Bremslicht und der Tacho auch nicht funktionieren. Außerdem können wir nicht mehr schalten. Wir lesen die Bedienungsanleitung und mit einem Bleistift können wir zumindest die Schaltung wieder in Gang setzen und weiterfahren. Im Camp überprüfen wir die Sicherungen und ersetzen eine Hauptsicherung, alles wieder im grünen Bereich, der Schrecken ist überwunden. Im Oldarpoi Camp, einem Campingplatz der lokalen Gemeinde treffen wir Festus, er ist der Chef hier auf dem Platz. Bei ihm buchen wir Abendessen und auch eine ½-tägige Safari. Mit seinem Auto müssen wir keinen Parkeintritt fürs Auto bezahlen, somit haben wir die Safari schon wieder „gespart“.

Am frühen Morgen geht die Pirschfahrt los, wir wollen uns auf Raubkatzen konzentrieren und lassen die Zebras, Giraffen und anderen Tiere links liegen und dann endlich sehen wir die ersten Löwen. Eine Mutter mit 3 Jungen hat ein Wildbeast gerissen und sind gerade am fressen. Wir bleiben eine ganze Weile stehen und schauen zu, als alle satt und rund sind, beginnen sie damit, die Überreste in den Schatten zu tragen. Es ist Schwerstarbeit für die Löwin und die Jungen stören sie dabei mehr, als dass sie helfen. Sie sind noch zu verspielt und einer versucht die Mutter immer wieder von hinten anzuspringen, während ein anderes Jungtier ihr beim Tragen hilft. Die Mutter muss immer wieder stehen bleiben und kräftig durchatmen, bevor sie den Kadaver einige Meter weiter schleift.

Etwas später treffen wir dann auf den König der Tiere. Er liegt auf einem Hügel und unweit von ihm ist eine Löwin, wir bleiben auch hier wieder stehen und warten. Urplötzlich steigt er von seinem Hügel herab und besteigt die Löwin, bis ich die Kamera im Anschlag habe, hat er seine Aufgabe aber schon erledigt. Ein lautes Brüllen und dann legt er sich gemächlich in die morgendliche Sonne und schläft ein. Etwas später treffen wir das Pärchen noch einmal, leider hinter dichtem Buschwerk.

In der Zwischenzeit trafen wir auch einen hübschen Geparden, der in der Morgensonne die Umgebung beobachtet.

Am Nachmittag kehren wir ins Camp zurück und dort treffen wir zwei schweizer Ehepaare. Armin kommt zu uns und wie der Zufall so will, kenne ich ihn. Er war, bis zu seiner Pensionierung leitend für die Kraftwerke Ryburg und Rheinfelden zuständig und arbeitete für unseren früheren Kunden Energiedienst AG. Wir essen zusammen zu Abend und machen noch ein Erinnerungsfoto.

Festus kommt immer wieder mal zu uns und wir unterhalten uns gut, er erzählt uns auch über die Traditionen der Massai hier und über die Praxis von FGM, sein Bruder saß 10 Jahre im Gefängnis, da seine Tochter bei der Beschneidung verblutet war. Und plötzlich kriegt diese gruselige Tradition ein Gesicht, besonders erschreckt uns, dass er nur hofft, dass sein Bruder seine zweite Tochter nicht diesem Ritual unterzieht. Wir dachten, dass vielleicht 10 Jahre Haft auch eine Art von Einsicht hervorgerufen haben, doch dem scheint leider nicht so.

Wir haben viel erwartet von Tansania und Kenia, aber am Ende fallen beide Länder durch. Für Tansania könnenwir einen erneuten Besuch ausschließen. Diese so stolzen Volksgruppen, wollen weiter mit ihren Traditionen und in ihrer traditionellen Lebensweise weiterleben. Fortschritt bedeutet hier, ein Smartphone und Bargeld, das ihnen die Touristen in rauhen Mengen bringen sollen. Preis-Leistung ist hier ein Fremdwort und das Wort „bitte“ existiert bei der bettelnden Fraktion leider auch nicht.

Wir überschreiten den Äquator und fahren durch das Teeanbaugebiet von Kenia. Die Pflücker winken uns freundlich zu und am Abend erreichen wir den Lake Viktoria an der Grenze zu Uganda.

boarding time – this ship will bring us back to Europe

Die Grande Mediterraneo von Grimaldi Lines wird uns zurück nach Europa bringen, das Schiff sollte bereits gestern ablegen, aber noch sind die Abladearbeiten voll im Gange. Wir sind gespannt, wann wir morgen ablegen werden.
Die Fahrt geht über Zypern und Alexandria nach Italien, wo wir nach ca. 6 Tagen ankommen sollen.

Schiff Ahoi!

Grande Mediterraneo

Grande Mediterraneo

mixed feelings entering country no. 43 – Palestine

We’ve visited most of the holy sites from the Jewish, Muslim and Christians in Jerusalem and Betlehem and were shocked about the actual situation and the wall. We pray for peace ☮

„no one can be free without everyone being free“
– Erich Mühsam (*1878 †1934 KZ Oranienburg)

Wir treffen den G-Flüsterer

und erhalten eine Einladung auf die Hatari Lodge, wo einst John Wayne auf Großwildjagd ging und die Hardy Krüger mal sein eigen nannte.

Nach der Rückkehr von Zanzibar versuchen wir in Daressalam Landkarten für Äthiopien, Sudan und Ägypten zu finden. Laut unserem Reiseführer gibt es in der Hauptstadt einen gut sortierten Buchladen mit großer Auswahl an Landkarten. Aber nach langem Suchen und viel Fragen finden wir heraus, dass das Gebäude vor über vier Jahren schon abgerissen wurde. Wir erhalten eine andere Adresse im Norden Daressalams und suchen dort weiter nach dem Buchladen. Aber auch hier scheint die Suche vergeblich zu sein und wir beschließen ohne Landkarten weiter, entlang der Küste bis Tanga zu fahren. Als wir ausparken entdecken wir weiter vor uns eine sandfarbene G-Klasse, die auch gerade den Parkplatz verlassen hat. Wir fahren etwas auf und der 300 GD mit Kennzeichen aus Tanzania blinkt links und hält an. Wir fahren neben das Auto und unterhalten uns kurz durch die Seitenfenster, das Ehepaar mit Kind spricht deutsch und so parken wir auch und steigen aus.

Jörg ist in Tanzania aufgewachsen und Marlies, seine Frau ist Namibierin in der 4. Generation. Jörg erzählt uns, dass er über 10 G-Klassen hat und alle aufkauft, die hier so zu haben sind. Bereits als Kind fuhr er mit seinen Eltern immer einen G.

Er kennt auch schon das Beast, aus dem Internet. Ein Freund hatte ihm den Link mit unserem Pakistanvideo zugesendet. Wir wundern uns immer wieder wie klein doch die Welt ist.

Er bietet uns an, seine Lodge zu besuchen, dort hat er eine Werkstatt für seine Geländewagen und wir könnten dort mal alles nachsehen.  Das ist doch ein Angebot, das wir nicht ausschlagen können und so erfahren wir, dass es sich um die legendäre Hatari Lodge bei Arusha handelt.

Jörg gibt uns seine Handynummer, wir fragen noch nach dem Buchladen und tatsächlich kennt Jörg den Laden und führt uns dort hin.

Er kennt sich bestens aus, in diesem Land und so verwundert es uns nicht, dass er auch der Autor des Tansania Reiseführers vom Verlag Reise Know How ist.

Nach etwas mehr als einer Woche kündigen wir uns auf der Lodge an und Sebastian, der Manager nimmt uns in Empfang. Er zeigt uns den Platz wo wir campen können und später die Lodge. Wir sind beeindruckt, was Jörg und Marlies in den letzten 14 Jahren hier geschaffen haben, es ist eine Oase in der Wildnis und das Konzept ist sehr durchdacht und nachhaltig. Es beeindruckt uns die Näherei, wo Frauen aus dem Dorf alles herstellen, was auf der Lodge so gebraucht wird, von Tischdecken über Bettzeug, natürlich alles im Hatari Design.

