Ab in die Tropen – Inbegriff des Paradies auf Erden

Das kristallklare, türkisblaue Wasser schlägt in sanften Wellen an den schneeweißen Strand. Wir genießen wunderbar frische, exotische Getränke und schauen den karamelbraunen Girls zu, die in ihren knappen Bikinis ihre wunderbar kurvigen Körper gekonnt zur chilligen Musik bewegen. Die Sonne steht hoch am azurblauen Himmel, aber wir liegen bequem im Schatten einer Palme.

Ja, so oder so ähnlich stellen wir sie uns doch vor, die Tropen. Als wir auf der B1 in Richtung Windhuk den südlichen Wendekreis überqueren und damit die Tropen erreichen, ist jedoch von alledem noch nichts zu erkennen. Eine Haltebucht mit einem Schild an einer staubigen Landstraße, so sieht also der Eingang zu den Tropen aus.

WendekreiseDer südliche Wendekreis ist der südlichste Breitenkreis, an dem die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht, nämlich nur am 21. oder 22. Dezember, dem Tag der Sommersonnenwende der Südhalbkugel. Er ist der Breitenkreis bei 23° 26′ 5″ südlicher Breite. Im Sinne der tropischen Tierkreiszeichen bzw. auch nach dem Sternbild der Ekliptik, in dem die Sonne bei Einführung der Sternbilder in der Antike zur Sonnenwende stand, wird der südliche Wendekreis auch „Wendekreis des Steinbocks“ (lat.: tropicus capricorni, engl.:Tropic of Capricorn) genannt.

In Windhuk bleiben wir einige Tage und erledigen den Tax Refund und lassen unseren Rammbügel schweißen.  Auf der Suche nach einer geeigneten Werkstatt spricht uns Rolf an, auch er fährt einen Mercedes G und hat in Windhuk die Stahlbaufirma Nirosta. Wir vereinbaren für den darauffolgenden Tag einen Termin und sind pünktlich dort. Ein Mitarbeiter macht alle notwendigen Vorarbeiten und als er anfangen will zu schweißen ist leider Stromausfall, der den ganzen Tag über andauert. So kommen wir am übernächsten Morgen noch einmal, da morgen auch noch Feiertag ist. Rolf ist „Südwestler“ in der 4. Generation und in den 90er Jahren hat er auch mal einige Zeit in Deutschland gearbeitet, aber es hat ihn wieder zurück nach Afrika gezogen, wo er dann die Stahlbaufirma übernommen hat.

Wir möchten auch noch unseren Schonbezug vom Auto reparieren lassen, durch das ständige Ein- und Aussteigen ist die Naht auf der Seite wieder aufgerissen. Wir haben schon selbst repariert und auch in der Türkei und in Indien haben Schneider diverse Flicken draufgemacht. Jemand empfiehlt uns die Sattlerei Gerber. Als wir das Geschäft betreten, werden wir direkt auf Deutsch angesprochen. Eine Mitarbeiterin schaut sich die Sitzbezüge an und sagt uns dann, dass sie solche Arbeiten nicht ausführen. (Anm. des Autors: hier wird nur Qualitätsarbeit auf höchstem Niveau seit 1930 gemacht, ein „made in China“ Stoffbezug wird hier nicht ausgebessert)

Auf diskrete Nachfrage, ob es sonst jemand machen könnten, kriegen wir die Nummer von Sakki, der für kleines Geld einen weiteren Flicken draufnäht.

Am Abend zieht es uns in Joe’s Beerhouse, wo wir uns mit Rinus und Helga treffen. Die beiden hatten wir bereits in Capetown getroffen und möglicherweise können wir ein Stück gemeinsam fahren. Es wird ein lustiger Abend und am nächsten Morgen ziehen die beiden auch auf unseren Campingplatz  Urbancamp um. Die beiden haben sich für eine TV Produktion in Botswana beworben und wenn das nicht klappen sollte, so beschließen wir, dass wir dann gemeinsam in das Koakoland fahren. Das ist der einsame Nordwesten Namibias und alle Reiseführer und Guidebooks raten dazu, nicht alleine in diese verlassene Gegend zu fahren. Im Falle einer Panne ist mit Hilfe dort nicht zu rechnen.

