Wider der Vernunft

Auf dem Weg zur Taverne, die wir wegen des WLAN aufsuchen wollen springt uns von rechts ein Tier in den Weg. Es ist eine kleine rote Katze, ziemlich zottelig und verwahrlost, aber das sind die meisten hier. Wir bleiben kurz stehen und schauen, es sieht aus, als ob sie nur ein Auge hätte, ich dränge Annette „Komm weiter“. Sie:“Schau mal wie klein, die noch ist.“ Wir gehen weiter, die Katze folgt uns und mauzt uns die ganze Zeit an. Wir bleiben wieder stehen und schon hangelt sie sich an Annettes Hosenbein hoch, als ob das der letzte Strohhalm wäre. Was sollen wir tun? Sie miaut uns erbärmlich an. Wir beschließen einen 2-Stufen-Plan, wir nehmen Sie mit, geben ihr was zu fressen und machen sie sauber und wenn sie morgen noch da ist gehen wir zum Tierarzt. Mit zwei Fingern fassen wir ihn (es ist ein kleiner Kater) im Genick an und gehen die ca. 500 m zu unserem Auto zurück. Dort waschen wir ihn und es kommt sein zweites Auge zum Vorschein, wir haben noch etwas Dosenwurst vom Hug-Metzger, davon kriegt er die Hälfte. Er frisst wie ein Scheunendrescher, dann geben wir ihm noch etwas Milch und gehen zum 2. Mal Richtung Taverne. Als wir zurückkommen ist er noch da, auch am nächsten Morgen ist er noch da. Als er uns im Zelt hört macht er draußen auf sich aufmerksam. Das Auge ist wieder zugeklebt, wir fahren also nach Corfu Stadt zum Tierarzt, dort haben wir schon mal Vet & Pet gesehen. Wir packen unsere 7 Sachen und los geht´s.

Die alte Dame erklärt uns auf griechisch-englisch, dass der Tierarzt um 3 Uhr wieder da ist, wir sollen bis dahin unser Business erledigen und die Katze da lassen. Zu Zweit fahren wir in die Stadt und sehen uns die Seifenmanufaktur Patounis, incl. Führung durch die Produktion durch den Chef an. Die einzige Seifenfabrik, die es auf Corfu noch gibt, die aus Olivenöl Seife herstellt und das in der Originalfabrik von 1850, die Firma ist als Industriedenkmal gelistet die alten Bottiche sind beeindruckend. Wir kaufen zwei Stück Seife und schlendern bis 15 Uhr durch die Old Town.
Der Tierarzt versorgt die Katze, sie ist ca. 8 Wochen alt und wiegt 400 gr., wir kriegen viererlei Medikamente, incl. Wurmkur und sind 68 Euro los, beim Weggehen sagt die alte Dame zu uns, bevor wir die Katze wieder aussetzen sollen wir sie ihr bringen, sie wird schon jemanden finden, der sie nimmt, sie ist soo sweeeet.
Das merken wir auch, der kleine Bursche wird langsam wieder putzmunter und hat unsere Herzen erobert. Wir kaufen noch eine Box für die Nacht und etwas Futter. Er frisst einfach alles, sogar die Pillen schlingt er herunter wie Dosenwurst. Ein Papiertuch, mit dem wir Zaziki weggewischt haben können wir ihm gerade noch entreißen. Zwei Tage unterhält er uns, spielt, jagt, frisst und schmust mit uns. Wenn nur das „Sauberkeitsproblem“ nicht wäre, morgens ist alles versch….
Aber er lässt sich problemlos mit Wasser abduschen, danach kriegt er noch das Spray gegen die Flöhe, Läuse, etc. Doch nun müssen wir eine Entscheidung treffen und die heißt zurück zur alten Dame, es ist besser für ihn und uns.
Wir brechen unsere Zelte in Corfu ab und wollen morgen zurück aufs Festland, als erstes geben wir Erwin, so haben wir ihn getauft (Erwin, der Wüstenfuchs) ab. Je eher, desto besser, wir bekommen jetzt schon Tränen. Als wir dort ankommen ist nur der Tierarzt da, morgen früh um 09.00 Uhr sollen wir wieder kommen. Es soll wohl nicht sein, dass wir ihn loswerden, also lautet der neue Entschluss: Erwin kommt mit!

So kaufen wir noch in einem Supermarkt eine Riesenrolle Papiertücher zum Saubermachen. Auf dem Parkplatz verstauen wir alles und lassen ihn nochmal laufen, vielleicht muss er ja gerade. Er steht auf der Begrenzungsmauer und als ein anderes Fahrzeug hupt, fällt er vor Schreck hinten über. Weg ist er. Zuerst kommt ein Zaun und dann Dornen. Annette versucht mit beiden Händen den Zaun hoch zu heben, damit ich drunter durch schauen kann. Wir hören ihn, aber sehen können wir ihn nicht. Der Zaun ist ziemlich neu und lässt sich kaum hochziehen. Aber wir sind ja perfekt ausgerüstet, ich hole den Seitenschneider aus der Werkzeugrolle und in einer Minute ist ein Loch im Zaun und wir sehen Erwin ca. 1 m tief in einem zugwucherten Betongraben. Ich kann ihn nicht fassen, aber als Erwin mich sieht, kraxelt er die Wand ein wenig hoch und ich packe ihn im Genick. Rettung Nr. 2 ist auch geglückt.

Erwin, der Wüstenfuchs

Erwin, der Wüstenfuchs

hier bin ich

spiel mit mir

spiel mit mir

Rettungsloch

Rettungsloch

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5 Kommentare

  1. Hallo Annette und Stefan, ich hab heute morgen die Geschichte Daniela und Leni vorgelesen, die waren beide total gerührt-mit dem Ergebnis, dass sie jetzt auch eine Katze wollen. Andy Brü. hat gemeint ihr habt das Kätzchen wieder abgegeben.Aber hr habt Erwin jetzt immer dabei oder ?

    Liebe Grüsse
    Daniel, Leni und Archie

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    1. Hallo ihr Drei,
      ja klar, Erwin ist noch bei uns. Es heißt ja immer, dass Katzen nicht den Menschen lieben, sondern nur das was sie für die Katzen tun. Aber Annette meint, der liebt uns wirklich.
      Viele Grüße an alle senden euch Annette und Stefan vom Orakel in Delfi

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