Am Morgen werden wir nett überrascht, ein Mitarbeiter ruft „Roomservice“ und bringt uns eine Tasse Kaffee und etwas Gebäck ans Beast. Danach frühstücken wir richtig in der Lodge und fahren danach das Beast in die Werkstatt.

Jörg baut die G-Klassen, die er in Afrika finden kann hier zu Safarifahrzeugen um, mit diesen unternimmt er  dann Touren mit seinen Gästen oder holt diese vom Flughafen ab. Seit Dieter Zetsche auch mal bei ihm in der Lodge zu Gast war, sind die Beziehungen zu Mercedes-Benz ganz gut.

Zwei seiner Mechaniker helfen mir. Ein Kühler ist etwas lose und bei der Durchsicht stellen wir fest, dass das Abgasrohr vom Topf weggerüttelt ist. Wir demontieren alles und ein Mechaniker bringt den Topf auf seinem Moped ins Dorf, wo dieser geschweißt wird. Das Schweißgerät der Hatari Lodge war gerade kaputt. Am Nachmittag ist wieder alles gerichtet und wir bedanken uns ganz herzlich bei den beiden.

Wir ziehen uns um und treffen uns zum Sundowner am Ende des Holzsteges mit den anderen Gästen der Lodge. Wir können hier gemütlich bei einem Drink Wasserbüffel und Giraffen beobachten. Das Besondere an den hiesigen Giraffen ist, dass sie sich hier hinlegen. Nirgendwo sonst konnten wir das beobachten. Eventuell liegt das daran, dass es hier am Fuße des Mount Meru (4.565 m ü. d. M.)  keine großen Raubkatzen gibt.

Es wird kühl und so verziehen wir uns bald in die warme Lodge, wo uns ein sehr leckeres, mehrgängiges Abendmenü erwartet. Bei einem Glas Wein und dem Filmklassiker Hatari mit John Wayne lassen wir den Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen gibt uns Jörg noch einige Tipps für die Weiterreise und wir verlassen die Hatari Lodge in Richtung Serengeti.

Hatari ist suaheli und bedeutet Gefahr und tatsächlich war es hier auch für uns gefährlich.

Gefährlich angenehm!

 

Hakuna Matata auf Zanzibar

A kind of Magic – geheimnisvoll und wunderschön. Unsere Erwartungen sind hoch, deshalb hat es diese Insel im Indischen Ozean auf unsere Bucket List geschafft und nachdem wir Sambia und Tansania im Eiltempo durchfahren haben, benötigen wir auch wieder einmal ein paar Tage der Ruhe und Erholung.

Von Daressalam, der Hauptstadt Tansanias geht es mit einer kleinen Fähre auf die Insel. Wir haben ein ruhiges Hotel an der Ostküste auf der Landzunge Michamvi gebucht, die Fahrt mit dem Taxi dorthin dauert eine Stunde. Es ist schön gelegen, leider geht ein scharfer Wind. Am Morgen können wir bei Ebbe schöne Spaziergänge am Strand unternehmen, bei Hochwasser kommt das Wasser bis an die steile Küste heran, sodass kein Strand mehr vorhanden ist. Es lässt sich aber auch am Pool gut aushalten. Das Essen ist frisch und der Fisch sehr lecker.

Unsere Akkus sind hier schnell wieder aufgeladen und wir verlassen diese Oase der Ruhe in Richtung Stone Town, Weltkulturerbe der UNESCO. Wir checken im Zanzibar Palace Hotel ein und haben uns eine Stadtführung  und einen Besuch des sagenumwobenen Darajani Markets auf die Fahnen geschrieben.  Im alten Arab Fort sitzt das offizielle Touristenbüro, wo wir eine Führung buchen. Bis es soweit ist sitzen wir im Schatten des Forodhani Garten am Ufer des indischen Ozeans und trinken einen Kaffee. Auf der „Flaniermeile“ Sansibars beobachten wir die Leute, Taxifahrer warten auf Kunden, Touristenführer und Souvenirverkäufer preisen ihre Dienste und Waren an, andere suchen gleichfalls im Schatten ein ruhiges Plätzchen, um sich auszuruhen.

Es ist eine private Führung, die 1 ½ Stunden dauert und umgerechnet etwa 15 Euro kostet.  Sie startet am alten arabischen Fort, erbaut wurde es allerdings von den Portugiesen, die von ca. 1500-1700 auf der Insel das Sagen hatten und den Handel im indischen Ozean beherrschten. Sie wurden dann allerdings vom Sultan des Oman vertrieben und dieser etablierte den Sklaven- und Elfenbeinhandel auf der Insel. Außerdem wurden Plantagen für Gewürznelken angelegt und die Insel wurde auch bekannt als Gewürzinsel.

Was uns jedoch auf dem vielgepriesenen Darajani Market angeboten wird ist gewiss nicht von hier, sondern stammt wie auch die meisten anderen Waren aus Fernost. Der Gestank auf dem Fischmarkt ist unerträglich, tote Fische treiben in dreckigen, kaputten Styroporbehältern in fauligem Wasser. Die Auswahl auf dem Früchtemarkt ist sehr überschaubar und zumeist hat man die Wahl zwischen Kochbananen oder Essbananen. Die Händler amüsieren sich, aber wir müssen uns die Nasen leider zuhalten.

Die Sultane erweiterten ihren Einfluss im Landesinneren bis zum Tanganjikasee. Dies führte dann allerdings zu Schwierigkeiten mit der deutschen Ostafrikagesellschaft. Die Briten übernahmen das Protektorat über die Insel und schafften den Sklavenhandel ab.

Auf der Insel entstanden nun auch einige Kolonialgebäude, wie z. B. das dekorative Beit al-Ajaib, direkt an der Hafenpromenade gelegen, wurde 1883 es als „Zeremoniepalast“ des Sultans Barghash bin Said fertig gestellt. Es war das erste Gebäude in ganz Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser in Stahlrohren.  Daher etablierte sich der Name „House of Wonders“
Später wurde das Gebäude renoviert und diente zuerst dem Sitz der britischen Kolonialregierung und später der sansibarischen und tansanischen Regierung. Heute beherbergt es das „National Museum of Zanzibar“. Seit zwei Jahren ist es wegen Einsturzgefahr leider nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Sultanspalast, der seit 1994 das „Palace Museum“ beherbergt, befindet sich unmittelbar links neben dem House of Wonders. Er diente von 1834 bis 1964 dem jeweils regierenden Sultan als Regierungssitz und Wohnhaus. Seit dem Sturz des letzten Sultans Jamshid im Jahre 1964, wurde der Palast von der Regierung zur Verwaltung genutzt. Die prächtigen Räume des Palastes sind mit den Geschenken früherer Staatsoberhäupter aus aller Welt gefüllt. Interessant ist auch die hier dokumentierte Lebensgeschichte von Prinzessin Salme, die 1868 einen deutschen Geschäftsmann heiratete. Vom oberen Stockwerk des Palastes hätte man einen hervorragenden Blick über die Hafenbucht von Stonetown, wenn auch dieses Gebäude nicht so baufällig wäre.

Wir sind ehrlich gesagt leicht schockiert in welch schlechtem Zustand sich diese Stadt befindet. Wir sehen nirgendwo in der Stadt ein Gerüst oder einen Bauarbeiter, der irgendwelche Restaurationsarbeiten durchführt. Lediglich einige Hotels, die von westlichen Unternehmen geführt werden, sind in gutem Zustand und die Old Dispensary. Diese wurde 1887 entworfen und gebaut. Das Gebäude besticht durch seine ausgefallen attraktive Architektur mit hölzernen Balustraden. Es wurde bis 1964 als Klinik und Apotheke genutzt. Vor dem Zerfall gerettet und renoviert wurde es von der Stiftung des Milliardärs Karim Aga Khan, der es am 16. März 1997 als Stone Town Cultural Center eröffnete. Leider steht das Gebäude heute fast leer und es droht der erneute Zerfall.