So trennen sich erst einmal unsere Wege wieder und wir fahren an die Atlantikküste nach Walvis Bay. Es ist ein gemütliches Städtchen mit einem geschäftigen Hafen. An der Promenade entdecken wir einen großen, bunten Truck mit holländischem Kennzeichen. Wir fahren hin und treffen Nelke und Frans mit ihren beiden Söhnen. Sie sind gerade in Walvis angekommen, per RORO (Roll on Roll off) Schiff von Europa. Sie planen 7 Jahren durch Afrika zu fahren. Wir kommen ins Reden und Nelke macht uns einen Kaffee, Frans zeigt uns den Truck und gibt uns noch den Hinweis, dass wir zum Pelican Point fahren könnten.

Wir schauen uns jedoch zuerst im Städtchen um und entdecken die Bäckerei von Willy Probst. Die Kuchenauswahl ist fantastisch, wir können uns gar nicht entscheiden und verlassen die Bäckerei mit Schwarzwälder Kirschtorte, Apfel- und Käsekuchen. Wir fahren auf unseren Platz, machen Kaffee und essen den köstlichen Kuchen. Es schmeckt fast wie zu Hause, wir haben auch noch ein Berner Brot mitgenommen und versucht der Verkäuferin zu erklären, dass Bern die Hauptstadt der Schweiz ist.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Pelican Point, die letzten 15 Kilometer geht es am Strand entlang auf eine einsame Landzunge. Dort befinden sich ein etwas heruntergekommenes Hotel und tausende von Seehunden. Es riecht gewaltig nach den Tieren, wir halten an und machen einige Fotos. Es sieht so aus, als ob die Kolonie mehrere Wächter postiert hat und sobald wir zu nahe kommen, geben diese ein Signal und die ganze Kolonie jagt ins Wasser. Auch ein kleiner Schakal zeigt sich und dann geht es zurück nach Walvis, einmal droht das Beast im Stand stecken zu bleiben, aber der Motor hat glücklicherweise genügend Kraftreserven um sich auch dort hindurch zu wühlen. Den Reifendruck hatten wir zuvor schon auf ca. 1 bar abgelassen. Der Reifen wird dadurch viel länger und durch die vergrößerte Auflagefläche lässt es sich im Sand leichter fahren. Es ist erstaunlich was das Luft ablassen bewirkt.

Wir fahren noch zur Düne 7, dort präsentiert Toyota das neuste Hillux Modell der Öffentlichkeit. Es stehen 25 Hillux bereit und ca. 60 internationale Journalisten werden durch die Dünen gefahren. Wie wir erfahren ging das bereits die ganze Woche so. Leroy Poulter, Toyotapilot bei der DAKAR Rally und 5. des diesjährigen Wettbewerbs ist mit seinem Rally-Fahrzeug auch vor Ort und beeindruckt die Journalisten zusätzlich.

An der Düne versuchen sich auch noch Van Byt Fahrer in Extrembuggies. Auf dem angelegten Parkour wühlen sich die Fahrzeuge durch den Sand. Wir beschließen die Düne zu verlassen und fragen, ob wir uns einer Tour zum Sandwich Harbour anschließen können.

Jan fährt in einem Defender eine amerikanische Familie zu diesem Ort südlich von Walvis, ein portugisischer Seefahrer hatte diesen natürlichen Hafen vor hunderten von Jahren entdeckt. Der Hafen wird nicht mehr benutzt und liegt in einem  Naturschutzgebiet, es gibt keine Straße dorthin, nur durch die Dünen und am Strand entlang.

Wir lassen wieder die Luft aus den Reifen und folgen Jan, wir haben ein Funkgerät und bei schwierigen Passagen gibt uns Jan eine entsprechende Information. Er ist 4×4 Instructor bei Landrover und meint, dass ihm nur ein Mercedes G folgen könnte. Privat besitzt er ein seltenes Landrover Modell, aus den Zeiten, als BMW dort noch das Sagen hatte und eine Sonderserie mit einem M3 Motor ausstattete.

So fahren wir los und unterwegs treffen wir noch zwei Nissan Patrol mit vielen Chinesen. Die Fahrt am Strand entlang ist atemberaubend schön. Man muss auf die Gezeiten achten, dass man am Strand Platz hat zum Fahren. Die Dünen erheben sich direkt am Strand, die Farben ändern sich ständig und auf einmal erscheint alles rubinrot. Jan erklärt uns, dass es hier im Wasser den Halbedelstein Garnett gibt, dieser von Wasser und Sand kleingemahlen an den Strand gespült wird und daher die Farbe kommt. Wir passieren einen angespülten Wal, dieser liegt jedoch schon seit einigen Monaten hier und geruchsbedingt halten wir nicht an. Ein verlassenes Fischerdorf kann sich auch nicht gegen den Sand behaupten und ist mittlerweile fast unter den Dünen verschwunden. Am Sandwich Harbour angekommen, machen wir eine Pause, fotografieren und beobachten die Flamingos.

Der Rückweg führt durch die Dünen, die erste Abfahrt ist gewöhnungsbedürftig, es geht aber besser, als gedacht. Die Dünen sind steil und wir lassen das Beast mit Untersetzung und im ersten Gang hinuntergleiten. Bremsen vermeiden wir, da das Fahrzeug dann in den Sand einsinkt und daher die Gefahr des Steckenbleibens droht. Diese Erfahrung macht zuerst einer der beiden Nissan Patrols, er bleibt am Kamm einer Düne stecken. Jan und wir sind bereits unten, nach einigen erfolglosen Befreiungsversuchen kommt ein junger Chinese herunter und holt unseren Spanngurt. Der Weg nach oben ist ein Vielfaches mühsamer. Oben angekommen wird der Spanngurt angebracht und der andere Nissan zieht den Havaristen ein Stück zurück. Mit etwas Anlauf gelingt es dann ganz herauf zu fahren und anschließend zu uns herunter.

Kurz vor Ende der Tour bleibt der zweite Nissan stecken. Jan lässt den Fahrer aussteigen und er schafft es, das Fahrzeug wieder frei zu kriegen. Im Rückwärtsgang und mit heftigem hin und her lenken setzt er den Geländewagen ein ordentliches Stück zurück und mit Anlauf fährt er auf die letzte Düne. Dort oben wird noch ein Gruppefoto gemacht und auf Wunsch der Chinesen vor dem Mercedes. Sie sind von der Leistungsfähigkeit unseres G voll überzeugt.

Nach 4 Tagen verlassen wir Walvis wieder und fahren an der Küsten entlang nach Swakopmund, dem wichtigsten Urlaubs- und Erholungsort Namibias. Der Ort liegt eingebettet wie eine Oase in der ältesten Wüste der Welt, der Namib. Die deutsche Geschichte dieser Stadt spiegelt sich auch in ihren historischen Gebäuden wieder und immer wieder hört man den Begriff „Klein Hamburg“.

Am 04. August 1892 landete das deutsche Kanonenboot „Hyäne“ am Nordufer des Swakop River und die Besatzung unter der Führung ihres Kapitäns Curt von Francois errichtete auf einer Düne zwei Leuchtfeuer. Das 33 km südlich gelegene Walvis war unter britischer Kontrolle und andere geeignete Anlegestellen gab es nicht. Hier an der Flußmündung war Frischwasser vorhanden, jedoch bot der Strand keinerlei Schutz für die vor Anker liegenden Schiffe. Swakopmund war gegründet und ein Jahr später wurden 40 Siedler und 120 Soldaten der Schutztruppe an Land gebracht. Die Siedler errichteten zuerst Höhlen am Strand um sich vor dem Wetter zu schützen. Die schnelle Entwicklung im Landesinnern hatte einen erweiterten Schiffsverkehr zur Folge, der wiederum die Nachfrage nach einem besseren Anlegeplatz mit sich brachte. Eine Mole sollte diesem Zweck dienen, aber das geschah nicht ohne heftige Meinungsverschiedenheiten. In hitzigen Debatten erwog man die Möglichkeiten einer Landungsbrücke oder eines steinernen Anlegeplatzes. Schließlich entschied man sich für das künstliche Hafenbecken. In der Zwischenzeit geschah das Entladen mit speziellen Booten, die nur von einem  liberianischen Stamm gehandelt werden konnten. Die Woermann Linie beschäftigte bis zu 600 Stammesangehörige, um den Warenstrom bewältigen zu können. 1896 bot die Woermann Linie einen zweimonatlichen Service und ab 1899 einen monatlichen Service nach Swakopmund an. Bedingt durch Materialmangel wurden die meisten Häuser der Siedler in Deutschland konstruiert, vorgefertigt und per Schiff nach Deutsch-Südwest verladen.

Ende 1898 kam der Architekt F. W. Ortloff  nach Swakopmund und sollte die Vorbereitungen zum Molebau überwachen. Seine Aufgaben schlossen die Konstruktion eines Wassersystems für die Produktion von schweren Betonblöcken ein, die Gründung eines nahegelegenen Steinbruchs, das Anlegen einer kleineren Bahnstrecke und er musste sich um die Einstellung der Arbeiter kümmern. Es dauerte ungefähr zehn Monate, bis die Vorbereitungen abgeschlossen waren.