Am Ende besuchen wir noch das Haus, in dem Freddy Mercury gelebt hat, als seine Eltern auf Sansibar gewohnt haben und in das er immer wieder zurückkehrte, wenn er Freunde auf seiner Geburtsinsel besuchte. Und plötzlich spüren wir es doch noch, ein besonderes Kribbeln – a kind of magic.


Vom Okavango Delta zum Lake Tanganjika

Die nächsten Tage versprechen einige Aufregung. Der Besuch des Okavangodeltas und der Victoriafälle stehen kurz bevor, Highlights auf unserer Afrikaliste.
Wir verlassen Namibia ganz im Nordosten und fahren wieder in südliche Richtung nach Botswana. Hier wollen wir uns nicht so lange aufhalten, aber das Okavangodelta möchten wir unbedingt sehen. Der Okavangofluß fächert sich hier auf und versichert im Kalaharibecken. Es ist eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete Afrikas.

Der Grenzübertritt ist schnell und einfach, lediglich die ständigen Kontrollen des Kühlschrankes sind lästig. Aus Angst einer Maul- und Klauenseuche darf kein Fleisch eingeführt werden und am Zoll müssen wir auch unsere Schuhe und die Autoreifen desinfizieren.

Kurz nach der Grenze finden wir ein schönes Camp und verbringen dort den Abend. Wir können einige Elefanten beobachten und am nächsten Morgen fahren wir in den Chobe Nationalpark ein. Unterwegs hörten wir häufig, dass Botswana um diese Zeit ausgebucht sei und wir in den Nationalparks keine Übernachtungsmöglichkeiten finden würden. Die Realität sah jedoch völlig anders aus.

Für zwei Tage Chobe Nationalpark bezahlen wir 290 botswanische Pula (~ 25 €) Eintritt, inclusive Auto. Am Savuticamp fragen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit und bekommen leicht einen Platz, allerdings kostet dieser 50 US$ und bietet überhaupt nichts. Da Savuti laut unseren Reiseführern und Aussagen von anderen berühmt für seine Raubtiere sein soll, bleiben wir hier und begeben uns auf Safari. Leider kriegen wir keine Raubtiere zu Gesicht, sehen aber Wild Dogs, die hier nur schwer zu finden sind. Auch am nächsten Morgen kreuzen wir durch die Savanne auf der Suche nach Räubern. Andere Touristen sehen wir kaum, wir sehen unheimlich viele Tiere, aber leider keine Raubkatzen. Am Abend stellen wir fest, dass unsere SD Karte im Fotoapparat eine Macke hatte und vom ganzen Tag haben wir keine Bilder. Wir sind etwas enttäuscht und fahren weiter nach Maun.

Unterwegs treffen wir auf eine Familie aus Südafrika, die mit ihrem VW Bus im Schlamm stecken geblieben sind. Seit über einer Stunde fließt der Fluss durch ihr Fahrzeug und alle Beteiligten stehen deprimiert und ratlos im Fluss herum. Die beiden 4×4 Fahrzeuge, die am anderen Ufer stehen schaffen es nicht den Transporter aus dem Schlamm zu ziehen. Wir halten kurz an, und ziehen den Bully mit unserer Seilwinde von hinten aus dem Sumpf und lösen bei den Eigentümern einen Freudentaumel aus.

In Maun campen wir im Old Bridge Backpackers und schauen dort am Abend das EM-Spiel Deutschland gegen Italien an, das die Deutschen glücklicherweise im Elfmeterschießen für sich entscheiden.

Neben uns campiert ein Paar aus Alaska und sie buchen einen Rundflug über das Okavangodelta, wir schließen uns ihnen an und so wird es für uns alle günstiger, am Nachmittag heben wir gegen 16.30 Uhr in einer kleinen Propellermaschine vom Flughafen ab und genießen einen herrlichen Rundflug mit spektakulärer Aussicht auf die Natur und die großen Tierherden im Flussdelta.

Nach unserer Rückkehr treffen wir an der Bar Joe. Sie kamen heute Nachmittag auch in Maun an und wir verbringen noch einen Tag gemeinsam dort. Die 6-köpfige Familie aus Köln hatten wir bereits im Oppi Koppi Camp in Outjo (Namibia) getroffen.

In Maun geben wir bei DHL noch unsere Unterlagen für die Visa für Sudan, Äthiopien und Ägypten auf und dann brechen wir wieder auf in Richtung Norden, bei Kasane verlassen wir Botswana wieder und eine Fähre bringt uns nach Samiba.

Am Zollhof treffen wir auf eine Schulklasse, die mit einem Bus einen Ausflug macht. Zuerst fragen uns die drei Lehrer aus und danach bitten sie uns, dass sie ihre Schüler herholen dürfen und wir zu ihnen sprechen sollen.

Wir berichten den Kindern von unserer Reise und dass wir bereits seit annähernd zwei Jahren unterwegs sind, dass unser Auto uns zu Hause ist und wir alles dabei haben. Strom, Wasser, Gas und eine Küche. Sie können das alles irgendwie gar nicht glauben und wollen die Küche sehen. Nach vielen Fragen, die wir gerne beantwortet haben steigen die Schüler wieder in ihren Bus und  für uns wir es Zeit auf die Fähre zu fahren.

Die Überfahrt dauert nur eine kurze Zeit und am anderen Ufer machen wir die Einreise nach Sambia, hier ist es deutlich nerviger, sogenannte Helper oder Fixer wollen uns helfen, die Formalitäten abzuwickeln, Geld zu wechseln und Versicherungen zu verkaufen.

Wir kaufen eine Versicherung, da wir bereits viele Geschichten von der sambischen Polizei gehört haben. Auch haben wir das Beast mit schönen reflektierenden Aufklebern hinten und vorne ausgestattet, da es auch Strafen gibt, wenn man diese Aufkleber nicht hat.

Und tatsächlich, bereits nach 5 Kilometern werden wir zum ersten Mal gestoppt und es wird die Versicherung kontrolliert, Feuerlöscher, Aufkleber, feste Schuhe, … wir haben alles und können weiter fahren.

Akkurat halte ich mich an die Geschwindigkeit, denn das neuste Spielzeug und Einnahmequellen sind Laserpistolen. Jedoch ist es äußerst schwierig zu wissen wie schnell man fahren darf, denn Straßenschilder gibt es in Sambia noch nicht.

In Livingstone bleiben wir einige Tage, besuchen die spektakulären Viktoriafälle und erleben dort live das Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der EM im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich.

Hier überqueren wir auch noch den Fluss und statten Zimbabwe einen kurzen Besuch ab, bevor wir weiter nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias fahren. Hier gönnen wir dem Beast noch einmal einen Service, wir wechseln Öl und alle Filter.

Wir lassen uns noch einen LHD (Left Hand Drive) Aufkleber anfertigen, denn die Polizei in Tansania beanstandet auch dies und ahndet das Vergehen mit einer Geldstrafe. Den Aufkleber bekommen wir geschenkt, aber auf der Rückfahrt zum Camp stoppt uns die Polizei. Angeblich sind wir zu schnell gefahren, die junge Polizistin möchte den Führerschein sehen und ich gebe ihr das Original. Ich versuche ihr zu erklären, dass ich mit Tempomat, bzw. Speedlimiter gefahren bin und ich sicher sei, dass ich nicht zu schnell war. Nein, nein , ich müsse zahlen, sagt sie mir. Ich erkenne, dass ich einen Fehler gemacht habe, als ich ihr den Original Führerschein gegeben habe und als sie neben mir steht, schnappe ich mir diesen wieder. Jetzt ist sie aber auf der Palme und schreit. Ich gebe ihr schnell eine Kopie und ihre dicke Kollegin kommt hinzu. Nach kurzem Hin und Her sage ich, dass ich den Film, bzw. das Foto sehen möchte und muss nun zu ihren Kollegen am Straßenrand gehen. Zuerst frage ich nach dem Kalibrierungszertifikat und vergleiche die Seriennummer, es scheint alles ok zu sein. Dann frage ich nach dem Film, bzw. Foto und dann erklärt mir einer, dass sie mich manuell geblitzt hätten. Ich sage „no photo, no fine“ und dann entlassen die beiden mich mit den Worten „you can go“. Und so fahren wir ohne Strafe weiter, die uns mit rund 30 US$ auch schon sehr hoch vorkam.