Der Grundstein zur Mole wurde am 2. September 1899 gelegt, der stabile Schutzwall, der die Wellen brechen sollte, wurde unter schier unmenschlichen Bedingungen geschaffen. 375 m erstreckte sich das Bauwerk ins Meer, das Querstück am Ende hatte eine Länge von 35 Metern, der Molebau übertraf die errechneten Baukosten und belief sich auf 2,5 Millionen Mark.

Die ersten 6 Passagiere landeten am 30. Januar 1901 an der noch nicht fertiggestellten Mole. Die Einweihung fand am 12. Februar 1903 im berühmten Hotel Bismarck statt.

Zwei Jahre lang konnte die Mole das Abladen der Frachtgüter vereinfachen. Die Schiffe lagen vor Anker, während Schleppkähne und Barken die Güter an Land brachten. Drei dampfbetriebene Kräne nahmen die Güter entgegen und eine Schmalspurbahn verfrachtete sie weiter.

Schließlich versandete die Mole, denn der süd-nördliche Meeresstrom lagerte große Mengen an Schlick an der Südseite des Steinwalls ab, bis über den Molenkopf hinaus. Am Eingangskanal zur Mole entstand eine Sandbank und ab Juli 1904 konnten die Schleppkähne nur noch bei Flut ins Molenbecken einfahren.

Mit teilweise bis zu 20 Dampfschiffen vor Anker wurde ein 24 Stundendienst zum Abladen dringend erforderlich. Die weitere Ablagerung von Sand konnte nicht verhindert werden, obwohl man versuchte, das Becken freizubaggern. 1905 kam der Dienst zum Abladen der Schiffe zum völligen Stillstand. Ein Jahr später war die Mole vollständig versandet und der deutschen Regierung blieb nichts anderes übrig, als den Bau einer hölzernen Landungsbrücke zu erwägen.

1916 wurde die Mole als Badeplatz entwickelt und am 11. Januar 1917 fand das erste Wettschwimmen statt.

1904 wurde die hölzerne Landungsbrücke geplant und die Truppen der zweiten Eisenbahnkompanie wurden beauftragt diese zu errichten. Im April 1905 konnte diese zum ersten Mal benutzt werden, gerade rechtzeitig, denn die Mole war unbrauchbar geworden.

Die 2. Eisenbahnkompanie war in der alten Kaserne untergebracht und es wird behauptet, dass die Alte Kaserne den Mythos des traditionellen Südwester Biertrinkers begründet habe, denn als das Gebäude restauriert wurde, wurden tausende leerer Bierflaschen unter dem Holzfußboden gefunden.

Wir errichten unser Camp bequem neben der Tiger Reef Bar, wo man direkt am Strand gemütlich Bier trinken und was nettes essen kann. In der Stadt kaufen wir uns in einer deutschen Buchhandlung einen Führer über die historischen Gebäude und ziehen am nächsten Tag durch die Stadt und schauen uns alles in Ruhe an. Die alte Gerberei wurde leider abgerissen, dafür finden wir aber den Nachfolger ‚African Leather Creations‘, wo ich ein paar Vellies aus Kuduleder finde, als Ersatz für meine kaputten Trekkingschuhe.

In der Zwischenzeit haben wir von Helga und Rinus die Nachricht bekommen, dass ihre TV-Dokumentation gestrichen wurde und wir nun zusammen durch den einsamen Nordwesten Namibias fahren können. Wir treffen uns im alten deutschen Fort in Sesfontain (sechs Quellen), dies wurde 1896 erbaut, um deutsche Soldaten zu beherbergen, die die Tierbewegungen kontrollieren sollten, da eine schwere Rinderpest ausgebrochen war. Im 1. Weltkrieg wurde das Fort zerstört und in den 1980er Jahren wiederum von einem Deutschen renoviert und zu einem Gästehaus umgebaut.

Hier gibt es noch ein paar kleine Läden und eine Tankstelle. An der Tankstelle arbeitet eine schwangere Frau als Tankwart, ihre Hände sind voller Treibstoff. Ich schenke ihr ein Paar Schutzhandschuhe, die sie sofort freudestrahlend anzieht und mir stolz ihre Hände zeigt. Ich ziehe ihr dir Handschuhe aber noch einmal aus und zeige ihr, dass die Gummiseite auf der Handfläche und das Stoffteil auf dem Handrücken sein soll. Als wir losfahren winkt sie uns mit beiden Händen hinterher.