Von Lusaka aus fahren wir auf schlechten Straßen, ständig auf der Hut vor Polizisten mit ihren Laserpistolen an den Lake Tanganjika. Der See ist einer der längsten der Erde und dort fährt noch das letzte Schiff des deutschen Kaisers.

1913 von der Meyer Werft in Papenburg gebaut und anschließend in 5000 Kisten verpackt und nach Afrika verladen  und 1915 unter dem Namen Graf Goetzen in Tansania zusammengebaut und zu Wasser gelassen, wurde sie dann mit einer Kanone ausgestattet und operierte als Kriegsschiff auf dem Tanganjikasee, bis 1916 das Schiff von den Deutschen selbst versenkt wurde. Es wurde von Belgiern und Engländern wieder gehoben und 1927 unter dem Namen MV Liemba wieder in Dienst gestellt und seitdem tuckert das Schiff als Fähre zwischen Samiba und Tansania auf dem See hin und her.

Dieses Schiff möchte ich sehen und laut Fahrplan soll es jeden Freitag in Mpulungu am Südende des Sees in Sambia ankommen.

Am Hafentor frage ich nach dem Schiff, aber dort heißt es,  „is not coming – repairing in Tansania“. Und laut der Aussage dauert es mindestens noch zwei Wochen. Ich bin einigermaßen enttäuscht, aber der nette Mann am Gate, sagt uns, dass wir den Hafen besichtigen können und dort liegen auch noch einige andere Schiffe.

Wir parken und gehen zu Fuß in das Hafengelände, linker Hand entdecke ich einige große Geländestapler, sowie mehrere kleine Stapler mit ca. 2 Tonnen Tragkraft. Alle stehen in Reih und Glied und scheinen neu zu sein. Als ich ein Foto machen möchte kommt ein Mitarbeiter der Securitiy und sagt, dass es verboten sei vom Equipment Fotos zu machen. Aber wir können auf die Schiffe, das sei kein Problem. Auf dem Weg dorthin, sehen wir noch zwei neue Kräne mit Kettenfahrwerk und ein Containerumschlagsgerät. Ich bin ziemlich erstaunt wie gut der Hafen ausgestattet ist, das ganze Gerät scheint neu und in gutem Zustand zu sein.

Das erste Schiff, das wir besteigen wird gerade beladen. 600 Tonnen Zement für Burundi gilt es in das Schiff zu laden und zu unserem Erstaunen werden die Trucks mit jeweils 30 Tonnen Zement von Hand abgeladen. Die Hälfte der Verlademannschaft steht auf dem Truck und bringt immer zwei Säcke á 50 Kg an die Pritschenkante, die andere Hälfte trägt die 100 kg Zement auf dem Kopf zu einer Rutsche, von wo die Säcke in das Innere des Schiffes rutschen. Im Bauch des Frachters stapeln dann einige andere Mitarbeiter die Säcke im Stauraum.

Am Rand des Schiffes sitzen drei Leute und machen Strichlisten, damit die Menge festgestellt werden kann. Von ihnen erfahren wir, dass die Aufgaben der Verlademannschaft immer nach jedem LKW wechseln, die jetzt vorbereiten, tragen beim nächsten Truck und umgekehrt. Auf die Frage, warum sie denn nicht die Stapler benutzen, erhalten wir die Antwort, dass dann ja die Leute arbeitslos würden und daher die Geräte nicht zum Einsatz kommen.

Einige Meter weiter passiert das Gleiche, nur wird hier Zucker verladen. Wir stellen uns vor, jeden Tag 100 kg auf dem Kopf zu tragen und wie die Halswirbelsäule wohl nach einigen Jahren aussehen wird.

Und wir stellen uns auch die Frage, wie sinnvoll ist die Entwicklungshilfe.

Von Mpulungu aus machen wir uns auf den Weg in Richtung Tansania, zuerst wollen wir nach Zanzibar, ein weiteres Highlight auf unserer Afrikaliste.

 

 

two years ago we’ve left our home

to explore other countries, continents and cultures, to meet old friends and make new friends.
We are happy to have seen places like Taj Mahal, Bagan, Angkor Wat, the Victoria Falls, wonderful wildlife and nature and today the wonder of the rock-hewn churches of Lalibela.


Vor 2 Jahren sind wir losgefahren

um andere Länder, Kontinente und Kulturen kennenzulernen. Um alte und neue Freunde zu treffen.
Wir sind sehr glücklich, dass wir so sagenhafte Orte, wie das Taj Mahal, Bagan, Angkor Wat, die Viktoriafälle und heute die wunderbaren Felskirchen von Lalibela besuchen konnten.

Felskirche St. Georg Lalibela

Felskirche St. Georg Lalibela

Ab in die Tropen – Inbegriff des Paradies auf Erden

Das kristallklare, türkisblaue Wasser schlägt in sanften Wellen an den schneeweißen Strand. Wir genießen wunderbar frische, exotische Getränke und schauen den karamelbraunen Girls zu, die in ihren knappen Bikinis ihre wunderbar kurvigen Körper gekonnt zur chilligen Musik bewegen. Die Sonne steht hoch am azurblauen Himmel, aber wir liegen bequem im Schatten einer Palme.

Ja, so oder so ähnlich stellen wir sie uns doch vor, die Tropen. Als wir auf der B1 in Richtung Windhuk den südlichen Wendekreis überqueren und damit die Tropen erreichen, ist jedoch von alledem noch nichts zu erkennen. Eine Haltebucht mit einem Schild an einer staubigen Landstraße, so sieht also der Eingang zu den Tropen aus.

WendekreiseDer südliche Wendekreis ist der südlichste Breitenkreis, an dem die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht, nämlich nur am 21. oder 22. Dezember, dem Tag der Sommersonnenwende der Südhalbkugel. Er ist der Breitenkreis bei 23° 26′ 5″ südlicher Breite. Im Sinne der tropischen Tierkreiszeichen bzw. auch nach dem Sternbild der Ekliptik, in dem die Sonne bei Einführung der Sternbilder in der Antike zur Sonnenwende stand, wird der südliche Wendekreis auch „Wendekreis des Steinbocks“ (lat.: tropicus capricorni, engl.:Tropic of Capricorn) genannt.

In Windhuk bleiben wir einige Tage und erledigen den Tax Refund und lassen unseren Rammbügel schweißen.  Auf der Suche nach einer geeigneten Werkstatt spricht uns Rolf an, auch er fährt einen Mercedes G und hat in Windhuk die Stahlbaufirma Nirosta. Wir vereinbaren für den darauffolgenden Tag einen Termin und sind pünktlich dort. Ein Mitarbeiter macht alle notwendigen Vorarbeiten und als er anfangen will zu schweißen ist leider Stromausfall, der den ganzen Tag über andauert. So kommen wir am übernächsten Morgen noch einmal, da morgen auch noch Feiertag ist. Rolf ist „Südwestler“ in der 4. Generation und in den 90er Jahren hat er auch mal einige Zeit in Deutschland gearbeitet, aber es hat ihn wieder zurück nach Afrika gezogen, wo er dann die Stahlbaufirma übernommen hat.

Wir möchten auch noch unseren Schonbezug vom Auto reparieren lassen, durch das ständige Ein- und Aussteigen ist die Naht auf der Seite wieder aufgerissen. Wir haben schon selbst repariert und auch in der Türkei und in Indien haben Schneider diverse Flicken draufgemacht. Jemand empfiehlt uns die Sattlerei Gerber. Als wir das Geschäft betreten, werden wir direkt auf Deutsch angesprochen. Eine Mitarbeiterin schaut sich die Sitzbezüge an und sagt uns dann, dass sie solche Arbeiten nicht ausführen. (Anm. des Autors: hier wird nur Qualitätsarbeit auf höchstem Niveau seit 1930 gemacht, ein „made in China“ Stoffbezug wird hier nicht ausgebessert)

Auf diskrete Nachfrage, ob es sonst jemand machen könnten, kriegen wir die Nummer von Sakki, der für kleines Geld einen weiteren Flicken draufnäht.