Mit vollen Tanks brechen wir noch am gleichen Nachmittag auf in die Wildnis. Wir fahren westwärts in Richtung Kaokoland, der Heimat der Himbas. Im äußersten Nordwesten Nambias gelegen, lockt uns diese unwirtliche Bergwüste mit ihrer faszinierenden Landschaft und ihren Bewohnern. Im Norden grenzt das Gebiet an den Kuenefluss, der Grenzfluss zu Angola, im Westen liegt die Skeleton Küste und im Osten der Etosha Nationalpark und das Land der Ovambo, im Süden das Damaraland.

Die erste Nacht verbringen wir in dem ausgetrockneten Flußbett des Hoanib, wir sind etwas nervös, denn hier gibt es auch Löwen. Die 5 Musketiere sind eine landesweit bekannte Gruppe von Löwenmännchen, die hier in der Umgebung ihr Revier haben. Am Nachmittag treffen wir auf einen gut ausgerüsteten Toyota und Dr. Philip (Flip) Stander, er beobachtet die Brüder seit ihrer Geburt.

Am Abend machen wir ein schönes Lagerfeuer und Rinus beginnt damit seine Bohnen zu kochen, die er für den Trip gekauft hat. Er hat 4 Packungen der trockenen Bohnen gekauft, aber auch am Ende des Abends sind sie noch hart wie am Anfang. Er liest nochmal die Packung und dort steht nur drauf, „so lange kochen, bis die Bohnen weich sind“. Wahrscheinlich wurde auf die Zeitangabe bewusst verzichtet.

Wir erwachen am Morgen und leben noch, glücklicherweise sind wir von den Löwen nicht gefressen worden. Wir fahren weiter, machen eine Pause an einem Wasserloch, wo wir ein paar Tiere beobachten können. Das Fahren macht Spaß, die Pisten sind meist sandig und weich und das „Wellblech“ hält sich in Grenzen, trotzdem ist das Öl unseres linken Stoßdämpfers ausgelaufen. Wir sind zuerst etwas verunsichert, aber wir fahren weiter und am Abend campen wir wieder in einem fast trockenen Fluss, dieses Mal im Bett des Hoarusib. Das Flussbett ist bekannt als Route für die Elefanten dieser Gegend und auch Löwen soll es hier geben.

Gegen Mitternacht werde ich von Annette leise geweckt, sie flüstert „Elefanten“ und tatsächlich hören wir sie. Kein Elefantengetrampel , sondern ein tiefes Grummeln ist hörbar. Wir lauschen in die Nacht und schauen aus unserem Zelt in die schwarze Nacht. Wir hatten extra das Zelt offen gelassen, für den Fall, dass in der Nacht oder am Morgen Tiere in die Nähe kommen.

Wir können jedoch kaum etwas erkennen, wir hören aber die Elefanten fressen. Sie knicken Sträucher und junge Bäume ab und das Knacken des Holzes ist deutlich zu vernehmen. Es wird uns nun etwas unheimlich, denn die Dickhäuter kommen eindeutig näher, was tun sie wohl, wenn wir in ihrer Route stehen, schießt es uns durch den Kopf. Sie sind nun sehr nah an uns dran und wir meinen in der Dunkelheit zwei große Elefanten mit einem Baby erkennen zu können. Sie drehen nun etwas ab und gehen zum Rinnsal des Hoarusib, es kommt uns fast wie eine halbe Ewigkeit vor, die sie dort verbringen. Sie saufen und scheinen sich im Wasser zu wälzen, dann endlich können wir hören wie sie weiter ziehen, auf ganz leisen Sohlen machen sie sich davon.

Wir sind ganz aufgeregt und es dauert eine ganze Weile bis wir wieder einschlafen können. Am Morgen begutachten wir die Fress- und Fußspuren der Elefanten.

Etwas später treffen wir die drei Dickhäuter wieder als wir auf dem Weg nach Puros sind. Das Baby scheint erst wenige Tage alt zu sein und die Mutter wirkt etwas nervös, als wir einige Fotos machen.

Wir wollen im Kaokoland noch eine Schule besuchen. Helga und Rinus hatten eine Spanierin kennengelernt, die dort freiwillig einige Monate verbringt. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf ein paar Himbas, die uns von ihrem Brunnen Wasser geben, Rinus gibt ihnen dafür seinen Bohnen und wir ihnen ein paar Seifen, die wir unterwegs in Gästehäusern mitgenommen haben.