Am Abend zieht es uns in Joe’s Beerhouse, wo wir uns mit Rinus und Helga treffen. Die beiden hatten wir bereits in Capetown getroffen und möglicherweise können wir ein Stück gemeinsam fahren. Es wird ein lustiger Abend und am nächsten Morgen ziehen die beiden auch auf unseren Campingplatz  Urbancamp um. Die beiden haben sich für eine TV Produktion in Botswana beworben und wenn das nicht klappen sollte, so beschließen wir, dass wir dann gemeinsam in das Koakoland fahren. Das ist der einsame Nordwesten Namibias und alle Reiseführer und Guidebooks raten dazu, nicht alleine in diese verlassene Gegend zu fahren. Im Falle einer Panne ist mit Hilfe dort nicht zu rechnen.

So trennen sich erst einmal unsere Wege wieder und wir fahren an die Atlantikküste nach Walvis Bay. Es ist ein gemütliches Städtchen mit einem geschäftigen Hafen. An der Promenade entdecken wir einen großen, bunten Truck mit holländischem Kennzeichen. Wir fahren hin und treffen Nelke und Frans mit ihren beiden Söhnen. Sie sind gerade in Walvis angekommen, per RORO (Roll on Roll off) Schiff von Europa. Sie planen 7 Jahren durch Afrika zu fahren. Wir kommen ins Reden und Nelke macht uns einen Kaffee, Frans zeigt uns den Truck und gibt uns noch den Hinweis, dass wir zum Pelican Point fahren könnten.

Wir schauen uns jedoch zuerst im Städtchen um und entdecken die Bäckerei von Willy Probst. Die Kuchenauswahl ist fantastisch, wir können uns gar nicht entscheiden und verlassen die Bäckerei mit Schwarzwälder Kirschtorte, Apfel- und Käsekuchen. Wir fahren auf unseren Platz, machen Kaffee und essen den köstlichen Kuchen. Es schmeckt fast wie zu Hause, wir haben auch noch ein Berner Brot mitgenommen und versucht der Verkäuferin zu erklären, dass Bern die Hauptstadt der Schweiz ist.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Pelican Point, die letzten 15 Kilometer geht es am Strand entlang auf eine einsame Landzunge. Dort befinden sich ein etwas heruntergekommenes Hotel und tausende von Seehunden. Es riecht gewaltig nach den Tieren, wir halten an und machen einige Fotos. Es sieht so aus, als ob die Kolonie mehrere Wächter postiert hat und sobald wir zu nahe kommen, geben diese ein Signal und die ganze Kolonie jagt ins Wasser. Auch ein kleiner Schakal zeigt sich und dann geht es zurück nach Walvis, einmal droht das Beast im Stand stecken zu bleiben, aber der Motor hat glücklicherweise genügend Kraftreserven um sich auch dort hindurch zu wühlen. Den Reifendruck hatten wir zuvor schon auf ca. 1 bar abgelassen. Der Reifen wird dadurch viel länger und durch die vergrößerte Auflagefläche lässt es sich im Sand leichter fahren. Es ist erstaunlich was das Luft ablassen bewirkt.

Wir fahren noch zur Düne 7, dort präsentiert Toyota das neuste Hillux Modell der Öffentlichkeit. Es stehen 25 Hillux bereit und ca. 60 internationale Journalisten werden durch die Dünen gefahren. Wie wir erfahren ging das bereits die ganze Woche so. Leroy Poulter, Toyotapilot bei der DAKAR Rally und 5. des diesjährigen Wettbewerbs ist mit seinem Rally-Fahrzeug auch vor Ort und beeindruckt die Journalisten zusätzlich.

An der Düne versuchen sich auch noch Van Byt Fahrer in Extrembuggies. Auf dem angelegten Parkour wühlen sich die Fahrzeuge durch den Sand. Wir beschließen die Düne zu verlassen und fragen, ob wir uns einer Tour zum Sandwich Harbour anschließen können.

Jan fährt in einem Defender eine amerikanische Familie zu diesem Ort südlich von Walvis, ein portugisischer Seefahrer hatte diesen natürlichen Hafen vor hunderten von Jahren entdeckt. Der Hafen wird nicht mehr benutzt und liegt in einem  Naturschutzgebiet, es gibt keine Straße dorthin, nur durch die Dünen und am Strand entlang.

Wir lassen wieder die Luft aus den Reifen und folgen Jan, wir haben ein Funkgerät und bei schwierigen Passagen gibt uns Jan eine entsprechende Information. Er ist 4×4 Instructor bei Landrover und meint, dass ihm nur ein Mercedes G folgen könnte. Privat besitzt er ein seltenes Landrover Modell, aus den Zeiten, als BMW dort noch das Sagen hatte und eine Sonderserie mit einem M3 Motor ausstattete.

So fahren wir los und unterwegs treffen wir noch zwei Nissan Patrol mit vielen Chinesen. Die Fahrt am Strand entlang ist atemberaubend schön. Man muss auf die Gezeiten achten, dass man am Strand Platz hat zum Fahren. Die Dünen erheben sich direkt am Strand, die Farben ändern sich ständig und auf einmal erscheint alles rubinrot. Jan erklärt uns, dass es hier im Wasser den Halbedelstein Garnett gibt, dieser von Wasser und Sand kleingemahlen an den Strand gespült wird und daher die Farbe kommt. Wir passieren einen angespülten Wal, dieser liegt jedoch schon seit einigen Monaten hier und geruchsbedingt halten wir nicht an. Ein verlassenes Fischerdorf kann sich auch nicht gegen den Sand behaupten und ist mittlerweile fast unter den Dünen verschwunden. Am Sandwich Harbour angekommen, machen wir eine Pause, fotografieren und beobachten die Flamingos.

Der Rückweg führt durch die Dünen, die erste Abfahrt ist gewöhnungsbedürftig, es geht aber besser, als gedacht. Die Dünen sind steil und wir lassen das Beast mit Untersetzung und im ersten Gang hinuntergleiten. Bremsen vermeiden wir, da das Fahrzeug dann in den Sand einsinkt und daher die Gefahr des Steckenbleibens droht. Diese Erfahrung macht zuerst einer der beiden Nissan Patrols, er bleibt am Kamm einer Düne stecken. Jan und wir sind bereits unten, nach einigen erfolglosen Befreiungsversuchen kommt ein junger Chinese herunter und holt unseren Spanngurt. Der Weg nach oben ist ein Vielfaches mühsamer. Oben angekommen wird der Spanngurt angebracht und der andere Nissan zieht den Havaristen ein Stück zurück. Mit etwas Anlauf gelingt es dann ganz herauf zu fahren und anschließend zu uns herunter.

Kurz vor Ende der Tour bleibt der zweite Nissan stecken. Jan lässt den Fahrer aussteigen und er schafft es, das Fahrzeug wieder frei zu kriegen. Im Rückwärtsgang und mit heftigem hin und her lenken setzt er den Geländewagen ein ordentliches Stück zurück und mit Anlauf fährt er auf die letzte Düne. Dort oben wird noch ein Gruppefoto gemacht und auf Wunsch der Chinesen vor dem Mercedes. Sie sind von der Leistungsfähigkeit unseres G voll überzeugt.

Nach 4 Tagen verlassen wir Walvis wieder und fahren an der Küsten entlang nach Swakopmund, dem wichtigsten Urlaubs- und Erholungsort Namibias. Der Ort liegt eingebettet wie eine Oase in der ältesten Wüste der Welt, der Namib. Die deutsche Geschichte dieser Stadt spiegelt sich auch in ihren historischen Gebäuden wieder und immer wieder hört man den Begriff „Klein Hamburg“.