Das Gelände wird felsiger, je weiter wir in den Norden kommen. Die Bergpassagen sind teilweise sehr steil. Oftmals sind die Tracks wie Kanäle, so dass man wenig Auswahl hat, wie man fährt. Oder man hat die Wahl zwischen tiefen Löchern oder herausstehenden Steinen. Einmal sitzt Rinus auf, aber nach kurzem Graben ist sein Toyota wieder frei und wir erreichen die Omuhonga School.

Angelis, die Spanierin besuchte die Schule während ihres Urlaubs und war sehr betroffen. Normalerweise lebt die 36-jährige Biologin in New York und hat einen gut bezahlten Job in der Krebsforschung. Sie nahm sich aber 3 Monate Zeit, um hier im Niemandsland der Himbas an dieser Schule als Lehrer zu arbeiten. Sie zeigt uns alles und stellt uns dem Direktor vor, dieser weist uns eine Stelle an, wo wir unsere Zelte aufschlagen können und meint, dass wir morgen etwas mit den Kindern unternehmen sollten, sie könnten an einem Tag von uns mehr lernen, als von den Lehrern in einer Woche. So überlegen wir uns am Abend, was wir mit den Kindern machen könnten und entscheiden uns für 4 Stationen, die die 4 Gruppen im Wechsel durchlaufen sollen. Rinus spielt mit den Kindern eine Art Fußball, statt Tore haben jedoch die Spieler ein Steinhaus und dieses gilt es zu schützen. Bei Helga tanzen die Kinder zu Macarena und dem Ketchup Song, bei Annette wird die Weltkarte erklärt und die Kinder bringen anschließend ihre Reiseideen mit dem Buntstift aufs Papier. Zum Schluss können sie bei mir Boule spielen und sich auf der Slackline beweisen, die wir mit unseren Berge- und Spanngurten aufgebaut haben.

Beim Direktor geben wir unsere Gastgeschenke ab: Reis, Salz, Kartoffeln und vieles mehr. Angelis hatte uns zuvor gebeten etwas zu essen mitzubringen und tatsächlich bei der täglichen Speisung wissen wir warum. Pro Kind gibt es täglich 80 Gramm Maisbrei mit Zucker, tagein tagaus.

Bevor die Essensausgabe beginnt danken sie Gott für die Gaben, diszipliniert stehen die Kinder in einer Reihe vor einem großen Topf und jeder holt sich seine Portion ab, in aufgeschnittenen Kanistern, auf einem Stück Holz oder wie auch immer. Gegessen wird traditionell mit den Händen. Was uns aber noch mehr Sorgen bereitet ist die Wasserversorgung. Die Solarpumpe am Brunnen arbeitet nur tagsüber und außer den Schülern, muss auch noch das nahegelegene Dorf und sämtliche Tiere mit diesem Wasser versorgt werden. Wir lesen während der zwei Tage die Zählerstande der Wasseruhr ab und stellen fest, dass jeder Person weniger als 20 Liter Wasser zur Verfügung stehen. Die Tiere sind da noch gar nicht berücksichtigt.

Annette versorgt einem kleinen Jungen noch eine Wunde am Fuß und einem anderen schenken wir ein T-shirt, da er außer seiner Hose und seiner Jacke nichts besitzt. Seine Freude spiegelt sich in seinen Augen wider.

In der Schule sind außer den Himbas auch noch Lembas, die ursprünglich in Angola beheimatet sind. Traditionell tragen beide Stämme einen Lendenschurz, aber in der Schule müssen sie während des Unterrichts auch Oberteile tragen. Am Abend werden wir in das „Hostel“ eingeladen, hier schlafen die Kinder, getrennt nach Mädchen und Jungen. Als wir dort eintreffen ist jedoch alles sehr gemischt, die Mädchen tanzen und die Jungs schauen und versuchen immer wieder mal zu grabschen. Trotz jährlicher Aufklärung, HIV Workshops und Familienplanung werden viele der Mädchen aber schon mit 14 schwanger. Dies wundert uns jetzt nicht mehr so sehr.

Einige Tage später berichtet uns Angelis, dass nach einem weiteren Besuch von Europäern, die noch Hühner mitgebracht hatten, die Kinder etwas anderes zu essen bekamen. Es sei ein Festmahl gewesen; wir können es uns bildlich vorstellen.

Unser weiterer Weg führt uns zu den Epupafalls am Kuene River, von dort können wir nach Angola blicken. Die restliche Strecke nach Ruacana wurde erneuert und wir kommen schnell voran. Nach 8 Tagen Koakoland sind wir zurück in der „Zivilisation“. Opuwo ist eine Stadt, wo wir sämtliche Stämme treffen, Ovambos, Herreros, Himbas, Lembas, Damaras und Weiße. Es ist schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn man in einem Supermarkt an der Kühltheke nach Butter schaut und eine halbnackte Himbafrau daneben steht.

Wir bleiben einige Tage in Opuwo, denn wir warten auf die Reisegruppe der VHS Zell unter der Leitung von Franz Hoch. Am Abend treffen wir dann Annettes ehemalige Chefin Magdalena Blessing mit ihrem Mann Gustav. Wir essen gemeinsam mit ihnen zu Abend und lassen diesen an der Bar ausklingen.

Helga und Rinus fahren derweil schon nach Kamanjab, dort kann man als Overlander bei „Oppi Koppi“, einem Belgier umsonst stehen. Nach den schönen Tagen zusammen, haben wir beschlossen noch gemeinsam durch den Etosha Nationalpark und durch den Caprivistrip zu fahren.

Einige Tage später treffen auch wir im Oppi Koppi ein und treffen zu unserer Freude nicht nur Helga und Rinus wieder, sondern auch Nelke und Frans mit ihren beiden Söhnen.

Außerdem treffen dort noch Joe und Michaela aus Köln mit ihren 4 Kindern ein. Sie haben sich 4 Monate Auszeit genommen und in Südafrika einen Landrover mit Offroadhänger gekauft und touren durch das südliche Afrika.

Wir bleiben ein paar Tage und ich kümmere mich um den ausgelaufenen Stoßdämpfer. Rolf aus Windhuk besorgt mir zwei und lässt diese per Express zur Weimann Garage nach Outjo liefern. Obwohl wir uns nur zweimal in Windhuk gesehen haben, vertraut er uns und wir können die Kosten auf sein deutsches Konto überweisen.

In Outjo lesen wir in der Zeitung, dass wohl Viehzüchter einen der 5 Musketiere erschossen und einen anderen schwer verletzt haben. Wir sind schwer enttäuscht, dass die Bevölkerung immer noch nicht begriffen hat, dass diese Tiere ihr touristisches Kapital sind.

Gemeinsam mit den Holländern fahren wir durch den Etosha Nationalpark, wir sehen zweimal Nashörner und auch diese sind immer noch stark von Wilderern geplagt, denn für ihre Hörner werden auf irgendwelchen Märkten utopische Summen bezahlt.

Wir übernachten im Halali Camp und verbringen die halbe Nacht am Wassserloch Moringa. Wir versuchen uns gegenseitig wach zu halten, aber immer wieder nicken wir ein. Einmal schreckt uns ein Honigdachs auf, als er eine Blechtonne umschmeißt.

Wir entscheiden uns für einen Umweg durch das Land der Buschmänner und den Khaudum Nationalpark. Wir fahren nach Grootfontain (große Quelle) und besuchen dort noch den Hoba Meteorit. Dieser ist der größte bekannte Meteorit auf der Erde und ist vor ca. 80.000 Jahren auf der Erde gelandet. Er wiegt ca. 60 Tonnen und besteht aus 84 % Eisen und 16 % Nickel, wissenschaftlich wird er als nickelreicher Ataxit bezeichnet.

Von Grootfontain aus fahren wir nun ganz in den Osten des Landes, bis zur botswanischen Grenze. Dort übernachten wir noch einmal in Tsumke und wollen am nächsten Morgen in den Khaudum Nationalpark. Seit einigen Tagen hatten wir ein seltsames Geräusch im Bereich des Handschuhfaches und in Tsumkwe wollten wir nun endlich wissen, was das ist. Ich baue das Handschuhfach aus und wir machen eine Probefahrt. Auf der Wellblechpiste hören wir es deutlich, aber wir sehen nichts. Nun stellt sich Annette auf das Trittbrett und schaut während der Fahrt von außen und dann entdecken wir den Riss in der Karosserie . Dort wo die Motorhaube angeschraubt ist fängt das Blech der Karosse an auszureißen. Eine schöne Bescherung, aber so möchte ich nicht weiterfahren und wir beschließen zurück nach Grootfontain zu fahren. Dort habe ich einen Karosseriebauer gesehen, dessen Hauswand das Glasurit Logo zierte und schließlich habe ich für diese Firma mal gearbeitet. Nur Profis verwenden diese Autolacke und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch der Originallack des Beasts aus der Produktion von Glasurit (BASF) stammt.