Am 04. August 1892 landete das deutsche Kanonenboot „Hyäne“ am Nordufer des Swakop River und die Besatzung unter der Führung ihres Kapitäns Curt von Francois errichtete auf einer Düne zwei Leuchtfeuer. Das 33 km südlich gelegene Walvis war unter britischer Kontrolle und andere geeignete Anlegestellen gab es nicht. Hier an der Flußmündung war Frischwasser vorhanden, jedoch bot der Strand keinerlei Schutz für die vor Anker liegenden Schiffe. Swakopmund war gegründet und ein Jahr später wurden 40 Siedler und 120 Soldaten der Schutztruppe an Land gebracht. Die Siedler errichteten zuerst Höhlen am Strand um sich vor dem Wetter zu schützen. Die schnelle Entwicklung im Landesinnern hatte einen erweiterten Schiffsverkehr zur Folge, der wiederum die Nachfrage nach einem besseren Anlegeplatz mit sich brachte. Eine Mole sollte diesem Zweck dienen, aber das geschah nicht ohne heftige Meinungsverschiedenheiten. In hitzigen Debatten erwog man die Möglichkeiten einer Landungsbrücke oder eines steinernen Anlegeplatzes. Schließlich entschied man sich für das künstliche Hafenbecken. In der Zwischenzeit geschah das Entladen mit speziellen Booten, die nur von einem  liberianischen Stamm gehandelt werden konnten. Die Woermann Linie beschäftigte bis zu 600 Stammesangehörige, um den Warenstrom bewältigen zu können. 1896 bot die Woermann Linie einen zweimonatlichen Service und ab 1899 einen monatlichen Service nach Swakopmund an. Bedingt durch Materialmangel wurden die meisten Häuser der Siedler in Deutschland konstruiert, vorgefertigt und per Schiff nach Deutsch-Südwest verladen.

Ende 1898 kam der Architekt F. W. Ortloff  nach Swakopmund und sollte die Vorbereitungen zum Molebau überwachen. Seine Aufgaben schlossen die Konstruktion eines Wassersystems für die Produktion von schweren Betonblöcken ein, die Gründung eines nahegelegenen Steinbruchs, das Anlegen einer kleineren Bahnstrecke und er musste sich um die Einstellung der Arbeiter kümmern. Es dauerte ungefähr zehn Monate, bis die Vorbereitungen abgeschlossen waren.

Der Grundstein zur Mole wurde am 2. September 1899 gelegt, der stabile Schutzwall, der die Wellen brechen sollte, wurde unter schier unmenschlichen Bedingungen geschaffen. 375 m erstreckte sich das Bauwerk ins Meer, das Querstück am Ende hatte eine Länge von 35 Metern, der Molebau übertraf die errechneten Baukosten und belief sich auf 2,5 Millionen Mark.

Die ersten 6 Passagiere landeten am 30. Januar 1901 an der noch nicht fertiggestellten Mole. Die Einweihung fand am 12. Februar 1903 im berühmten Hotel Bismarck statt.

Zwei Jahre lang konnte die Mole das Abladen der Frachtgüter vereinfachen. Die Schiffe lagen vor Anker, während Schleppkähne und Barken die Güter an Land brachten. Drei dampfbetriebene Kräne nahmen die Güter entgegen und eine Schmalspurbahn verfrachtete sie weiter.

Schließlich versandete die Mole, denn der süd-nördliche Meeresstrom lagerte große Mengen an Schlick an der Südseite des Steinwalls ab, bis über den Molenkopf hinaus. Am Eingangskanal zur Mole entstand eine Sandbank und ab Juli 1904 konnten die Schleppkähne nur noch bei Flut ins Molenbecken einfahren.

Mit teilweise bis zu 20 Dampfschiffen vor Anker wurde ein 24 Stundendienst zum Abladen dringend erforderlich. Die weitere Ablagerung von Sand konnte nicht verhindert werden, obwohl man versuchte, das Becken freizubaggern. 1905 kam der Dienst zum Abladen der Schiffe zum völligen Stillstand. Ein Jahr später war die Mole vollständig versandet und der deutschen Regierung blieb nichts anderes übrig, als den Bau einer hölzernen Landungsbrücke zu erwägen.

1916 wurde die Mole als Badeplatz entwickelt und am 11. Januar 1917 fand das erste Wettschwimmen statt.

1904 wurde die hölzerne Landungsbrücke geplant und die Truppen der zweiten Eisenbahnkompanie wurden beauftragt diese zu errichten. Im April 1905 konnte diese zum ersten Mal benutzt werden, gerade rechtzeitig, denn die Mole war unbrauchbar geworden.

Die 2. Eisenbahnkompanie war in der alten Kaserne untergebracht und es wird behauptet, dass die Alte Kaserne den Mythos des traditionellen Südwester Biertrinkers begründet habe, denn als das Gebäude restauriert wurde, wurden tausende leerer Bierflaschen unter dem Holzfußboden gefunden.

Wir errichten unser Camp bequem neben der Tiger Reef Bar, wo man direkt am Strand gemütlich Bier trinken und was nettes essen kann. In der Stadt kaufen wir uns in einer deutschen Buchhandlung einen Führer über die historischen Gebäude und ziehen am nächsten Tag durch die Stadt und schauen uns alles in Ruhe an. Die alte Gerberei wurde leider abgerissen, dafür finden wir aber den Nachfolger ‚African Leather Creations‘, wo ich ein paar Vellies aus Kuduleder finde, als Ersatz für meine kaputten Trekkingschuhe.

In der Zwischenzeit haben wir von Helga und Rinus die Nachricht bekommen, dass ihre TV-Dokumentation gestrichen wurde und wir nun zusammen durch den einsamen Nordwesten Namibias fahren können. Wir treffen uns im alten deutschen Fort in Sesfontain (sechs Quellen), dies wurde 1896 erbaut, um deutsche Soldaten zu beherbergen, die die Tierbewegungen kontrollieren sollten, da eine schwere Rinderpest ausgebrochen war. Im 1. Weltkrieg wurde das Fort zerstört und in den 1980er Jahren wiederum von einem Deutschen renoviert und zu einem Gästehaus umgebaut.

Hier gibt es noch ein paar kleine Läden und eine Tankstelle. An der Tankstelle arbeitet eine schwangere Frau als Tankwart, ihre Hände sind voller Treibstoff. Ich schenke ihr ein Paar Schutzhandschuhe, die sie sofort freudestrahlend anzieht und mir stolz ihre Hände zeigt. Ich ziehe ihr dir Handschuhe aber noch einmal aus und zeige ihr, dass die Gummiseite auf der Handfläche und das Stoffteil auf dem Handrücken sein soll. Als wir losfahren winkt sie uns mit beiden Händen hinterher.

Mit vollen Tanks brechen wir noch am gleichen Nachmittag auf in die Wildnis. Wir fahren westwärts in Richtung Kaokoland, der Heimat der Himbas. Im äußersten Nordwesten Nambias gelegen, lockt uns diese unwirtliche Bergwüste mit ihrer faszinierenden Landschaft und ihren Bewohnern. Im Norden grenzt das Gebiet an den Kuenefluss, der Grenzfluss zu Angola, im Westen liegt die Skeleton Küste und im Osten der Etosha Nationalpark und das Land der Ovambo, im Süden das Damaraland.

Die erste Nacht verbringen wir in dem ausgetrockneten Flußbett des Hoanib, wir sind etwas nervös, denn hier gibt es auch Löwen. Die 5 Musketiere sind eine landesweit bekannte Gruppe von Löwenmännchen, die hier in der Umgebung ihr Revier haben. Am Nachmittag treffen wir auf einen gut ausgerüsteten Toyota und Dr. Philip (Flip) Stander, er beobachtet die Brüder seit ihrer Geburt.

Am Abend machen wir ein schönes Lagerfeuer und Rinus beginnt damit seine Bohnen zu kochen, die er für den Trip gekauft hat. Er hat 4 Packungen der trockenen Bohnen gekauft, aber auch am Ende des Abends sind sie noch hart wie am Anfang. Er liest nochmal die Packung und dort steht nur drauf, „so lange kochen, bis die Bohnen weich sind“. Wahrscheinlich wurde auf die Zeitangabe bewusst verzichtet.

Wir erwachen am Morgen und leben noch, glücklicherweise sind wir von den Löwen nicht gefressen worden. Wir fahren weiter, machen eine Pause an einem Wasserloch, wo wir ein paar Tiere beobachten können. Das Fahren macht Spaß, die Pisten sind meist sandig und weich und das „Wellblech“ hält sich in Grenzen, trotzdem ist das Öl unseres linken Stoßdämpfers ausgelaufen. Wir sind zuerst etwas verunsichert, aber wir fahren weiter und am Abend campen wir wieder in einem fast trockenen Fluss, dieses Mal im Bett des Hoarusib. Das Flussbett ist bekannt als Route für die Elefanten dieser Gegend und auch Löwen soll es hier geben.

Gegen Mitternacht werde ich von Annette leise geweckt, sie flüstert „Elefanten“ und tatsächlich hören wir sie. Kein Elefantengetrampel , sondern ein tiefes Grummeln ist hörbar. Wir lauschen in die Nacht und schauen aus unserem Zelt in die schwarze Nacht. Wir hatten extra das Zelt offen gelassen, für den Fall, dass in der Nacht oder am Morgen Tiere in die Nähe kommen.

Wir können jedoch kaum etwas erkennen, wir hören aber die Elefanten fressen. Sie knicken Sträucher und junge Bäume ab und das Knacken des Holzes ist deutlich zu vernehmen. Es wird uns nun etwas unheimlich, denn die Dickhäuter kommen eindeutig näher, was tun sie wohl, wenn wir in ihrer Route stehen, schießt es uns durch den Kopf. Sie sind nun sehr nah an uns dran und wir meinen in der Dunkelheit zwei große Elefanten mit einem Baby erkennen zu können. Sie drehen nun etwas ab und gehen zum Rinnsal des Hoarusib, es kommt uns fast wie eine halbe Ewigkeit vor, die sie dort verbringen. Sie saufen und scheinen sich im Wasser zu wälzen, dann endlich können wir hören wie sie weiter ziehen, auf ganz leisen Sohlen machen sie sich davon.

Wir sind ganz aufgeregt und es dauert eine ganze Weile bis wir wieder einschlafen können. Am Morgen begutachten wir die Fress- und Fußspuren der Elefanten.

Etwas später treffen wir die drei Dickhäuter wieder als wir auf dem Weg nach Puros sind. Das Baby scheint erst wenige Tage alt zu sein und die Mutter wirkt etwas nervös, als wir einige Fotos machen.

Wir wollen im Kaokoland noch eine Schule besuchen. Helga und Rinus hatten eine Spanierin kennengelernt, die dort freiwillig einige Monate verbringt. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf ein paar Himbas, die uns von ihrem Brunnen Wasser geben, Rinus gibt ihnen dafür seinen Bohnen und wir ihnen ein paar Seifen, die wir unterwegs in Gästehäusern mitgenommen haben.

Das Gelände wird felsiger, je weiter wir in den Norden kommen. Die Bergpassagen sind teilweise sehr steil. Oftmals sind die Tracks wie Kanäle, so dass man wenig Auswahl hat, wie man fährt. Oder man hat die Wahl zwischen tiefen Löchern oder herausstehenden Steinen. Einmal sitzt Rinus auf, aber nach kurzem Graben ist sein Toyota wieder frei und wir erreichen die Omuhonga School.

Angelis, die Spanierin besuchte die Schule während ihres Urlaubs und war sehr betroffen. Normalerweise lebt die 36-jährige Biologin in New York und hat einen gut bezahlten Job in der Krebsforschung. Sie nahm sich aber 3 Monate Zeit, um hier im Niemandsland der Himbas an dieser Schule als Lehrer zu arbeiten. Sie zeigt uns alles und stellt uns dem Direktor vor, dieser weist uns eine Stelle an, wo wir unsere Zelte aufschlagen können und meint, dass wir morgen etwas mit den Kindern unternehmen sollten, sie könnten an einem Tag von uns mehr lernen, als von den Lehrern in einer Woche. So überlegen wir uns am Abend, was wir mit den Kindern machen könnten und entscheiden uns für 4 Stationen, die die 4 Gruppen im Wechsel durchlaufen sollen. Rinus spielt mit den Kindern eine Art Fußball, statt Tore haben jedoch die Spieler ein Steinhaus und dieses gilt es zu schützen. Bei Helga tanzen die Kinder zu Macarena und dem Ketchup Song, bei Annette wird die Weltkarte erklärt und die Kinder bringen anschließend ihre Reiseideen mit dem Buntstift aufs Papier. Zum Schluss können sie bei mir Boule spielen und sich auf der Slackline beweisen, die wir mit unseren Berge- und Spanngurten aufgebaut haben.

Beim Direktor geben wir unsere Gastgeschenke ab: Reis, Salz, Kartoffeln und vieles mehr. Angelis hatte uns zuvor gebeten etwas zu essen mitzubringen und tatsächlich bei der täglichen Speisung wissen wir warum. Pro Kind gibt es täglich 80 Gramm Maisbrei mit Zucker, tagein tagaus.

Bevor die Essensausgabe beginnt danken sie Gott für die Gaben, diszipliniert stehen die Kinder in einer Reihe vor einem großen Topf und jeder holt sich seine Portion ab, in aufgeschnittenen Kanistern, auf einem Stück Holz oder wie auch immer. Gegessen wird traditionell mit den Händen. Was uns aber noch mehr Sorgen bereitet ist die Wasserversorgung. Die Solarpumpe am Brunnen arbeitet nur tagsüber und außer den Schülern, muss auch noch das nahegelegene Dorf und sämtliche Tiere mit diesem Wasser versorgt werden. Wir lesen während der zwei Tage die Zählerstande der Wasseruhr ab und stellen fest, dass jeder Person weniger als 20 Liter Wasser zur Verfügung stehen. Die Tiere sind da noch gar nicht berücksichtigt.

Annette versorgt einem kleinen Jungen noch eine Wunde am Fuß und einem anderen schenken wir ein T-shirt, da er außer seiner Hose und seiner Jacke nichts besitzt. Seine Freude spiegelt sich in seinen Augen wider.

In der Schule sind außer den Himbas auch noch Lembas, die ursprünglich in Angola beheimatet sind. Traditionell tragen beide Stämme einen Lendenschurz, aber in der Schule müssen sie während des Unterrichts auch Oberteile tragen. Am Abend werden wir in das „Hostel“ eingeladen, hier schlafen die Kinder, getrennt nach Mädchen und Jungen. Als wir dort eintreffen ist jedoch alles sehr gemischt, die Mädchen tanzen und die Jungs schauen und versuchen immer wieder mal zu grabschen. Trotz jährlicher Aufklärung, HIV Workshops und Familienplanung werden viele der Mädchen aber schon mit 14 schwanger. Dies wundert uns jetzt nicht mehr so sehr.

Einige Tage später berichtet uns Angelis, dass nach einem weiteren Besuch von Europäern, die noch Hühner mitgebracht hatten, die Kinder etwas anderes zu essen bekamen. Es sei ein Festmahl gewesen; wir können es uns bildlich vorstellen.

Unser weiterer Weg führt uns zu den Epupafalls am Kuene River, von dort können wir nach Angola blicken. Die restliche Strecke nach Ruacana wurde erneuert und wir kommen schnell voran. Nach 8 Tagen Koakoland sind wir zurück in der „Zivilisation“. Opuwo ist eine Stadt, wo wir sämtliche Stämme treffen, Ovambos, Herreros, Himbas, Lembas, Damaras und Weiße. Es ist schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn man in einem Supermarkt an der Kühltheke nach Butter schaut und eine halbnackte Himbafrau daneben steht.

Wir bleiben einige Tage in Opuwo, denn wir warten auf die Reisegruppe der VHS Zell unter der Leitung von Franz Hoch. Am Abend treffen wir dann Annettes ehemalige Chefin Magdalena Blessing mit ihrem Mann Gustav. Wir essen gemeinsam mit ihnen zu Abend und lassen diesen an der Bar ausklingen.