Rinus und Helga warten einen Tag in Tsumke und wir brechen morgens um 06.00 Uhr auf, kurz nach 09.00 Uhr sind wir in Grootfontain und die Jungs von Fickies Bodyshop machen sich sofort an die Arbeit. Abmontieren, Karosserie richten, schweißen, schleifen, spachteln, grundieren und lackieren. Um halb drei machen wir uns auf den Rückweg und kurz nach Einbruch der Dunkelheit sind wir zurück in Tsumkwe.

Der Khaudum Nationalpark liegt an der Grenze zu Botswana, diese ist nicht durch einen Zaun gesichert, sodass die Tiere zwischen diesen beiden Ländern hin und her ziehen können. Auf botswanischer Seite liegt das Okavangodelta und ist bekannt für seine großen Herden. Im Khaudum Nationalpark soll es große Herden von Elefanten geben.
tachoDadurch, dass der Park sehr abgelegen liegt kommen nur wenige Besucher hierher, auch sind die Wege sehr schlecht und auf der Karte wird extra darauf hingewiesen. Dafür ist der Eintrittspreis ein wahres Schnäppchen, keine 5 Euro und campieren im Sikaretti Camp ist umsonst. Hier treffen wir ein Ehepaar aus Südafrika, die von Norden her kommen, er erzählt uns von wahnsinnigen Spurrillen und tiefem Sand. So starten wir am nächsten Morgen mit großem Respekt vor der Strecke, aber wir kommen gut durch uns sehen wirklich unglaublich viele Elefanten, leider verziehen sich alle anderen Tiere, wenn der Elefant kommt und so sehen wir auch hier keine Großkatzen. Wir verlassen den Park und suchen einen schönen Platz zum übernachten. Heute ist Annettes Geburtstag und wir machen eine Flasche Sekt auf, die wir seit Windhuk mit uns herumtragen.

Auf dem Weg durch den Caprivistreifen machen wir noch einen Abstecher in den Mudumo Nationalpark. Dieser Park ist wirklich ein Besuch wert, er ist klein und unbekannt. Wir treffen keine anderen Besucher, finden aber eine schöne Stelle am Kwando River und bleiben 2 Nächte dort. Es ist ein wunderschönes Fleckchen Erde, aber sobald die Dunkelheit eintritt, beginnt es für uns unheimlich zu werden. Ein Nilpferd kommt immer näher und will bei uns an Land, glücklicherweise überlegt es sich doch nochmal anders und schwimmt langsam weiter.

Wir grillen ein paar Steaks auf dem Feuer und als wir gerade anfangen möchten zu essen, vernehmen wir den König der Tiere. Hhmmm, sollen wir lieber im Auto essen. Wir entschließen uns draußen sitzen zu bleiben, legen zur Sicherheit aber nochmal gewaltig Holz nach.

Wir liegen bereits im Zelt, als gegen 23 Uhr etwas an unserem Lagerplatz vorüberjagt, kurze Zeit später durchdringen schauerliche Schreie die Nacht. Die Affen ringherum sind in heller Aufruhr und schreien auch noch zusätzlich in die Nacht. Nach etwa einer halben Stunde ist der (Überlebens-)Kampf vorüber und es kehrt wieder Ruhe ein.

Am Morgen geht die Sonne auf und der Fluss fließt so friedlich dahin, wir frühstücken und machen dann das Feuer aus, es hat die ganze Nacht hindurch gebrannt und die Glut ist immer noch gigantisch. Wir holen viele Male Wasser aus dem Fluss, um es aus zu machen, aber der Schlamm um das Feuer beginnt nun zu brodeln. Es war wahrlich ein Höllenfeuer.

Die restliche Fahrt durch den Caprivistreifen verläuft ruhig und wir erreichen die Stadt Katima Mulilo, dort bleiben wir einige Tage um uns zu waschen, das Auto zu reinigen und die Vorräte aufzufrischen. Außerdem erledigen wir den ganzen Papierkram für die letzten Visa für Äthiopien, Sudan und Ägypten.

Dann heißt es Abschied nehmen von Helga und Rinus, wir sind solange zusammen gefahren und hatten eine super schöne Zeit in Namibia. Die Tropen sind schön, aber völlig anders als wir sie uns immer vorstellen.

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