Helga und Rinus fahren derweil schon nach Kamanjab, dort kann man als Overlander bei „Oppi Koppi“, einem Belgier umsonst stehen. Nach den schönen Tagen zusammen, haben wir beschlossen noch gemeinsam durch den Etosha Nationalpark und durch den Caprivistrip zu fahren.

Einige Tage später treffen auch wir im Oppi Koppi ein und treffen zu unserer Freude nicht nur Helga und Rinus wieder, sondern auch Nelke und Frans mit ihren beiden Söhnen.

Außerdem treffen dort noch Joe und Michaela aus Köln mit ihren 4 Kindern ein. Sie haben sich 4 Monate Auszeit genommen und in Südafrika einen Landrover mit Offroadhänger gekauft und touren durch das südliche Afrika.

Wir bleiben ein paar Tage und ich kümmere mich um den ausgelaufenen Stoßdämpfer. Rolf aus Windhuk besorgt mir zwei und lässt diese per Express zur Weimann Garage nach Outjo liefern. Obwohl wir uns nur zweimal in Windhuk gesehen haben, vertraut er uns und wir können die Kosten auf sein deutsches Konto überweisen.

In Outjo lesen wir in der Zeitung, dass wohl Viehzüchter einen der 5 Musketiere erschossen und einen anderen schwer verletzt haben. Wir sind schwer enttäuscht, dass die Bevölkerung immer noch nicht begriffen hat, dass diese Tiere ihr touristisches Kapital sind.

Gemeinsam mit den Holländern fahren wir durch den Etosha Nationalpark, wir sehen zweimal Nashörner und auch diese sind immer noch stark von Wilderern geplagt, denn für ihre Hörner werden auf irgendwelchen Märkten utopische Summen bezahlt.

Wir übernachten im Halali Camp und verbringen die halbe Nacht am Wassserloch Moringa. Wir versuchen uns gegenseitig wach zu halten, aber immer wieder nicken wir ein. Einmal schreckt uns ein Honigdachs auf, als er eine Blechtonne umschmeißt.

Wir entscheiden uns für einen Umweg durch das Land der Buschmänner und den Khaudum Nationalpark. Wir fahren nach Grootfontain (große Quelle) und besuchen dort noch den Hoba Meteorit. Dieser ist der größte bekannte Meteorit auf der Erde und ist vor ca. 80.000 Jahren auf der Erde gelandet. Er wiegt ca. 60 Tonnen und besteht aus 84 % Eisen und 16 % Nickel, wissenschaftlich wird er als nickelreicher Ataxit bezeichnet.

Von Grootfontain aus fahren wir nun ganz in den Osten des Landes, bis zur botswanischen Grenze. Dort übernachten wir noch einmal in Tsumke und wollen am nächsten Morgen in den Khaudum Nationalpark. Seit einigen Tagen hatten wir ein seltsames Geräusch im Bereich des Handschuhfaches und in Tsumkwe wollten wir nun endlich wissen, was das ist. Ich baue das Handschuhfach aus und wir machen eine Probefahrt. Auf der Wellblechpiste hören wir es deutlich, aber wir sehen nichts. Nun stellt sich Annette auf das Trittbrett und schaut während der Fahrt von außen und dann entdecken wir den Riss in der Karosserie . Dort wo die Motorhaube angeschraubt ist fängt das Blech der Karosse an auszureißen. Eine schöne Bescherung, aber so möchte ich nicht weiterfahren und wir beschließen zurück nach Grootfontain zu fahren. Dort habe ich einen Karosseriebauer gesehen, dessen Hauswand das Glasurit Logo zierte und schließlich habe ich für diese Firma mal gearbeitet. Nur Profis verwenden diese Autolacke und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch der Originallack des Beasts aus der Produktion von Glasurit (BASF) stammt.

Rinus und Helga warten einen Tag in Tsumke und wir brechen morgens um 06.00 Uhr auf, kurz nach 09.00 Uhr sind wir in Grootfontain und die Jungs von Fickies Bodyshop machen sich sofort an die Arbeit. Abmontieren, Karosserie richten, schweißen, schleifen, spachteln, grundieren und lackieren. Um halb drei machen wir uns auf den Rückweg und kurz nach Einbruch der Dunkelheit sind wir zurück in Tsumkwe.

Der Khaudum Nationalpark liegt an der Grenze zu Botswana, diese ist nicht durch einen Zaun gesichert, sodass die Tiere zwischen diesen beiden Ländern hin und her ziehen können. Auf botswanischer Seite liegt das Okavangodelta und ist bekannt für seine großen Herden. Im Khaudum Nationalpark soll es große Herden von Elefanten geben.
tachoDadurch, dass der Park sehr abgelegen liegt kommen nur wenige Besucher hierher, auch sind die Wege sehr schlecht und auf der Karte wird extra darauf hingewiesen. Dafür ist der Eintrittspreis ein wahres Schnäppchen, keine 5 Euro und campieren im Sikaretti Camp ist umsonst. Hier treffen wir ein Ehepaar aus Südafrika, die von Norden her kommen, er erzählt uns von wahnsinnigen Spurrillen und tiefem Sand. So starten wir am nächsten Morgen mit großem Respekt vor der Strecke, aber wir kommen gut durch uns sehen wirklich unglaublich viele Elefanten, leider verziehen sich alle anderen Tiere, wenn der Elefant kommt und so sehen wir auch hier keine Großkatzen. Wir verlassen den Park und suchen einen schönen Platz zum übernachten. Heute ist Annettes Geburtstag und wir machen eine Flasche Sekt auf, die wir seit Windhuk mit uns herumtragen.

Auf dem Weg durch den Caprivistreifen machen wir noch einen Abstecher in den Mudumo Nationalpark. Dieser Park ist wirklich ein Besuch wert, er ist klein und unbekannt. Wir treffen keine anderen Besucher, finden aber eine schöne Stelle am Kwando River und bleiben 2 Nächte dort. Es ist ein wunderschönes Fleckchen Erde, aber sobald die Dunkelheit eintritt, beginnt es für uns unheimlich zu werden. Ein Nilpferd kommt immer näher und will bei uns an Land, glücklicherweise überlegt es sich doch nochmal anders und schwimmt langsam weiter.

Wir grillen ein paar Steaks auf dem Feuer und als wir gerade anfangen möchten zu essen, vernehmen wir den König der Tiere. Hhmmm, sollen wir lieber im Auto essen. Wir entschließen uns draußen sitzen zu bleiben, legen zur Sicherheit aber nochmal gewaltig Holz nach.

Wir liegen bereits im Zelt, als gegen 23 Uhr etwas an unserem Lagerplatz vorüberjagt, kurze Zeit später durchdringen schauerliche Schreie die Nacht. Die Affen ringherum sind in heller Aufruhr und schreien auch noch zusätzlich in die Nacht. Nach etwa einer halben Stunde ist der (Überlebens-)Kampf vorüber und es kehrt wieder Ruhe ein.

Am Morgen geht die Sonne auf und der Fluss fließt so friedlich dahin, wir frühstücken und machen dann das Feuer aus, es hat die ganze Nacht hindurch gebrannt und die Glut ist immer noch gigantisch. Wir holen viele Male Wasser aus dem Fluss, um es aus zu machen, aber der Schlamm um das Feuer beginnt nun zu brodeln. Es war wahrlich ein Höllenfeuer.

Die restliche Fahrt durch den Caprivistreifen verläuft ruhig und wir erreichen die Stadt Katima Mulilo, dort bleiben wir einige Tage um uns zu waschen, das Auto zu reinigen und die Vorräte aufzufrischen. Außerdem erledigen wir den ganzen Papierkram für die letzten Visa für Äthiopien, Sudan und Ägypten.

Dann heißt es Abschied nehmen von Helga und Rinus, wir sind solange zusammen gefahren und hatten eine super schöne Zeit in Namibia. Die Tropen sind schön, aber völlig anders als wir sie uns immer vorstellen.